Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 17.1919

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Unbewusst, halb spielerisch, verlässt mit ihnen Dürer
die Tradition der Jahrhunderte, reisst sich aus der
katholischen Kunstgesinnung los und schafft Kunst-
werke, die von keiner andern Quelle als der Natur
kommen und in keine andre zurückströmen. Die
Gotik fällt von ihm. Und ohne es auch nur zu
ahnen, erfüllt er die Forderung der Antike.

der Reflexion gelangt die Anschauung zur Herr-
schaft. Mit seinen späteren Landschaftsstudien er-
obert er die Natur ganz. Er hat in den zwei
Blättern der „Drahtziehmühle", welche durch eine
Reihe von Jahren voneinander getrennt sind, die
Anstrengungen seines Lebens um objektive Ge-
staltung dokumentiert. Die erste Fassung, ein

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II

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WOIF HUBER, LANDSCHAFT MIT HL. GEORG. HOLZSCHNITT

Dieser unbedingte, alleinige Anschluss an die
Natur: ein Prinzip, das in den Hauptwerken
Dürers immer irgendwie unerfüllt blieb. Eine stark
subjektiv gefärbte Lebensphilosophie bleibt ihr
Fundament; die Natur ein Mittel zu ihrer Dar-
stellung. Sobald er aber Landschaften giebt, tritt
seine Person hinter dem Objekt zurück. Anstatt

Aquarell, stammt noch aus seiner Jugend her. In
manchen detaillierenden Zügen zeugt sie von einer
verschärften Naturbeobachtung: als Ganzes aber
hängt sie noch eng mit dem vergangenen Jahr-
hundert zusammen. Man könnte sagen: das Ein-
zelne ist schon richtig erschaut, aber das Ganze
ist noch nicht erkannt. Das Bild hat den Fehler

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