Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 155
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Aus det? ivtufeumstoelt.

Kaülscube.

Die Badische Kunsthalle hat eine Reihe wertvoller
Neuerwerbungen machen können, die den zielbewußten Ausbau
der neugeordneten Sammlung erkennen lassen. In der Abteilung
alter Kunst wurde eine Landschaft (Tobias mit Engel) von Adam
E 1 s h e i m e r erworben, ein Kabinettstück von erlesener Quali-
tät. Die altdeutsche Abteilung konnte bereichert werden durch
den Ankauf von zwei- doppelseitig bemalten Altarfliigeln eines
1505 datierten oberrheinischen Altares, der vermut-
lich aus Kloster Lichtental stammt. Eine elsässische Ma-
donna mit Kind (um 1460) repräsentiert die oberrheinische
Plastik und stellt den Zusammenhang mit der zeitgenössischen
Malerei dar. Von Werken späterer Zeiten wurden erworben zwei
Porträts der pfälzischen Hofmaler M e 11 i n g und D a t h a n.
Besonders reichhaltig sind die Erwerbungen für die Zeit des
19. Jahrhunderts: eine Fassung des Aschenbrödel von M. von
S c h w i n d , eine Landschaft von H. C a n o n , ein interessantes
Porträt Anselm Feuerbachs von F. Keller (in Rom gemalt).
Von Werken neuerer und zeitgenössischer Malerei wurden vor-
nehmlich Künstler badischer oder pfälzischer Herkunft erworben,
darunter solche von Hofer, Purrmann, Großmann,
Würtenberger, Gerstel. — Neben dieser Sammeltätig-
keit vollzieht sich ein langsamer aber gepflegter Ausbau d e r
graphischen Sammlung, sowohl der alten wie der neuen
Kunst.

Klüncben.

Die Graphische Sammlung hatte kürzlich ihren vor-
deren Ausstellungssaal dem seit langem in Miinchen ansässigen,
aber zurückgezogen lebenden Fritz Hegenbart eingeräumt.
Der Kiinstler ist 1864 in Salzburg geboren. Auf der Prager Aka-
demie hat er sich ausgebildet. Vielleicht ist ein gelegentlicher
Anklang an barocke Schwungkraft in seinen Zeichnungen mit auf
den Aufenthalt in diesen vom Barock so glücklich bereicherten
Städten zurückzufiihren. Friihe Radicrungen lassen erkennen, daß
Hegenbart sich in jungen Jahren an Max Klingers erzählungsreiche
Kunst anschloß. Der Schwerpunkt der Ausstellung ist in einer
stattlichen Auswahl aus den gänzlich anders gerichteten Zeichnun-
gen zu erblicken, die der Kiinstler in den allerletzten Jahren her-
vorgebracht hat. Es sind fast ausnahmslos Figurenkompositionen,
meist zwei oder drei Gestalten ohne eigentliche Erzählung. Also
äußerlicli abgelesen eine vergleichsweise eintönige, wenig unter-
haltende Sache. Aber es ist — unseres Erachtens wenigstens -
holie Kunst, was Hegenbart im Sinne liegt; es ist das rein Kiinst-
lerische sclilechthin im Gegensatz zu einer illustrativ gerichteten
Kunst, es ist das Spezifische der Bildenden Kunst im Gegensatz
etwa zur Literatur, was er gibt und was er unter anderem durch
rastloses Ergriinden der Architektur als Raum und Proportion
schaffender Kunst, durch eigene Bildhauerarbeiten zu vervoll-
kommnen sucht. Nach sorgfältigstem Herausarbeiten des architek-
tonisch- plastischen Aufbaues der Komposition mit brciten Bleistift
auf Japanpapier (also ohne Möglichkeit von Korrekturen) hinge-
worfen, wollen diese ernst stehenden oder drangvoll bewegten
Gruppen von Menschen, um es eindringiich zu wiederholen, nichts
anderes sein als Kunst im formalen Gestalten, nichts anderes als
rein zeichnender Ausdruck einer aus Tiefen des Temperamentes
heraus in feiner Differenzierung schaffenden Persönlichkeit. Und
so sind sie fertig, in sich vollendet; mehr wäre leichtlich weniger.
Hans von Marees hat ganz ähnlich gedacht oder gefühlt; dieser
war lange verkannt deswegen, hatte dann aber den großen Vor-
teil, zahlreiche auch im Maßstab und in der Technik monumentale
Werke hinterlassen zu haben. Hegenbart hat bisher nur einige mo-
numentale Schöpfungen herausbringen dürfen, so Wandmalereien in
Agram, ein großes Holzrelief in Aachen. Daß er trotzdem ein
wirklicher Künstler ist, dessen Ernst allerdings zunächst einer
norddeutschen Geistesrichtung leichter zugänglich sein mag, be-
weisen seine Zeichnungen der letzten Zeit immerhin zur Genüge.
Er möge den Kampf mit dem Schicksal nicht Iassen, es segne
ihn denn! B. H. R.

JHCtcnbet’g.

Ende vcrgangenen Monats tagte in Nürnberg der Verwal-
tungsrat des Germanischen Museums. Er sah sich diesmal ange-
sichts der durch die Zeitverhältnisse herbeigeführten schwierigen
Lage des Museums vor besonders verantwortungsvolle Aufgaben
gestellt. Zunächst nahm er den Bericht des Direktors der Anstalt
Dr. E. Heinrich Zi m m e r m a n n iiber die Verhaltung des Mu-
seums im abgelaufenen Geschäftsjahr, über die Neuaufstellungen,
Neuerwerbungen und baulichen Veränderungen in den kunst- und
kulturgeschichtlichen Sammlungen, die Einrichtung eines Stu-
dentenzimmers, das als Hauptzweck die deutsche Burschenschafts-
bewegung von 1848 illustrieren soll, die vorgenommenen Restau-
rierungsarbeiten, die Veröffentlichungen des Museums und das
Projekt der Schaffung eines Vortragssaales unter anderem für
die Abhaltung von Museumskursen entgegen. Herrn Direktor
Dr. Zimmermann wurde für sein ersprießliches Wirken ungeteilte
Anerkennung gezollt. Die Ncuerwerbungen wurden als hevor-
ragende Bereicherungen und Ergänzungen bezeichnet. Festgestellt
wurde, daß das Kupferstichkabinett mit der wertvollen
Dürersammlung der Stadt Nürnberg wegen der
in den jetzigen provisorischen Unterkunftsräumen herrschenden
Feuchtigkeit unter allen Umständen in andere Räume verlegt
werden muß. Als solche kommen lediglich diejenigen im 1. Stock
des dem Museum gehörigen Gebäudes Kornmarkt 1 in Frage.
Die Museumsleitung wurde beauftragt, alle verfügbaren Mittel zur
Erreichung dieses Zweckes aufzubieten, damit die Kostbarkeiten
alter deutschcr Graphik der Allgemeinheit, die ein Anrecht darauf
hat, zugänglich gemacht werden können. — Die Stadt Nürnberg
soll gebeten werden, ihre Graphische Sammlung dauernd mit
derjenigen des Germanischen Museums vereinigt bleiben zu lassen,
damit aus Zweckmäßigkeitsgründen ein gegenseitiger Ausgleich
vorgenommen werden kann. — die mehrere Tage dauernden Be-
ratungen waren getragen von ernster Sorge um die Anstalt, die
zu allen Zeiten mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, dic
sich aber gleichwohl rasch und glänzend weiterentwickelt hat und
heute als des Deutschen Volkes Nationalheiligtum die Sympathien
und das Vertrauen Aller besitzt.

Stuttgaüt.

Im Weihnachtsmonat ist in der König-Karl-Halle eine große
Ausstellung zu sehen, wie sie in dieser Reichhaltigkeit wohl noch
nirgends zusammengekommen ist; was seinerzeit namentlich in
Leipzig, Wien oder Mannheim mehr angedeutet als durchgeführt
crschien, wird jetzt in fast beängstigender Fülle geboten: ein all-
gemeiner Überblick über die „Bildsprache des Kindes“. Die äußere
Veranlassung bildete die von Bern aus in allen Schweizer Städten
im Laufe dieses Jahres vorgeführte große Sammlung „S c h w e i -
zer Jugend und Zeichenkunst“, welche die besten Ar-
beiten der seit dem Jahre 1912 alljährlich vom Pestalozzi-

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