Donath, Adolph [Hrsg.]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Seite: 7
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Jie Ausstellung zur Feier der Silberhochzeit des
Kronprinzenpaares im Februar 1883 hatte einen
solchen Erfolg, daß sie auf die Sanuneltätigkeit in Berlin
außerordentlich belebend einwirkte. Daß diese rege er-
halten wurde und nach verschiedentlichen Seiten sich
ausdelmte, dafür sorgten wir durch ähnliche Ausstellun-
gen, die sich bis zum Kriege im Abstand von mehreren
Jahren regelmäßig folgten und die jedesmal womöglich
eine neue Richtung der alten Kunst vorführten, aueh
möglichst innner in neuer Aufmachung. Jener Aus-
stellung in der Akademie folgten ebenda eine Rokoko-
ausstellung und eine Renaissanceausstellung, später irn
Kunstgewerbemuseum eine Ausstellung von Berliner
Porzellan, die Ausstellung in den vornehmen alten
Räumen des Palais Redern, ehe dasselbe niedergerissen
wurde, endlich die Ausstellung alter Porträts und Still-
leben 1914 in der neuen Akademie am Pariser Platz,
wo in den Jahren vorher erst unter der Leitung von
Graf Seckendorff und Geheimrat Seidel die englische
Kunst und dann die französische Kunst des 18. Jalir-
hunderts gezeigt war, Ausstellungen, wie sie kaum
London und Paris vor ihrer eigenen Kunst gehabt
haben. Diese verschiedenen und verschiedenartigen
Ausstellungen haben das Sammelwesen in Berlin
immer wieder neu belebt, meist auch in neuer Weise
utid haben durch die Art ihrer Anordnung mit der Rich-
tung der Berliner Sammler zugleich iliren Geschmack
in der Aufstellung stark beeinflußt.

Über die einzelnen Sammlungen, die so nach und
nach entstanden, und über die Sammler selbst sind
einige kurze Mitteilungen wohl erwünscht, obgleich sie
den meisten Berliner Kunstfreunden zum Teil noch in
Erinnerung sind, soweit sie nicht überhaupt noch in
Berlin erhalten sind; denn in einer Weltkrisis wie die
jetzige wird alles nur zu rasch Geschichte und Mythus.

Die Anfänge neuen Sammelns in Berlin waren recht
bescheidene, was z. T. mit dem Mangel an guter Gele-
genheit dazu zusammenhing. Der Markt in Berlin be-
schränkte sich, da fremde Händler kaum hierher kamen,
im Wesentlichen auf die Lepke’schen Kunstauktionen.
die damals herzlich unbedeutend waren. Dennoch
konnte man gelegentlich einen netten Fischfang dort
machen, und daher waren Freunde alter Kunst, die sich
damals unseren Museen zu näliern begannen, dankbar,
wenn ich bei Lepke für sie ein solches Stück zu er-
haschen wußte. So hatte ich für Wilhelm Gumprecht
einen kleinen Brouwer um 63.— Mark, für Geheimrat
Stüve, (der später als Regierungspräsident in Osna-

*) Sielie „Der Kunstwanderer“ 2. AiiRiistheft 1922.

II*)

brück seine Sammlung dieser seiner Vaterstadt ver-
rnachte), verschiedene gute holländische Kleinmeister,
für meinen Hauswirt Otto Pein u. a. den „Barmherzigen
Samariter“ von A. Elsheimer (jetzt im Leipziger Muse-
um) erwerben können. Für letzteren hatte ich damals
auch in der Kunstsammlung von Ouaas einen frühesten
Rembrandt, der kürzlich für ein paar Millionen nach
Tokio verkauft ist, um 65.— Mark gekauft. Im Auslande
solche Chancen auszunutzen, hätte mir damals keiner
dieser Herren gestattet. So hatte ich Herrn Gumprecht
von London aus ein köstliches Porträt des Frans Hals
aus seiner späteren Zeit um 130 Pfund empfohlen; er
lehnte aber ab, da er es vorher sehen müsse. Ich kaufte
es nun auf meine Gefahr, um es für das Muscum zu
nehmen. Als das Bild hier ankam, beschwor er mich,
es ihm zu überlassen; er würde es dann dem Museum
vermachen. Ich ging darauf ein und konnte zusehen, als
es in der Versteigerung der Sammlung Gumprecht um
ca. 270 000 Goldmark nach Dänemark verkauft wurde.

Unmittelbar nach unserer Ausstellung in der alten
Akademie hatte ich das Glück, durch den Kunsthändler
Charles Sedelmeyer in Paris nacheinander drei her-
vorragende Gemälde biblischer Motive von Rembrandt
zu erwerben. Diese ansehnliche Erwerbung ermutigte
Sedelmeyer auf nieine Aufforderung gelegentlich mit
guten Bildern nach Berlin zu kommen. Die prächtige
photographische Publikation, die Braun-Dornach von
der Akademie-Ausstellung machte, trug auch nicht
wenig dazu bei und ermutigte später, namentlich als
Sedelmeycr einen glänzenden Erfolg mit seinen ersten
Verkäufen in Berlin hatte, auch andere Händler aus
München und Frankfurt, wie aus Paris und London,
Kunstwerke zum Verkauf nach Berlin zu bringen, die
ich mehrfach bei Besuchen jener Städte vorher aus-
wählen konnte. Die hervorragende Sammlung hollän-
discher Gemälde von Herrn A. v. Carstanjen, der da-
mals nach Berlin übersiedelte, mag auch ermunternd
und vorbildlich beim Sammeln gewirkt haben.

Auf diese Weise konnte sich in Berlin in den
achtziger und neunziger Jahren eine ganze Reihe von
ansehnlichen und vielseitigen Sammlungen alter Kunst
bilden, sodaß die deutsche Reichshauptstadt auch darin
den Hauptstädten der iibrigen Kunstländer nacheiferte.
Der erste, der systematisch zu sammeln begann und
bald nach allen Richtungen sicli ausdehnte, war J a m e s
S i m o n. Als seine Sammlung von Kunstwerken aller
Art so sehr angewachsen war, daß sein geräumiges
Haus sie nicht mehr faßte, stiftete er 1904 zur Eröffnung
des Kaiser-Friedrich-Museums die ganze Abteilung der
italienischen Renaissancekunst mit ihren Meisterwerken
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