Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 102
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\\hnn nachfolgend zwei Briefe Bendemanns, des
zu seiner Zeit hochgeschätzten Geschichts-
malers, mitgeteilt werden, so könnte man, glaube ich,
mit einem gewissen Rechte beifügen, daß es sich um
die eines „Halbvergessenen“ handelt. Unsere Zeit, so-
weit sie sich Erzeugnissen künstlerischen Schaffens
zuwendet, ihnen Aufmerksamkeit und Studium schenkt,
steht der älteren Kunst, zumal der ernsten und strengen
aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, in der
Hauptsache — von einigen Ausnahmen abgesehen —
ablelmend gegenüber, sie aus i h r e r Zeit heraus zu be-
urteilen geht ihr ab, der historische Sinn fehlt. Noch
vor wenigen Jahrzehnten war das anders und als i. J.
1886 draußen in Moabit die Jubiläumskunstausstellung
der Kgl. Akademie der Künste (1786—1886) stattfand,
durfte eine historische Abteilung für den gegebenen
Zeitabschnitt von 100 Jahren nicht fehlen. Geh. Rat
Jordan — damals Direktor der Nationalgalerie —
brachte sie zusammen; ich durfte ihm dabei helfen.
Ein recht umfangreicher Briefwechsel, ein Ersuchen,
Zusagen und Ablehnen, knüpfte sich an dieses Unter-
nehmen. Der damals an Max Jordan gerichtete, in
meinem Besitze befindliche Brief Bendemanns lautet
wie folgt:

Pegli, 14. Maerz 1886
Ew. Hochwohlgeboren

geehrtes Schreiben vom 10. d. M. erhielt ich
heute u. beeile mich ganz ergebenst zu erwidern.

Diejenige Liste von Arbeiten der Düsseldorfer
Schule, welche Herr Maler Deiters in Düsseldorf der
Kommission für die historische Abtheilung der Jubi-
läumsausstellung iibersandt hat u. welche Herr
Deiters mit mir besprochen, enthält diejenigen Arbei-
ten von mir, welche meines Erachtens dem Zwecke
entsprechen. Ich gebe es dem Ermessen ganz an-
heim, ob die Kommission dies oder jenes der Bilder
wählen will. Nur erlaube ich mir zu bemerken, daß
das Bild im Kölner Museum „gefangene J u d e n
i n B a b y I o n“ stets zugänglich gewesen ist, da-
gegen der „J e r e in i a s a u f d e n Trümmern
von Jerusale m“, den ich c. 1835 für König
Friedr. Wilhelm IV, damals Kronprinz, gemalt hatte,
u. für den ich in Paris die große goldene Medaille er-
hielt, ganz verschwunden ist. Ich weiß nicht, wo er
sich befindet u. habe ihn seit mindestens 30 Jahren
niclit gesehen. Außerdem hat Herr Deiters ein
Brustbild aufgeführt, ohne mein Wissen, aus dem J.
1828. Ich gebe anheim, ob statt dessen d a s K n i e -
stück meiner Schwägerin Frau Geh.
R a t h Bendemann aus dem Anfang der 30 ger
Jahre gewählt werden möchte. Dasselbe ist zu

finden in der Victoria Str. No 17. Das obengenannte
B r u s t b i 1 d ist bei mir in Düsseldorf.

In Betreff der von Ew. Hochwohlgeboren ge-
wünschten Skizzen zu den Dresdener Wandgemäl-
den, werde ich rnich bemühen von hier aus die nöthi-
gen Anordnungen zu treffen, welche durch meine Ab-
wesenheit von Hause etwas erschwert sind. Denn
theils liabe ich nicht mehr alle vollständig beisam-
men, theils sind die vorhandenen ohne nrich nicht
ganz leiclit zusammenzubringen.

Ich werde nicht verfehlen s. Z. hierüber noch
nähere Mittheilungen zu machen.

Indem ich Ihnen für die, in Ihrem Briefe enthal-
tene Theilnahme an meinem Schaffen, meinen besten
Dank sage, bin ich mit vorzüglichster Hochachtung
Ew. Hochwohlgeboren ganz ergebenster

Dr. E. Bendemann.

Drei Jahr später erhielt ich von Bendemann auf
eine Anfrage, die die „Schadows“ betraf, das beifol-
gende ausführliche Schreiben in ganz deutlicher, klarer
Schrift. Um so bemerkenswerter, als Bendemann —
es war wenige Monate vor seinem Tode (t 27. Dez.
1889) — damals im 78. Lebensjahre stand (geb. 3. Dez.
1811). Hier das Schreiben:

Düsseldorf, October 1889.

Geehrter Herr!

In Erwiderung llirer geschätzten Zuschrift vom
7. d. M. theile ich Ihnen folg. Daten ganz ergebenst
mit.

R u d o 1 f S c h a d o w (er wurde stets Ridolfo
genannt) ist zu Rom im J. 1786 geboren. Gestorben
ebendaselbst im J. 1822 am 31. Januar.

Er, der Bildhauer, ging mit seinem Bruder Wil-
helm, dem Maler, im J. 1810 nach Rom. Er war
später nur kurze Zeit wieder in Berlin.

Seine Hauptwerke sind:

Ein Paris, in Bronze, im Kgl. Schloß zu Berlin.

Eine Spinnerin,

Eine Sandalenbinderin. Beide in Marmor; ein paar
Mal wiederholt. Exemplare in München u. Mailand.
Achill u. Penthesilea. Nach seinem Tode von seinem
Vetter Emil Wolff in Rom vollendet. Marmor. im
Kgl. Schloß zu Berlin.

Wilhelm S c h a d o w (später unter dem
Namen Schadow-Godenhaus in den Adelstand er-
haben) ist geboren in Berlin am 6. Septbr. 1789, gest.
am 19. Maerz 1862 zu Düsseldorf.

In Rom malte er mit Cornelius, Overbeck u. Veit,
Bilder in Fresko aus der Geschichte des Joseph in

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