Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 266
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klären; er weiß, daß seine Gaben und sein Wollen noch
im Aufstieg sind, aber er ist sich auch seines Wertes
und des Vollbrachten bewußt. Doppelt schwer trägt
er darum auch an der Tragik seines Lebens, die ihn

hindert, itn Kunstleben der Heimat die ihm gebührende
Stelle einzunehmen und die allgemeine Anerkennung
zu finden, die durch eigenes Bewußtsein und den Beifall
weniger Freunde nicht zu ersetzen ist.

Lucas von Leyden
Enthauptung des heiligep Joliaunes

Gutekunst & Klipstein
Bern

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jer Kreis der Freunde und Sammler mittelalter-
^ licher Bilderkunst erweitert sich ständig. Damit
wächst auch das Bedürfnis nach Veröffentlichungen. Es
ist ein bedenklicher Zug unserer Zeit, daß diescr Bedarf
hauptsächlich durch Bilderbücher mit kurzem, oft wert-
losem Texte gestillt wird. Ernsthafte, große, ausge-
reifte Arbeiten sind selten geworden.

Aus der Fülle der neuen Veröffentlichungen ragt
wie ein Riese über Zwerge der soeben erscliienene
dritte Band der vom Deutschen Verein für Kunstwissen-
schaft veranlaßten Sammlung der „Elfenbeinskulpturen
aus der romanischen Zeit“ von Adolph Gold-
schmidt (Berlin, Bruno Cassirer, 1923) hervor, im
wesentlichen Elfenbeine des 12. Jahrhunderts um-
fassend. I )ern Bedürfnis nach volkstümlichen Darstel-
lungen der mittelalterlichen Elfenbeinbildnerei sollen
neben dem Bande „Elfenbein“ von ütto P e 1 k a (Bi-
bliothek für Kunst- und Antiquitätensammler, Band 17,
Berlin, R. C. Schmidt u. Co„ 1920), der sich in den
ersten Kapiteln naturgernäß an die früheren Bände des
großen Werkes von Goldsclimidt anlehnt, der wertvolle
kleine Katalog 7 des Römisch-Germanischen Zentral-
museums in Mainz, „Elfenbeinarbeiten der Spätantike
und des frühen Mittelalters“ von W. F. Volbach

(Mainz, L. Wilckens, 1916), sowie des gleichen Verfas-
sers „Mittelalterliche Elfenbeinarbeiten“ (Orbis Pictus,
Band 11, Berlin, Wasmuth, 1922) dienen, ferner Josef
S a u e r s Büchlein über „Altchristliche Elfenbein-
reliefs“ in Tietzes Bibliothek der Kunstgeschichte
(Leipzig, E. A. Seemann, 1922), endlich „Die ottonische
Plastik“ von Margret B u r g (Bonn, K. Schröder, 1922),
die innerhalb der gesamten Bildnerkunst dieser Zeit die
Elfenbeinplastik am breitesten behandelt.

R o s e n b e r g s „Geschichte der Goldschmiede-
kunst“, die sich naturgemäß nicht auf Plastik be-
schränkt, ist bei dem Bande Zellenschmelz (Frankfurt,
Baer, 1922) angelangt. Eine lange gefühlte Lücke füllen
in dem Schrifttum über mittelalterliche Goldschmiede-
kunst die beiden Handbücher „Meisterwerke der deut-
schen Goldschmiedekunst der vorgotischen Zeit“ von
Josef Braun aus (Sammelbände zur Geschichte der
Kunst und des Kunstgewerbes, Band 8, 9 München,
Riehn und Reuscli, 1922). Ein Fachmann der seinen
Stoff nach der theologischen und kunstgeschichtlichen
Seite gleichmäßig beherrscht, hat hier die besten Gold-
schmiedewerke, hauptsächlich Skulpturen, aus dem
9.—13. Jahrhundert abgebildet und mit kurzen, wert-
vollen Erläüterungen versehen. Wenn auch das Werk

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