Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 170
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er lange gedauert haben soll, nach Lage der Dinge als
unwahrscheinlich. Laut den als Motto vorangestellten,
aus „der vornehmsten Künstier und Handwerker Cere-
monial-Politica“ des M. Friesius (Leipzig 1705. S. 280)
entnommenen Versen, war er 1705 tot; dem Jahre 1669
entspricht ungefähr ein Geburtsdatum, das von dem
Jahre 1630 nicht allzuweit entfernt gewesen sein dürfte.

Eine Entwicklung hat seine Kunst nicht durchge-
macht: auch am Ende seiner Tätigkeit blieb er Drechs-
ler, allerdings Kunstdrechsler, dessen Stolz darin lag,
aus einem Stücke Elfenbein seine Arbeiten herauszu-
drehen. Grundlage und Wesen seiner Kunst liegt
durchaus in dieser kunsthandwerklichen Technik, wo-
bei dahingestellt bleiben mag, wie weit einzelnes mit
dem Stichel nachgearbeitet wurde. Am charakteristi-
schsten fiir ihn sind die Blüten mit konzentrisch ge-
stellten Blattreihen; an ihnen wird man fortan leicht
seine Arbeiten erkennen können.

Ich kann bisher nur im Wiener kunsthistorischen
Staatsmuseum 2) Vadingsche Werke nachweisen: zwei
Kaiserhumpen (wie Abb. 1 mit veränderten Henkeln;
Inv. Nr. 4481. 4483); zwei Halsbänder (unverkennbar
wegen der Blüten; Inv. Nr. 4666. 4670). Diesen un-
mittelbar evidenten Sachen schließen sich mit höchster
Wahrscheinlichkeit an Inv. Nr. 4507: Büste Kaiser
Leopolds !. und 4749: Halskette mit einem Anhänger
mit dem Porträt Leopolds I., während mir die Biiste
des gleichen Kaisers (Inv. Nr. 4501) mehr wie die Ar-
beit eines Plastikers erscheint.

2) Ich bin Herrn Hofrat J. Herrmann für freundliche Unter-

stützung zu Dank verpflichtet.

Über den Verbleib der im Stiche wiedergegebenen
Stücke konnte ich nichts ermitteln; vielleicht birgt
manches das gegenwärtig nicht zugängliche Hohen-
zoilernmuseum.

Über die Stellung Vadings innerhalb der Entwick-
lung der Kunstdrechslerei vermag ich nichts zu sagen.
Wir tappen da. noch ganz im Dunkeln. Seitdem die
Drechslerei an den deutschen fürstlichen Höfen zu der
uns in ihren Gründen noch unbegreiflichen Bedeutung
als gern geübte Betätigung kam — es war schon im
16. Jahrhundert; die früheste mir bekannte Erwähnung
stamirit aus dem Jahre 1563 3) — ist der Antrieb zu
ihrer Entwicklung wohl im wesentlichen von diesen
ausgegangen; ihren Niederschlag fand sie in den Ar-
beiten, die so gern als Geschenke verwendet wurden.
An diesen wird man am ehesten ihren Gang feststellen
können. Die Führung hatte durchaus das technische
Interesse, die Hinneigung zur Künstlichkeit. So schick-
te Herzog Wilhelm IV. von Bayern dem Herzog von
Toskana am 12. II. 1582 eine jetzt im Bargello befind-
liche Drechselarbeit (Nr. 39) mit den Begleitworten 4);

. . . globus eburneus torno excavatus, cum nostra, nos-
traeque coniugis ac liberorum hoc tempore superstitum
iconibus: liunc sane valore suo, qui propemodum nullus
est, Dilectione Vestra dignum non aestimavimus, sed
ob novum tornandi artificium, in oblongis, seu ovatis
tabellis expressum, rem paulo rariorem, spectatuque
non iniucundum putavimus . . . In einem einfachen,

3) Bericht des venetianischen Gesandten Giacomo Soranzo
über Kaiser Ferdinand I. (J. Fiedler, Relationen venetianischer
Botschafter in Fontes rerum austriacarum. 2. Abtlg., 30. Bd. Wien
1870, S. 217.) Ebda S. 359 über die botega di tornidore des
Erzherzogs Ferdinand v. J. 1577.

4) Florenz, Stäatsarchiv. Cart. Med. Nr. 4281.

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