Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 193
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p1 s war einer jener glückhaften Tage, als. sich mir
im Sommer 1919, nach des Mathias Grünewalds
Isenheimer Altar, nicht weit von der alten Pinakothek,
in einem steilstufigen alten Hintergebäude Münchens,
das erste Mal jene Uhr aus der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts voll satter Schönheit und bedeutender
Technik bot, die den Meisternamen des Paters A u r e -

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Abb. 1. Stich nach dem Zifferblatt des ersten Werkes von
David a S. Cajetano d. j. 1769 im Stift zu Zwettl

1 i u s a S a n D a n i e 1 e auf ihrem Zifferblatte trägt
(Abb. 2, 4. 6). Diese bisher gänzlich unbekannte Hoch-
leistung gehörte nach manchen Anzeichen der deut-
schen Uhrmacherei zu. Ihr war bereits der Weg nach
dem Auslande geebnet, aber Opfermut erhielt sie uns.

Wer war dieser geschickte Pater und wo konnte
das Werk entstanden sein? Die eigenartige Kalender-
blatteinteilung der Uhr gab zunächst den einzigen An-
halt. Sie wies auf Werke eines anderen Klosterin-
sassen dieser Zeit, auf jenen Wiener Augustinerfrater
David a Sancto Kajetaner hin, dessen Le-

bensumstände bekannt wareri und von dem zwei seiner
weit ausgebildeten astronomischen Uhren (Abb. 1, 7, 8)
erhalten blieben ]). Pater Aurelius kannte offenbar des
Fraters David Arbeiten und Schriften. Doch war da-
mit keineswegs erwiesen, daß beide einem Kloster-
heim angehört hatten. Die Erklärung kam über-
raschend schnell, als im Frankfurter Kunsthandel ein
äußerlich nahezu gleiches Werk auftauchte, das zudem
wieder die gleiche Eigentiimlichkeit des Kalender-
blattes aufwies, aber als Verfertiger einen regulierten

Abb. 2. Prunkuhr des P. Aurelius Abb. 3. Werk des Can. reg.
a. S. Daniele v. J. 1770 Eberhardt Kammerhuber

Sammlung v. Bassermann- Reichersberg a. I. um 1780

Jordan, München Privatbesitz Dresden

Chorherrn des alten berühmten Stiftes Reichersberg
am Inn namens „E b e r h a r t C a m e r h u e b e r“ 2)
nannte (Abb. 3, 5). Auch dieses Werk wurde für eine

J) D a v i d a S. C a j e t a n o als Sohn des Zimmermanns
S e b a s t. Rutschmann am 5. X. 1726 in Lembach „einem
schrofichten Winkel in dem Gebiische des Schwarzwaldes“. Nach
Volksschulbesuch kam er nach Wien, trat dort bei einem Vor-
stadtstischler ein und lebte bei ihm 8 Jahre gänzlich zurückge-
zogen, da er wegen seiner „der Mode beynahe gantz entgegen-
gesetzten Kleidung und seiner schwarzwälderischen Sprache“ oft

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