Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 437
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ßet Camtüo CastigltonL

W i e n , im Juni.

Man känn Kostbarkeiten und Kunstschätze auch der vor-
nehmsten Art zusammentragen und riebeneinander aufstellen, sie
werden eine Schatzkammer oder ein Museum von Qualitätsstücken
bilden, aber nicht den Reiz einer eigentlichen Sammlung besitzen,
wenn sie nicht ein vom Geist des Sammlers beseeltes Ensemble,
sozusagen etwas crganisch Gewordenes bilden, das ein inneres
Leben besitzt und den Charakter und die Gesclunackrichtung des
Besitzers in jedem einzelnen Stück und in der Vereinigung aller
Teile zu einern Ganzen zeigt.

Als ich vor einigen Tagen der freundlichen Einladung des
Herrn Castiglioni folgend mit anderen Fachkollegen dessen vor-
nehmes Palais in der Prinz-Eugenstraße aufsuchte, zweifelte ich
nicht daran, daß es gar manches interessante Stück zu sehen
geben werde. Was aber wohl jeden Besucher, der von Herrn
Castiglicni nicht mehr wußte, überraschte, war nicht so sehr die
unübersehbare Fülle von Kunstschätzen, als vielmehr einen rich-
tigen Sammler inmitten seiner Schätze zu finden, von der Art, die
man als längst ausgesforben betrachtet, einen Kunstmäzen alten
Stils, der wirklich mit Herz und Seele an seinen Sachen hängt.
Man kann niclit recht begreifen, daß der Mann, den man mit einem
fast mädchenhaft zarten Empfinden, mit ei'ner Art von Sentimalität
vcn seinen Lieblingsstücken sprechen hört, derselbe ist, den man
vom Hörensagen nur als kühl berechnenden Geschäftsmann großen
Stils, als eine Art Napoleon des Finanzlebens kennt. In der tenr-
peramentvollen Art des Südländers weiß er von jedem Stück
etwas zu erzählen, versteht als feiner Kenner mit ein paar Worten
den Hauptreiz eines Objektes hervorzuheben und freut sich der
herrlichen Funde, die er schon als junger Mann gemacht hat, als
er etwa die herrlichen Majoliken um 50—100 Lire das Stück kaufte,
dia heute nicht unter 30 000 Lire zu bekommen sind. Wahrhaftig,
wenn Herr Castiglioni nicht als Finanzmann seine große Carriere
gemacht hätte, so könnte er schcn von seiner Tätigkeit als
Sammler befricdigt sein, dcnn zn den besten Stiicken gehören
gerade die vor der großen Prcisst?igerung der letzten Jahrzehnte
crworbenen.

In ihrer ganzen Aufmachung bildet die Sammlung ein einzig-
artiges Juwel. Die Art dcs Arrangements bringt jedes Objekt
zur vollen Geltung und zum Einklang in der Gesamtharmonie des
Ganzen. Trotz dcr Pracht aber hat kein Raurn den wohnlichen
Charakter eingcbüßt — keine Überladung, keiu Museum und keine
bloß repräsentative Dckoration. Öberall kann der Besucher zu
dem Objekt in ein nahes Verhältnis trcten, jeder Gegenstand be-
kommt auch von irgendwoher das rechte Licht, um richtig gesehen
zu werden. Die einzelnen Gegenstände aufzuzählen fehlt hier der
Raum; da hängen im Stiegenhaus drei Tiepalo vcn gewaltiger
Ausdruckskraft, im Schlafzimmer entzückende Canaletto usw.
Doch neb.n den zahlrci.hepi crstklcssigen Werken dpr Malerei
bilden die prachtvollen Gcbelins, die wertvollen alten Teppiche
und die einzigartige Kollekticn italienischer Bronzen die Hauptteile
dcr Sammlung.

Eine wundervclle Ergänzung der Gesamtwirkung geben dis
Cassonidccken, die Herr Castiglicni, fiir jcden Raum passend, in
Italien entdeckt hat, so daß das ganze Innere zu einer stilvollen
Einheit wurde und in dcr Donaustadt der Palazzo cines italie-
nischen Renaissancefürsten erstand. Man muß sich wundcrn,
daß derartiges noch heutigentags in einer ruhelosen Zeit dcs
Hastens und Treibens möglich wurde, noch mchr aber, daß einc
solche Leistung, die ohne ruhige Kcnzentration und ein fein kul-
tiviertes Geschmacksempfinden kaum denkbar ist, gerade von
eincm Mann moderner Geistesrichtung und ruheloser Arbeit bc-
werkstelligt wurde. Man muß ihm dafür aufrichtigen Dank wissen.

Dr. L e p o r i n i.

Die Neue Hamburger Zeiru ig schreibt: „Der Kunst-
wanderer“ hat sich zur führenden Sammler-
zeitschrift gemacht . . .

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