Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 415
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lassen) — und präsentirte demselben hiernächst zum
Andenken dieser Feierlichkeit ein schöngeschliffenes
Dekkelglas von Kristall,. an welchen auf der einen
Seite sein Bildniß in ganzer Figur mit den bemerkten
Attributen zu sehen, der Feuereimer ist mit V. A.
Nr. 1 bezeichnet, zu den Füssen liegt die Handsprütze,
und oben lieset man die sehr passende Inschrift:
Ordinem Ordine Auget. und unten I). VI. Oct.
MDCCXXII. Die Gegenseite zeiget ein die Stadt
Prenzlau vorstellendes, mit der Mauer-Krohne ge-
ziertes, auf einem mit etlichen Garben bedeckten
Pfluge sitzendes Frauenzimmer, so sich mit der
rechten Hand auf eiuem mit dem Stadtwapen be-
zeichneten Schilde stiitzet, und mit der linken ein
Cornu copiae ausschüttet, mit der Ueberschrift:
Frugiferae Principi Salus und unten Praestantiae
Tcstes. Unten im Boden des Glases ist das von
Arnimsche Wapen geschnitten, mit der Umschrift
G. 0. Ab. Arnim Reg. Maj. Bor. Cons. Int. Ac Dicast.
Provinc. Praes. und wird dieses schöne Glas, welches
bey jener Gelegenheit vermuthlich auch sehr gut ein-
geweihet worden, zum immerwährenden Andenken

dcr rühmlichen Herablassung diescs grossen Mannes
sorgfältig aufbewahret. Solchem grossen Beispiel
nachzufolgen mögte sich jetzt indessen wol mancher
in aller Absicht Geringerer schämen. —

Abgesehen davon, daß hier ein schönes, altes Stück
der Glashütte am Hackendamm bei Potsdam aus der
besten Zeit ihres Betriebes, der Zeit um 1720, vorliegt
- über den Glasschneider kann eine bestimmte Angabe
nicht gemacht werden (Gottfried Spiller?) —, gewinnt
der Becher an Bedeutung durcli die Persönlichkeit des
Bestellers und die Veranlassung zu seiner Anfertigung.
Georg Dietloff von Arnim (1679—1753) hat sich unter
drei preußischen Königen als kluger Staats- und Ver-
waltungsbeamter bewährt. Er war ein Förderer der
Wissenschaften wie der Gewerbe. Seine Verdienste
wurden auch belohnt durch die Verleihung des
Schwarzen Adlerordens. Seiner vornehm-mensch-
lichen Gesinnung verdankt die Stadt Prenzlau den
kristallenen Deckelbecher aus dem Jahre 1722, den man
gerne als Leihgabe, wenn auch nur für kürzere Zeit, der
Glasersammlung unseres Berliner Schloßmuseums ein-
verleibt sehen wiirde.

Kristalldeckelbecher, Potsdam
1722

Fiir Georg Dietloff von Arnim
angefertigt.

Uckermärkisches Museuro in

Prenzlau

Dec püioate Kundbeßb tn Dolkstüütfcbaftlicbcü ßeEtcbung*

Dem privaten Kunstbesitz ist nach der volkswirt-
schaftlichen Seite hin noch viel zu wenig Beachtung ge-
schenkt worden, sonst wären wohl kaum Gesetzestnaßnahmen
zustande gekommen, die nicht bloß ihm, sondern der Kunst und
damit der Volkswirtschaft schaden. Man muß sich zu der Er-
kenntnis durchringen, daß jeder Kunstbesitz nlcht bloß
kulturellen, sondern auch volkswirtschaftlichen oder, wie sicli der
Reichskunstwart Dr. Redslob ausdrückt, „produktiven“ Wert be-
sitzt. Denn was sich von Kunstwerken irgendwelcher Art im

Privatbesitz befindet, gibt der Persönlichkeit einen bestimmten
Maßstab in subjektiver wie objektiver Hinsicht, d. h. ihr Ge-
schmack und ihr Gefühl für das Material und seine Verarbeitung
wird erzogen und geschult, ebenso wie rückwirkend die Quali-
tätsarbeit dadurch gefördert wird. Und Qualitätsarbeit ist das,
was heutzutage vor allen Dingen erforderlich ist. Mit der Hebung
und Förderung der Sammlerkultur wird die Kunst selber gehoben
und gefördert. Dies kann man insbesondere auch auf kunstge-
werblichem und kunsthandwerklichem Gebiete beobachten: die

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