Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 263
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7ahrgang iQ23 2. Februarneff

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Exzellenz Geheimrät Dr. Wilhelm von Bode hatte die
besondere Liebenswürdigkeit, für den „Kunstwanderer“
über Peter Halms künstlerische Beziehungen zu den
Museen und seine Bedeutung als Graphiker zu schreiben.

/Wlit Peter Halm, der am 25. Januar int Alter von
1 68 Jahren verstorben ist, ist wieder ein lieber
jüngerer Freund mir voraufgegangen. Der Lehrer der
Graphik an der Münchner Galerie war als junger Mann
wiederholt und anfangs mehrere Jahre hintereinander
bei uns in Berlin tätig; bei „uns“ kann ich mit doppel-
tem Recht sagen, da er in erster Linie zur Teilnahme an
den Reproduktionen für unser Galeriewerk und nament-
lich für die Publikation wichtiger Neuerwerbungen in
unserm, wenige Jahre vorher ins Leben gerufenen
„Jahrbuch“, später auch für den „Pan“ herangezogen
wurde. Bei seinem feinen künstlerischen Sinne hat er
sich in die Wiedergabe der alten Meister, nicht nur der
Gemälde, auch der Bildwerke, Bronzen, Schmuckstiicke
und der Architektur, mit größtem Verständnis einzuar-
beiten gewußt. Er wußte für jede Kunst, für jeden Mei-
ster die Technik zu finden, in der die Arbeiten am
treusten und kiinstlerischsten wiedergegeben werden
konnten. Von der Radierung kam er zum Stich, für den
er eine malerische Behandlung fand, wußte den Holz-
schnitt so gut wie die Kupferplatte zu handhaben und
weiter zu entwickeln.

Halm traf damals hier zusammen mit verschie-
denen jungen Künstlern, die in ähnlicher Weise für
graphische Arbeiten hoch begabt waren; Stauffer-
Bern, den er schon von München her kannte, Max
Klinger, Albert Krüger u. a. hat er angeregt und beein-
flußt, ist ihnen behilflich gewesen, sich in jede Teclmik
einzuarbeiten und dadurch auch ihren Erfindungen im

Stich und in der Radierung vollendeten Ausdruck zu
geben. Sein liebenswürdiges Wesen und sein selbst-
loser, aufopfernder Charakter machten ihn zum
Freunde von jedem für Kunst Empfindenden, mit den
er zusammentraf, befähigten ihn zuin Lehrer wie keinen
Zweiten. Auch bei der lllustrierung, bei der Gestaltung
unseres deutschen Druckes und Satzes hat er zusam-
men mit seinem Gönner Friedrich Schneider in Mainz,
mit Paul Seidel u. a. Hervorragendes geleistet und den
stärksten Einfluß ausgeübt.

Die verschiedenartige Veranlagung der damals in
Berlin nebeneinander arbeitenden hochbegabten Kiinst-
ler hat auch auf Halm weiterbildend gewirkt. Er ist
durch sie auch zur Originalradierung gekommen, die
er seit seiner Berufung als Leiter des Meisterateliers in
München mit Vorliebe ausübte, und wodurch er die Ent-
wicklung der Malerradierung in Deutschland in liohem
Grade gefördert hat. Nicht im modernsten Sinne, son-
dern in altmeisterlicher, naturalistischcr und docli zu-
gleich feinempfundener Weise. Wenn München sich
vom Expressionismus und Kubismus in der Graphik
verhältnismäßig ferngehalten hat, so verdankt es das
zum guten Teil dem Vorbild und der Lehre Halms und
seinem feinen künstleriscben Takt.

Seine bescheidene Zurückhaltung hat es verhin-
dert, daß seine Kunst in weitesten Kreisen die volle An-
erkennung gefunden hat; aber wer ihn kennen gelernt
hat, wer mit ihm Kunst gesehen und genossen hat, wer
ihn als Lehrer und Berater gehabt liat, weiß, welchen
Verlust München, ja die deutsche Kunst in diesem inner-
lich vornehmen, selbstlosen Manne und Künstler er-
litten hat.

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