Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 273
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Es nmg die Konkurrenz mit sieli gebracht liaben, daß gegen-
wärtig mehr wie sonst eiire gewisse „Luxuskunst“ getrieben wird.
Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse sind daran schuki. denn
jetzt werden große Summen wertlosen Papiergeldes in Luxus-
sachen angelegt, die immerhin ihren Wert dauernd behalten; auch
die Valutaverhältnisse spielen hierbei eine große Rolle. Ob dieser
Umstand zu bedauern ist, bleibt dahingesteilt. Jedenfalls ist aber
die Luxuskunst als solche — abgesehen davon, daß es mitunter
sehr schwer sein mag, Kunst und Luxus zu unterscheiden oder
zwischen beiden eine scharfe Grenze zu ziehen — durchaus nicht
zu bedauern. Im Gegenteil: sie hat ihre Schatten auch auf Ge-
genstände geworfen, die man früher in ihrer Einfachheit kaum als
künstlerisch hätte ansprechen können, ja an die man gar keine
kiinstlerischen Ansprüche stellte. So entstand eine Art „Ge-
brauchskunst“, wie man sie insbesondere bei Glas und Porzelian
sieht, aber eine „echte“ Gebrauchskunst, edel in' Entwurf und
Ausfülmmg, — Qualität! Gerade diese Kunst zu kultivieren, ist
eine vornehme Aufgabe der Leipziger Mustermesse. Die kom-
mende Frühjahrsmesse (4.—10. März) wird von neuem Zeugnis
davon ablegen, wie sie diese Aufgabe zu lösen versteht, wie die
Kunst in allen ihren Ausdrucksformen auf dieser Wettschau eine
Vertretung findet, wie nirgendwo.

Paul Sorgenfrei.

Kumfauktto nen.

BecUn.

Die am 6. und 7. März 1923 in Rudolph Lepke’s Kunst-
Auktions Haus, Berlin W. 35 stattfindende Versteigerung umfaßt
Gemälde alter Meister, Handzeichnungen und Kupferstiche.
Unter den Gemälden sind besonders zahlreiche Werke der hollän-
dischen und spanisclien Schulen. Auch die deutsche Malerei des

18. Jahrhunderts ist mit einigen guten Gemälden vertreten. Unter
den Kupferstichen befinden sich eine Reihe englischer und fran-
zösischer Farbdrucke. Der Katalog 1899 wird Interessenten auf
Wunsch gegen Portoeinsendung übermittelt. Die Ausstellung ist
geöffnet am Sonntag, den 4. und Montag, den 5. März 1922 von
10—2 Uhr.

Am 20. März 1923 findet in Rudolph Lepke’s Kunst-
Auktions-Haus eine Versteigerung von Gemälden neuerer
Meister aus Museums- und Privatbesitz statt. Es sind insbe-
sondere Werke der Düsseldorfer und Belgischen Schule aus der
Mitte des 19. Jahrhunderts vertreten. Der Katalog führt u. a.
Werke folgender Künstler auf: A. Achenbach, C. Becker, Benne-
witz der Altere, C. de Block, Bracht, L. Braun, H. Dahl, I. C.
Deiker, Josef Fay, B. Feddersen, Gauermann, E. von Gebhardt,
Geselschap, Ed. und Fr. Hildebrandt, F. Kraus, Lenbach, Leu,
Linnig, C. Ludwig, IJ. und F. Meyerheim, P. Mönsted, A. Nordgren,
Pecrus, Spangenberg, Thumann usw. Der Katalog 1900 wird In-
teressenten auf Wunsch gegen Portoeinsendung übermittelt. Die
Ausstellung ist geöffnet am Sonntag, den 18. und Montag, den

19. März 1923 von 10—2 Uhr.

*

Die von uns angekündigte A u t o g r a p h e n - Auktion bei
Karl Ernst Henrici (12. und 13. Februar) brachte wichtige
Resultate. Manche von den erzielten Preisen, wie die für
Beethoven und N e s t r o y sind als Rekordpreise zu be-
trachten, wenn wir die in der Vorkriegszeit erreichten Summen
zum Vergleiche heranziehen. Ein Brief Beethovens an Theodor
Körner tiber das Libretto zur Oper „Ulysses Heimkehr“, der bei
einem Dollarstand von 7000 auf 600 000 Mark geschätzt worden
war, ergab bei einem Dorllarstand von rund 28 000 den Preis von
9 100 000 Mark. Die Seidelsche Buchhandlung in Wien war nach
hartem Kampfe mit dem Wiener Kunsthaus Dt. Ignaz Schwarz der
Käufer dieses bedeutsamen Briefes. Und die gleiche Wiener Firma
erwarb N e s t r o y s Manuskript „Der Zerrissene“ für 1 600 000 M.
Manuskripte von Schubert brachten 2 300 000 bis 4 100 000 M.
(Komposition zu Goethes „Hoffnung“) und ein 4 Seiten langes
Manuskript von Richard Wagner („Tannhäuser. Erst<m Akt. Erste
Szene“) erstand Dr. Schwarz zum Preise von 4 200 000 Mark

:i-- i:

i Wir su chen un«1 Kaufen:

jederzeit tadellose Kupierstiche und Radierungen

AHe 1*1 e i * t « ■*

| Aldegrever, Altdorfer, Amman, Backhuizea, Bega, Beham, della J

J Be.la, Belotto, Ber^hem, Bmfc, Bol, Breenberg, Breugbel, Gallot, •

J Cana'e, Claude, Cranach, Drevet, Dürer, v Dyck, Ede.incfc, y

; Geilee. Goltzius, Goya, Holiar, Lautensack, Leyden, Masson, N >n- •

J teuil, Ostade, Rembrandt, Ruisdael, Schongauer, Waterloo, Zeeman

Deutsche u italienische IVIeister des 15 Jahrh.

-Helvetica-

Ploderne Rffldierungen:

• Arpian, Besnard, Bone, Bracquemond, Buhot, Cameron, Corot,

Daubigny, Daumier, Forain, Haden, Legros, Lepere, Manet, •

Meryon, Millet, Whistler, Zorn Z

j Guiekunsl «& 1€■ ii»»<c*ih» i

: BERN Kunsthandlung HotelyasseßU :

; Reich illustr. Lager-Kntalog No X soeben erschienen. Bestellungen •

weraen nur bei Voreinsenduug von 2 Schw. Fr. beiüchsichtigt

.j;

(Schätzung: 250 000 Mark). Briefe von Wagner kamen auf 145 000
bis 200 000 Mark, Briefe von Mendclssohn-Bartholdy

auf 92 000 bis 130 000 Mark, Briefe von Liszt bis auf 115000
und ein Albumblatt von B r a h m s bis auf 400 000 Mark. Unter
den Dichter-Briefen kostete ein Brief Goethes an Ottilie, seine
Schwiegertochter, 820 000, seine sechs Zeilen an Minna Herzlieb
(„Wenn Kranz auf Kranz den Tag umwindet . . .“) 765 000 Mark.
Eine Seite Schiller wurde mit 530 000 bewertet, drei Seiten
H e i n e ergaben 300 000 (Schätzung: 3000 Mk.), ein Brief G r i 11 -
p a r z e r s über Beethoven und den Operntext zur Melusine
645 000, Hebbel bis zu 91 000, ein Stammbuchblatt Moses Men-
delssohns 250 000, eine Seite Schopenhauer 810 000, eine Seite Hein-
rich von K 1 e i s t 330 000, eine Seite E. T. A. H o f f m a n n
150 000 Mark. Unter den Künstler - Briefen erreichte eine Seite
W i 1 h e 1 m v o n K a u 1 b a c h mit einer Federzeichnung zu
Goethes „Reinecke Fuchs“ 620 000, ein 2V2 Seiten langer Brief von
Ludwig R i c h t e r , gleichfalis mit einer Federzeichnung 565 000 M.
Bei der Serie der Staatsmänner- und Feldherrnbriefe ging man für
B1 ü c h e r bis zu 610 000, fiir Bismarck bis zu 400 000 Mark.

pt?ankfurt a. N-

Meisterwerke der Malerei des 19. Jahrhunderts
aus sechs deutschen Gemäldegalerien und M u s e e n sind am
29. Januar bei Rudolf Bangel versteigert worden. Für den
Katalog der Sammlung hatte Professor Dr. Robert Schmidt
eine Einleitung geschrieben, worin der Direktor des Frankfurtei
Kunstgewerbemuseums besonders darauf hinwies, daß die Zusam-
mensetzung der Sammlung „wiederum deutliche Sprache von der
Not unserer deutschen Museen“ redet. „AUe die
Kunstfreunde, die als Käufer bei der Versteigerung auftreten,
mögen sich“, so schreibt Robert Schmidt, „bewußt sein, daß sie
diesmal nicht nur zu eigener Freude und eigenem Genuß ihre Er-
werbungen rnachen, sondern daß sie durch den Kaufpreis zugleich
die Wirkungsmöglichkeiteri der versteigernden Galerien erhöhen
und damit unsere öffentliche Kunstpflege in vielleicht entscheiden-

MODERNEGALERIE

THANNHAUSER

Theatinerstr. 7 Telefon 27 601

MÜNCHEN

Grjte deutjche und ausfändifcHe ‘Uleider. — fflite Uleißer
ffraoßifcßes dCabinett

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