Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 458
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einer gewissen Zuriickhaltung, die er auch da beo-
bachtet, wo er gelegentlich, wie z. B. zu Taf. III, 6—IV,
8- XXVII (nicht XVII wie es auf S. 8 heif.it), 53—XXXIII,
65, einen Namen von so stolzem Klange wie denjenigen
Wenzel Jamnitzers auszusprechen veranlaßt ist. Denn
gewiß wird es immer etwas gewagt erscheinen, ein
Kunstwerk allein auf Grund einer Zeichnung, wie sie
das vorliegende Inventar enthtlt, einem bestimmten
Meister zuschreiben zu wollen. Ich vermag daher auch
nicht ohne weiteres Braun beizustimmen, wenn er das
auf Taf. XXXI. 62 abgebildete Trinkspiel der Diana auf
dem Hirsch mit dem bekannten Augsburger Meister M.
Wallbaum in Verbindung bringen möchte. Denn ab-
gesehen davon, daß sich unter den Trinkspielen jener
Zeit gerade dieser Typus einer großen Beliebtheit und
weiten Verbreitung erfreute, dürfte doch wohl in diesem

Falle nur die Arbeit als solche von entscheidender Be-
deutung sein.- Daß es eine Augsburger Arbeit gewesen
ist, erscheint mir dagegen kaum zweifelhaft, wie denn
überhaupt wohl die Mehrzahl der im Lobkowitzschen
Inventar abgebildeten Werke Augsburger oder Nürn-
berger Herkunft gewesen sein dürfte. Alle diese I ragen
im Einzelnen noch weiter zu verfolgen sowie den man-
cherlei trefflichen Bemerkungen und.scharfsinnigen Be-
obachtungen des Herausgebers genauer nachzugehen,
m.uß aber der Spezialforschung überlassen bleiben, der
in dieser, auch äußerlich schön und geschmackvoll aus-
gestatteten Publikation, die dem Altmeister auf dem Ge-
biete der Erforschung der Goldschmiedekunst Marc
Rosenberg zu seinem 70. Geburtagstage gewidmet ist
ein reiches Material für Untersuchungen mannigfaeher
Art dargeboten wird.

Ein Hauptwerk von Friedrich Voltz
Bildgröße 97X41 cm.

Besitzer: Neue Galerie, Müncheri-Berlin

Atte t)olländi{ct)e Möbet

oon

öuffaü 6. pasaut’ckcStuttgat’t

Wchon wieder liegt ein Band der bestbekannten Bau-
^ formen-Bibliothek des Stuttgarter Verlages Julius
Hoffmann vor, der dreizehnte der Reihe, ein rühmliches
Zeugnis für die Energie, mit der dieser vornehmste
Verlag in Stuttgart trotz der Ungunst der Zeit seine
Ziele verfolgt. Und fügen wir gleich hinzu: Gerade
dieser Band gehört zu den allerschönsten der ganzen
Folge. Das Thema ist sehr interessant und behandelt
die im allgemeinen, wie namentlich in der deutschen
Literatur bisher etwas zu kurz gekommene hollän-
dischen Raumkunst von der Mitte des 17. Jahr-
hunderts bis zum Klassizismus. Wenn wir bisher
von holländischen Möbeln hörten, so dachten wir
zunächst an Vredemann de Vries oder vielleicht

auch an Chrispiaen van de Passe, auch wohl an die
Kupferstiche von Abraham Bosse, die stofflich so inhalt-
reich sind. Wer mif dem Gebiet .etwas vertraut war,
erinnerte sich wohl auch an Adam van Vianen, dessen
Knorpel- und Ohrmuschel-Ornamente auch bei uns
Schule gemacht haben. Alles spätere erschien meist
zu nüchtern, und nur in Händlerkreisen stieß man immer
wieder auf die größeren Porzellanschränke, die sich
auch bei uns einer gewissen Beliebtheit erfreuten. —
Allerdings haben einzelne holländische Werke unseren
Gesichtskreis bereits erweitert; aber über die Fach-
welt hinaus sind sie nicht gedrungen. Der Verfasser
eines dieser Hauptwerke, der zugleich vor einigen
Jahren das entzückende, besonders reichhaltige

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