Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

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LÜÜf)eltn o. Bodc

III*) (Schluß.)

j nser bedeutendster und giücklichster Sammler von
neuen Bildern, deutschen wie französischen,
die er in einer besonderen Galerie vereinigt hat,
Eduard Arnhold, sammclte vereinzelte Werke
älterer Kunst nur als Dekoration seiner Zimmer, wobei
wir ihm meist behilflich sein konnten. Darunter sind
zwei der imposantesten Porträts, das eine von Goya,
das andere von G. Terborch, beide in ganzer Figur; da-
neben mehrere Robbia-Reliefs und eine Anzalil guter
Bronzestatuetten. Eine eigene Galerie für seine alten
Gemälde hat aucli Leopold Koppel, der erst vor
etwa 20 Jahren ernstlich zu sammeln begann und eine
nicht sehr zahlreiche, aber sehr gewählte Sammlung
von ersten Meistern der niederländischen und italie-
nischen Schule des 16. und 17. jahrhunderts in seiner
Galerie vereinigt hat, darunter hervorragende, ansehn-
liche Werke von Tizian, Tintoretto, Rubens, A. van
Dj^ck, Rembrandt, A. Cuyp u. a. m., meist in mehreren
Gemälden.

Andere Berliner Sammler, die wir zum Sammeln
anregten und denen wir behilflich sein konnten, haben
nicht — wie die meisten der bisher genannten Kunst-
freunde — eine eigentliche Galerie, sondern Bilder
und Kunstwerke zum Schmuck ihrer Wohnräume zu
erwerben gesucht. So namentlich D r. E d u a r d
S i m o n , der in seinem schönen, von Messel gebauten
Hause eine besonders gewählte Sammlung von Gemäl-
den und Bildwerken der italienischen Renaissance auf-
gestellt hat, namentlich von Botticelli, Bronzino, A. del
Sarto, Ghiberti, Luca della Robbia u. a. neben einem
ganzen Zimmer von G. B. Tiepolo, herrlichen Möbeln
und Türen aus dem Paiast in Gubbio, Bronzen und
Teppichen. Wesentlich aus Porträts von veneziani-
schen Meistern wie Lotto, Tintoretto u. a. und aus gro-
ßen wirkungsvollen Stilleben von Snyders, Fyt u. s. f.
besteht die künstlerische Einrichtung der Wohmmg von
Wilhelm von Stumm.

Die an Kleinkunstarbeiten der Spätrenaissance und
des Barocks reiche und interessante Sammlung
G u s t a v S a 1 o m o n ist von dessen Witwe während
des Krieges verkauft worden. Unter der Hand sind
wohl auch die meisten Kunstwerke der Sammlung
Hermann Rosenberg abgegeben worden. In
besonders geschmackvoller, sehr verschiedenartiger
Weise waren und sind zum Glück meist noch die
Wohnungen verschiedener anderer Sammlcr mit alten

*) Sielic „Der Kunstwanderer“ 2. August- u. 1. Septemberheft 1922.

Kunstwerken ausgestattet. M a x S t e i n t li a 1 hat
dafiir, ähnlich wie W. v. Stumm, eine Reihe ausgezeich-
neter großer und kleiner Stilleben von Fyt, Snyders,
H. Ravensteyn, Landschaften von J. van Goyen,
Ruisdael u. s. f. verwandt. Hermann Fraenkel
hat ähnliche, sehr fein gewählte Stilleben neben treff-
lichen Imndschaften der Schule von Fontainebleau als
Zimmerschmuck gewählt. Vielseitiger waren die
Kunstwerke inWaldemar Müllers Vilia in der
Bellevuestraße, wie in den Wohnungen von A r t h u r
von Schnitzler und Alexander Schöller,
dessen wertvolles Renaissance-Silber, Miniaturen-
sammlung, Teppiche, Bilder u. s. f. unter den Erben ver-
teilt und meist aus Berlin herausgezogen sind. Unter
den Kunstwerken, mit denen die Villen der Brüder
R o b e r t und F r a n z v o n M e n d e 1 s s o h n aus-
gestattet sind, befinden sich in dem Besitz der Witwe
von Mendelssohn zwei der hervorragendsten Bilder
Rembrandts in deutschem Privatbesitz, beide aus
seiner späten besten Zeit: Ein Selbstporträt von Rem-
brandt und ein Bildnis von Hendrickje Stoffels, statt-
liclie Bildnisse in halber Figur. Die reichste und
mannigfachste Ausstattung mit Kunstwerken des
15. bis 18. Jahrhunderts und die geschmackvollste Auf-
stellung zeigt das Haus von Dr. P a u 1 v o n
Schwabach. Mit der trefflichen Einrichtung von
Möbeln des 18. Jahrhunderts ist die reiche Sammlung
von Zeichnungen, die wertvollste im Berliner Privat-
besitz, und die vorzüglichen Bronzestatuetten und eine
Anzahl kleinerer Bilder bester holländischer Meister,
Miniaturen u. s. f. in gliicklichster Weise zu einem eben-
so geschmackvollen wie behaglichen Ganzen vereinigt.
In bescheidenerem Umfang sind die Wohnungen von
Alfons Jaffe und Ludwig von Berl mit
ähnlichem Geschick mit Bildern und Kunstwerken ver-
schiedener Art ausgestattet, namentlich unter Beihilfe
von meinem Kollegen Dr. Max Friedlaender. Nach des-
sen Rat hat J. G. L i c h t eine wertvolle Sammlung
alter Handzeichnungen zusammengebracht, unter denen
siclr Blätter von A. Qtirer und M. Gruenewald befinden.
Beim Sammeln alter Gemälde, primitiver wie späterer
Werke, unter denen namentlich eine Ruhe auf der
Flucht von Moretto ausgezeichnet ist, konnten wir auch
0 11 o H e 1 d behilflich sein.

Fast alle diese Sammler verdanken ihre Kunst-
werke zum großen Teil unserer Beihilfe. Dabei haben
sie sich aber docli fast ausnahmslos soweit selbst-
ständig gehalten, daß sie uns nicht freie Hand ließen,

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