Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 251
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Heute verbringt vielleicht mancher Künstler in Berlin auch
eine Nacht im Freien, wenn er seine Möbel und Modelle be-
wachen muß, die man mit Gewalt aus seinem Atelier auf die
Straße setzt. Ja, es geht den Kiinstlern schlecht, trotz der Aine-
rikaspende, die sie dankbar anerkennen und die manchem von
ihnen für ein paar Wochen hinweghilft. Und trotz den Preisen,
die sie im Sommer in der Großen Kunstausstellung bekonnnen
haben. Vielleicht nicht so sehr für manches Bild, als fiir die
großen schönen R a h m e n. Denn — und auch das erfuhr man
in der Berliner Künstlerversammlung — viele von jenen Bildern
sind nur der Rahmen wegen fiir — tschechoslovakische Kronen
in der Großen Kunstausstellung verkauft worden.

A d o 1 p h D o n a t h.

IDtedecbelebung det? jvionumentaU
matecet.

Nachdem sich die verschiedenen Parlamente des Deutschen
Reichs wiederholt mit der Notlage der Künstler und Geistes-
arbeiter befaßt liaben, gibt der Akademische R a t zu
Dresden eine beachtenswerte Anregung, die zu einer Wieder-
belebung der in der letzten Zeit stark vernachlässigten M o n u -
mentalmalerei führt.

Die monumentale Malerei ist in ihrer abgeklärten Wirkung
nicht der eindringlichste und vornehmste Zweig der bildenden
Kunst. Es ist Tatsache, wie der Akademische Rat zu Dresden mit
Recht ausführt, daß die Mehrzahl unserer schaffenden Ktinstler
dieser Malweise entfremdet ist und ihr wenig erfahren gegeniiber-
steht. Dies ist um so mehr zu bedauern, als gerade die künstle-
risch durchgebildete Wandmalerei Aufgaben zu erfüllen hat, die
besser als das Staffelbild einen Dauerwert für die weite Allgemein-
heit bedeuten, wie das noch in den fein empfindenden Tagen der
Renaissance, in Deutschland noch im 18. Jalirh., Regel war.

Auch die bildende Kunst braucht im großen Publikum eine
starke aligemeine Teilnahme aller Volksschichten, um lebenskräftig
zu bleiben. Unsagbar öde muten Heute den Beschauer viele
unserer großen öffentlichen Bauten in ihrem Innern an; langweilig
gähnen so manche weite Hallen, Treppenhäuser und Sitzungs-
zimmer in unseren Rathäusern, Gerichtsgebäuden, Schulen usw. an.
Ein weites Betätigungsfeld wiirde sich also unseren bildenden
Künstlern eröffnen; es müßte nur die Erkenntnis in weite Kreise
bringen, daß hier ideelle Werte geschaffen werden können, die für
die Allgemeinheit von größtem Nutzen sind. Geschieht dies,
werden sich auch Mittel und Wege finden lassen die Kosten dafiir
aufzubringen. Staat, Gemeinden, Vereine, Körperschaften müssen
darauf bedacht sein, Stifter und Förderer zu gewinnen, die bereit
sind, solchem künstlerischen Schaffen zur Ausführung zu verhelfen.
Sie erwerben sich damit nicht nur den Dank der notleidenden
Kiinstler, auch die Nachwelt wird ihren Gemeinsinn rühmen.

Uni die Gewähr zu bieten, daß gerade die besten Kräfte an
den richtigen Platz gestellt und die besonders geeigneten Räume
für monumentale Ausmalung gewählt werden, müssen bewährte
Kiinstler mit ihrem Rat zur Hand sein. Was in vielen Orten Süd-
deutschlands schon heute mit bestem Erfolg geschieht, eine Neu-
belebung der monumentalen Wandmalerei, das muß auch in
Sachsen möglich sein. Die Förderung der bildenden Kiinste darf
nicht nur eine Frage der Volksvertretung und Regierung bleiben,
sie muß wieder wie früher eine Ehrenpflicht der Allgemeinheit
werden. —

Diese Anregung ist sicherlich begrüßenswert, — niclit nur im
Interesse der Künstler selbst, scndern auch in dem der Kunst an
sich. Allerdings könnte man einwenden, daß j e t z t andere Auf-
gaben zu lösen sind. Aber man muß dabei bedenken, daß die Kunst
und ihre Träger einen nicht zu unterschätzenden Kulturfaktor
bilden, utid daß gerade die deutsche Kunst in alien iliren Teilen
und Gebieten, um deutsche Kultur nicht von ihrer Höhe sinken zu
lassen, dringend der Unterstützung und Förderur.g bedarf. Dies
bezielit sich nicht bloß auf die Malerei, sondern ebensogut auch
auf die Bildhauerei, auf die die oben angegebene Anregung gleich-
falls anwendbar ist. Unser gesamtes Kiinstlertum leidet mehr wie

I-

Wir suchen un«I kauCen:

jederjeit tadellose Kupterstiche und Radierungen

A li e Neisler

Aldegrever, Altdorfer, Amman, Backhuizen, Bega, Beham, delta
Bella, Belotto, Berghem, Bink, Bol, Breenberg, Breughe', Callot,
Cana'e, Claude, Cranach, Drevet, Dürer, v Dyck, Ede inck,
Gellie, Goltzius, Goya, Hollar, Lautensack, Leyden, Masson, N-m-
teuil, Ostade, Rembrandt, Ruisdaei, Schongauer, Waterloo, Zeeman

Deutsche u. italienische Meister des 15. Jahrh.

-H 1 w ri i c «■-

noderne Ratlierun^en:

Applan, Besnard, Bone, Bracquemond, Buhot, Cameron, Corot,
Daubigny, Daumier, Forain, Haden, Legros, Lepere, Manet,
Meryon, Miilet, Whistler, Zorn

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jcder andere Beruf unter den gegenwärtigen schwierigen Verliält-
nissen. Dazu kommt, daß von mancher Seite die Kunst gewisser-
maßen als „Luxus“ angesehen wird, — ein verhängnisvoller Irr-
tum, der sogar in gesetzgeberischer Weise begangen wird! Hat
man vergessen, daß die Kunst ein edles Kulturgut darstellt, das
man früher so oft betont hat, sie müsse daher „unter das Volk“ ge-
tragen werden? H i e r bietet sich nun die beste Gelegenheit dazu,
jene Anregung des Akademischen Rates zu Dresden gibt den
Fingerzeig: wo Millionen tiber Millionen fiir alle anderen Stände
und Berufe geopfert werden, da sollten sich keine für die K ti n s t
finden?

Der alte Brauch, öffentliche Gebäude iu ihreu Innenräumen
durch Werke der bildenden Kunst zu schmiicken, vor allem durch
Wiedereinführung der Monumentalmalerei, mu ß wiedererweckt
werden. Woliltäter der Menschheit und zugleich Förderer der Kul-
tur sind unsere Kunstmäzene, — w o s i n d s i e ?

P. S.

Norbert Fischmann / München

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