Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 17.1919

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KURT EDZARP, FRAUENBÜSTE

UNSTAUSSTELLUNGEN

BREMEN

In der Bremer Kunsthalle zeigt
der junge bremische Bildhauer Kurt
E dza rd eine Anzahl seiner Arbeiten.
Im Mittelpunkte der Ausstellung steht die lebensgrosse
für Bronze gedachte Figur eines Mädchens mit er-
hobenen Armen, schön und fest aufgebaut und trotz
knapper Massenvvirkung von zart lebendiger Modellie-
rung, von fein bewegter Oberfläche im Einzelnen. Das
Spiel der plastischen Verschiebungen, hervorgerufen
durch die Bewegung der Arme, ist einheitlich beherrscht
und zusammengenommen. Es ist keine laute, aber eine
eindringliche Kunst, die hier spricht, harmonisch in der
gegenseitigen Durchdringung von bedeutsamer Be-
handlung in Fläche und Masse und von herber
Linienführung in der reizvoll ausgewogenen Gesamt-
silhouette. Eine Kleinbronze einer sitzenden Frau,

im Aufbau energischer als in der Abbildung sichtbar
wird, zeigt, um wieviel reifer diese Kunst im Laufe der
letzten Jahre wurde ; diese Kleinbronze ist 1914 in Paris
entstanden, die grosse Figur stammt aus demjahre 1919.
Unsre Plastik leidet heute im allgemeinen ein
wenig an einem zu bewussten Streben nach „Stil" und
gerät allzuhäufig in äusserliches Stilisieren. Lehm-
bruck hat in den letzten Jahren die Gefahr gespürt,
Ernesto de Fiori nicht weniger als Huf, Scharff und
Pilarz. Bei der Porträtskulptur wird das Problem akut.
Hier, bei dem (wie Trübner sagen würde) „Parade-
marsch", kommt heraus, wieviel Natur und wieviel Stil
zugleich einer von Haus aus hat. Edzards Bildnisse,
sehr charakteristisch, im besten Sinne ähnlich, und immer
sehr lebendig im Ausdruck, enthüllen eine Frische der
Anschauung und eine Naivität der Empfindung, die
Gutes versprechen, weil hier der Stil wie von selber
mit dabei ist. E. W.

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