Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 430
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seinem Werke kommen wird, aber es bedarf noch einer
Spanne und Anspannurig deutschen Forscherfleißes!
Bis dahin hätten die Urkunden im Repertorium genügt,
sie waren noch niclit reif für breitere Öffentlichkeit!
Langsam öffnen sich die verschütteten Schächte. Schon
ist Hans Grimmer gefunden und Adam Grimmer, (Uffen-
bachs Lehrer und Mittelsperson für Sandrart) durch da-
tiertes Werk und Todesjahr festgestellt. I)er Frank-
furter Grünewaldsammler Abraham Schelkens wird als
Zeuge auftreten, der zwischen 1636 und 1639 den gra-
phischen Nachlaß Grünewalds kaufte — oder Gothardt-
Nithardts? Die greifbare Hypothese wohl, aber nicht

der Schatten eines Beweises ergab sich aus meinen
Frankfurter Urkunden, daß Mathis-Gothardt-Nithardt
das Monogramm M. G. N. auf der Frankfurter Grüne-
waldstafel im Städel schrieb. Nachdem bereits Oscar
Hagen in seinem Grünewaldwerk meine Gothardt-Nit-
hardturkunden aufnahm und auch in der dritten Auf-
lage seines Buclies die versprochenen Nachforschungen
in Flalle schuldig geblieben ist, folgt nun W. Rolfs und
folgert, ohne auch nur eine neue Quelle beizubringen,
aus nieinen Urkunden die Behauptung: Gothardt-Nit-
hardt ist Grünewald, was zu beweisen wäre (vergl.
Thieme-Becker, unter: „Grünewald“, „Grün“).

Hanns Anker,

Simson im Kerker.

Aus der radierten Folge „Simson“

Verlag

Amsler und Ruthardt
Berlin

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Jieser Bildhauer ist kaum zu klassifizierert. Das
schadet ihm in der Propaganda. Aber es tnaclit
künstlerisch seine Stärke aus. Denn die Kunst liebt
Diejenigen, die allein stehen.

Eine weitere Erschwerung für Kroner bedeutet:
daß er garnichts Gefälliges hat; geschweige denn etwas
Einschmeichelndes. Seine Arbeiten wirken für den
ersten Anblick eher abstoßend. Dieses liegt nicht an
der Komposition, sondern an der Oberflächenbehand-
lung. Die hat etwas Rauhes und Zerklüftetes. Kein
schrecklicherer Gedanke für diesen Künstler: als daß
er glatt und zierlich wirken könne. Darum sucht er

gradezu das Ungehobelte und wild Zerknetete. Nach
dem Geschmack des Publikums ist das nicht.

Auch Anhänger und Freunde des Künstlers liaben
manchmal gefunden, daß er hierin sich nicht zu zügeln
wisse. Daß er seinen Werken, auch wenn sie reiflich
abgewogen und innerlich durchgearbeitet waren, zu
sehr den Ausdruck des Skizzenhaften und hierdurch des
Unvollkommenen gebe. Daß er nicht bloß den Natur-
reiz des menschlichen Körpers, sondern auch den Mate-
lialreiz des Steins und der Bronze durch diese Behand-
lungsart abschwäche, wo nicht verfehle. Aber der
Künstler beharrt auf seinem Eigensinn; auf seinem Ge-

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