Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 368
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Die einzige Aufregung war das Erscheinen zweier
Altdorferlandschaften aus jener Folge von Radierungen,
die nur in Wien vollständig zu finden ist und aus der
die übrigen Kabinette nichts oder höchstens das eine
oder andere Blatt besitzen. Am wenigsten selten -
immerhin sind mir nur 5 oder 6 Drucke bekannt — ist
die Radierung B. 70, von der hier ein schöner Bruck
X'orkam und 37 Millionen Mk. brachte. Sie fehlt in

Berlin nicht und kam auch in der v. Lanna-Sammlung
vor, wo 1130 Mk. dafür bezahlt wurde. Minder wir-
kungsvoll, aber noch seltener ist das andere Blatt, das
hier überraschend erschien, B. 69 davon sind, soviel
ich weiß, nur noch 2 andere Drucke bekannt —. Es
wurde mit 21 Millionen Mk. verkauft. Diese beiden
frühen Monumente der Landschaftsradierung scheinen
erfreulicher Weise in Deutschland zu bleiben.

Bruno Goldschmitt,
Der Römer iu Frankfurt
Radierung

Graphisches Kabiuett
H. Trittler
Frankfurt a. M.

Dtc Sammlung Sitten

oon

f. ScbottmüUei?

| er Berliner Privatbesitz hat in den letzten Jahren
schwerwiegende Einbußen erlitten. Nur an die
Sammlungen von Kauffmann, von Beckerath, Markus
Kappel, von Hollitscher, Salomon, Schweitzer und von
Pannwitz sei erinnert, die teils versteigert, teils ganz
oder geteilt ins Ausland gewandert sind. Dazu kommen
Verkäufe einzelner besonders wertvoller Werke aus
anderen Kollektionen, und der Tiefstand der deutschen
Mark wird noch auf lange Zeit hinaus eine Versuchung
bleiben, Kostbarkeiten auf valutastarke Mächte zu
bringen; und zudem ist sie ein Hindernis international
geschätzte Meisterwerke für Deutschland anzukaufen.
Endlich ist wolil kein Zweifel, daß Sammlungen, die
nicht tnehr wachseh, in beginnender’ Gefahr sind, sich
aufzulösen. Wenn das Interesse afn VeTtnehren
schwindet, geht langsam und unmerklich auch die
Ereude am vorhandenen Besitz verloren. Wer aber in
Deutschland heute nocli sammeln will, muß sich um-
stellen und statt auf Rembrandt und l'izian, vari Dyck
und italienische Bronzen zu fahnden, wie das vor 1914
der Ehrgeiz unserer großen Sammler war, rhüß man in
diesen Tagen das Augemnerk' aiif wenigcr bcachtete

Kunstwerke richten, auf Werke, die im Ausland sozu-
sagen noch nicht notiert werden.

Das ist nicht Theorie, sondern glücklicherweise
schon Praxis geworden; neue Samtnlungen von be-
scheidenerem Charakter, aber unleugbar ltohem künst-
lerischen Wert sind im Entstehn; und so darf es nicht
wundernehmen, daß eine Serie von Katalogen „Kunst-
werke aus deutschem Privatbesitz“ im Verlag für
Kunstwissenschaft in Berlin zu erscheinen begann.
Der Herausgeber W. F. Volbach hat den ersten Band
„Die Sammlung Silten“ selbst bearbeitet. Er verdient
eine eingehende Würdigung. Zunächst das Äußere.
Der stattiiche Band gemahnt nicht an die Not der Zeit;
ausgezeichnet sind die 32 Lichtdrucktafeln und 36 Text-
abbildungen in gleicher Reproduktionstechnik. Fast
ein Drittel der Sammlung, die 225 Nummern zählt, ist
wiedergegeben. Der Druck ist tibersichtlich und fast
verschwenderisch in seiner Weiträumigkeit. Freilich
die Teilung in elf Gruppen: Bronze, Elfenbein, Ton,
Holz, Bernstein, Emaillen, Keramik, Gemälde, Glas-
malereien usw. war durch die Vielartigkeit der Satnm-
lung geboten. Denn Silten hat nicht den Fhrgeiz ge-

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