Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 436
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Eum 80. Qebuptstage des Kunftfammleps.

Am 2D. Juni ist Baron Maximilian von Goldschmidt-
R o t h s c h i 1 d in Frankfurt am Main achtzig Jahre alt geworden.
In ihm verkörpert sich ein halbes Jahrliundert deutscher Sammler-
Geschichte. Denn Baron Goldschmidt-Rothschild sammelt, wie
er mir einst erzählte, bereits seit 1873 und wer seine Kunst-
schätze kennt, staunt iiber das außerordentliche Kunstverstäudnis,
das er bei der Wahl der (jualitäten bewiesen hat. Und er widmet
sicli auch heute noch in voller Frische seinen kiinstlerischen
Passionen. Seine Sammeigebiete sind: Limoges, Ma;oliken, Silber,
Bronzen, Porzellane, Miniaturen, Dcsen. Aber daß er immer auch
darauf bedacht war, die Wände seiner Saions mit den Groß-
meistern der Malerei zu schmücken, besagen Rembrandts „Mi-
nerva“ (die man in Bodes Werk findet), Rembrandts jugendliche
„Hendrikje“ mit den rcten Korallen um den weißen Halsbesatz,
Frans Hals, „Mann mit dem Becher“. Und zu den Rembrandt und
Hals gesellen sich die Steen, Cuyp, Teniers, Wouwermann u. a.

Freilich, die inteusivste Neigung des Frankfurter Kunst-
sammlers galt und gilt dem Silber der Renaissance. Als ich ihn
vor dreizehn Jahren zum erstenmal besuchte, sah ich im Palais
in der Bockenheimer Landstraße Stücke, wie sie in solchen Quali-
täten nur im Waddesdon-Vermächtnis des Britischen Muse.ums und
in der Wallace-Collection in London stehen, im Schloß Rosenborg
in Kopenhägen oder im Grünen Gewölbe in Dresden. Unvergleich-
lich ist hier die Serie der Silbertiere. Und mitten aus der Reüie
dieser Trinkgefäße, des hessischen Löwen, des „goldenen Ochsen“.
der Silbereulen, -Hirsche und -Hunde funkeln edelsteinschwere
Renaissance-Bijoux hervor und zwischendurch blitzt ein Berg-
kristallpokal von Vallerio Belli auf, dessen Namen auch das Gefäß
mit der Jahresgeschichte aus dem Berliner Schloßmuseum trägt.
Nicht mitider einzigartig ist die Reihe der frühen Ouattrocento-
Bronzen. Ein hohej Schrank, über dem ein Leuchterweibchen von
Tilman Riemenschneider schwebt, birgt die kostbarsten Emails
und Majoliken: ein Bischofsstab aus der Friihzeit der Limousiner
Schmelzkunst, zwei Tafeln von Penicaud mit der Darstellung der
Aeneis, die Emails der Court und Pierre Raymond gehören zu den
Hauptstiicken. Utid dann die Majoliken — lüstrierte Gubbio-Teller,
darunter eine Arbeit des Maestro Giorgio — und dann die Por-
zellane, darunter bestes vom besten aus Wien, Höchst und
Nymphenburg. Aber das Meißener Porzeilan des Palais hütet
Baron Göldschmidt-Rothschild init besonderer Sorgfalt: es war
der Kunstliebling seiner verstorbenen Gemahlin und stellt, nebenbei
gesagt, eine Sammlung von Krinclinengruppen vor, wle sie
nirgends in so faszinierender Oualität zu sehen waren und sind.

Baron Gcldschmidt-Rothschild sammelt, wie ich schon er-
wähnte, auch Miniaturen — die Namen Isabey, Fiigcr ünd Smart
sprechen ftir deiT hohen Rang dieser Reihe — und Dosen. Dcsen-
sammlungen von so erksenem Geschmack gibt es vielleicht nur
noch in Paris und Lcndon. Doch ich kann in diesem knappen
Raum natürlich nicht auf alle die Einzelheiten der großartigen
und vielfältigen Sammlung eingehen, denii ich wollte zum 80. Ge-
burtstage des Frankfurter Kunstsammlers bloß vermerken, wie
erfolgreich Baron Maximilian von Goldschmidt - Rcthschild in
diesem halberi Jahrhundert gewesen ist und wie eng und stolz
sein Name mit der Blütezeit des Sammelwesens in Deutschlar.d
verknüpft ist. Adolpli I) o n a t h.

Aus det? jvtufßumsiüclL

Bct’ltn.

FRANZ ZATZENSTEIN

MUNCHEN

Akademiestr. 511

Impressionisten
Alte Kunst

Es sind

Baldung

Bramer

Hobbema

Landseer

ausgestellt Werke von:

Cezanne Blechen

Courbet Corinth

Daumicr Hodler

Degas J. Israels

Delacroix A. Keller
F. Krüg'er
Liebermann
Menzel

E.Schleich sen.

Flor. Quatrocentist Van Gog-h

Rottenhammer Ingfres

t i i. n> a t Monticclli

Jakob Kuysdael Renojr

Sienes. Meist. XIV. Rysselberghe Trübner

Ch. Schwarz Signac Zügel

und andere

über die Äusstellung, die zu Ehren des siebzigjährigen Karl Hage-
meister am 27. Juni eröffnet worden ist. In der Neuen Abteilung
der National-Galerie, im ehemaligen Kronprinzen-Palais wurde am
29. Juni die C o r i n t h - Ausstellung eröffnet. Ihre Bedeutung soll
ausführlicher gewürdigt werden.

Drcsdcn.

Ein bislier fiir verschollen gehaltenes Bild Ludwig R i c li -
ters ist kürzlich von dcr Dresdner Gemäldegaleric
aus dem Dresduer Kunsthandd erworben worden. Es handelt sicli
um ein großes Ölgcmälde, das die Ebene und im Hintergrunde
die Gebirge von Falästina darstelit und aus dem Jahre 1826
stammt, also von dein 23 jährigen Künstler. Dieses Bild zeigt die
Landschaft in stark lcuchtendcn, kräftigen, den italienischen Ein-
fluß verrater.den Farbsn und war seinerzeit auf der Frühjahrs-
aussteliung 1829 in Hamburg ausgestellt. P. S.

MODERNEGALERIE

THANNHAUSER

Die National-Galerie ist seit Juli vorigen Jalires, seit Schluß
dcr Thoma-Ausstellung und Fortnahme der Sanitnlurig Grönvold
neu geordnet wcrden. In den meisten Räumen wurden die
Behangflächen durch andcre Wandaufteilurig niedriger gestaltet,
die ungleich verschossenen Wandstoffe in anderen Tönen neu
gefärbt, und zwar im Hause, unter Mitwirkung des Malers Paul
Hans Ohmer t; die Farben sind von der Firma Brauns gestiftet.
Über die Neuordnung wird noch ein Wort zu sagen sein, ebenso

Theatinerstr. 7 Telefon 27 601

MÜNCHEN

Grße deuijc/ie und auständifcfie ‘IReider. — fflfte ‘Uleißer
(ßrapßifcßes (Kabinett

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