Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 17.1919

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UNSTAUSSTELLUNGEN



BERLIN

Die „Freie Sezession" hat in
ihren Räumen am Kurfürsten dämm
dem fünfzigjährigen Max Slevogt
eine grosse Ausstellung gewidmet. Die Absicht war gut.
Doch ist sie im letzten Augenblick gefasst und darum
allzu eilig und sorglos verwirklicht worden. Aus-
stellungen grosser Teile vom Lebenswerk eines Künst-
lers sind stets gefährlich. Sie bedürfen eines beson-
deren Taktes und grosser Hingabe. Jedem neueren
Künstler unterlaufen Arbeiten, die einer solchen Ver-
anstaltung gefährlich werden, kein lebender Künstler
kann so unerschütterlich wie die alten Meister. das
Niveau halten und es müssen darum alle Künstler, von
Menzel bis Slevogt, von Leibl bis Corinth gewisser-
massen vor sich selber in Schutz genommen werden.
Die letzte gut gemachte Kollektivausstellung, die
Berlin gesehen hat, war die grosse Liebermannaus-
stellung im Akademiegebäude. Sie war vom Künstler
selbst und von tüchtigen Helfern lange vorbereitet
worden. Und selbst sie enthielt noch einige Bilder, die

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besser fortgeblieben wären. Eine Sievogtausstellung
hätte liebevoll kritisch gemacht werden müssen, weil
dieses starke Temperament, eben um des Tempera-
ments willen, ungleich in der Produktion ist. Die
Hälfte, der dritte Teil der ausgestellten Werke hätte
ein wirksameres Bild von Slevogts Eigenart geben
können, als diese krause Anhäufung, wenn richtig ge-
wählt und gehängt worden wäre. Statt dessen ist alles
schnell Erreichbare zusammengebracht und bunt durch-
einandergehängt worden. Ganze Privatsammlungen
sind in einzelnen Räumen untergebracht. Und die
schönen Zeichnungen sind so lieblos übereinander-
geschoben, dass einem das Herz weh thut. Der Krieg
und die Verwirrung der Zeit mögen vieles entschul-
digen, eine solche Arbeitsweise entschuldigen sie
nicht.

■ Über Slevogt selbst braucht bei dieser Gelegenheit
nicht mehr gesprochen zu werden. Es ist so oft die
Rede von ihm gewesen, zuletzt gelegentlich seines
fünfzigsten Geburtstags, dass es genügt das Aus-
stellungstechnische der Veranstaltung zu berühren.

K. Seh.



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A. GRUNENBERG, ANNA PAWLOWA. ZEICHNUNG

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