Donath, Adolph [Hrsg.]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Seite: 295
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bloß die wertvolle Gipssammlung aufgestellt werden, sondern
auch die unvergleichliche Kollektion der Bilder aus der R u b e n s -
schule, die heute irgendwo im Verborgenen ihr Dasein fristen,
ebensowie die Reihe der italienischen Barockmeister,
die versteckt in den Gängen des Museums hängen usw.

Die Ausführung des Projekts, die altdeutschen Bilder im
Neubau des Deutschen Museums unterzubringen, ist ja
schließlich noch in weiter Ferne. Denn das Deutsche Museum ist
noch lange nicht eröffnet. Heute nach 15 Jahren sind, wie man
in eingeweihten Kreisen weiß, noch nicht einmal die Fragen der
Zugänge vom Kaiser Friedrich-Museum und vom Neuen
Museum zum Neubau gelöst. Und was die berühmte Brücke
anlangt, die über das Wasser vom Kupfergraben zum Hauptein-
gang führen soll, erzählt man sich, daß die S t a d t B e r i i n die
Kosten fiir diesen Bau nicht übernehmen will. Hierzu
kommen noch andere „Unglücksfälle“: die Aufstellung des Milet-
Tores würde allein über eine Milliarde kosten, der Nordflügel des
Neubaues soll ein neues Dach bekommen usw.

Andrcas

Aehenbach

Große

Marine

Sig. und dat.
1838

Auktion bei
Rudolph
Lepke

Berlin

Die Ausgt?abungen tn tuxor.

Von sehr geschätzter Seite geht uns auf
unsere Bitte die nachstehende zusammenfassende Dar-
stellung über die bisherigen Grabungsergebnisse von
Luxor zu:

Trotzdem die meisten Fachgelehrten, die entweder so glück-
lich waren, etliche der Funde im Grabmal des Pharao Tutankhamen
selbst besichtigen zu dürfen oder die aus dcn so überaus ausführ-
lichen Beschreibungen Kenntnis etlicher Einzelheiten nahmen, iiber-
einstimmend der Ansicht sind, daß alle ägyptologischen Werke
neu würden umgeschrieben werden müssen, läßt sich doch noch
nicht annähernd die Bedeutung dieser beispiellosen Funde er-
messen. Vermutlich wird mindestens ein Jahr vergehen, bevor
eine zutreffende Übersicht über die großen Reichtümer möglich
sein wird.

Die Ausgrabungen und ihre täglichen Ergebnisse werden in
der ganzen Welt mit sensationellem Sportinteresse verfolgt. Da-
durch entstanden Eifersüchteleien in der internationalen Publizistik.

Elie dies ailes also in Ordnung gebracht ist, könnte das
Asiatische Museum längst eröffnet sein und eine der glänzendsten
Attraktionen darstellen. AVir sehen darum nicht ein, warum Bodes
Millionenstiftung nicht inr Sinne des Spenders verwendet werden
solite und wir glauben auch, daß sich eine weitblickende Beliörde
dieser durchaus gerechtfertigten Anschauung niclrt wird ver-
schließen können.

6tn Rembi’andt füü 300 000 ft?anes
naeb Sebtneden oetkauft

Wie wir erfahren, ist R e m b r a n d t s „ J e r e m i a s “ aus
der Sammlung Stroganoff in Paris für 300 000 Francs
nach Schweden verkauft worden. Der Preis des Bildes,
das signiert und 1630 datiert ist, wird in den Kreisen der Kenner
für n i e d r i g gehalten und man weist zum Vergleiche darauf
hin, daß der kürziicli aus der Berliner Galerie Arnhoid von einem
Pariser Kunsthändler erworbene M a u e t („Le bon bock“) mehr
als die dreifache Summe (fast 1 Million Francs) gekostet hat. In
seiner Malweise steht Rembrandts „Jeremias“ dem Stuttgarter
Paulus nahe.

Lord Carnavon hat dem Verlag der Times das Publikationsrecht
der ersten authentischen Beschreibung verkauft und englische,
amerikanische und ägyptische Zeitungen, die infolgedessen das
plötzlich emporgeflammte Interesse ihrer Leserschaft nicht befrie-
digen konnten, benützten diesen Umstand zu nicht gerade takt-
voiien Angriffen gegen den großen Entdecker. Diese und andere
Behauptungen, laut denen die ägyptische Regierung an der Art, wie
fremde Interessenten peinlich vom Grabe fern gehalten wurden,
Anstoß genommen haben soll, sind längst Lügen gestraft worden.

Es liegt im Wesen der Journaiistik, daß sie wissenschaftliche
Forschungsergebnisse anticipiert und die Tugend der Geduld nie
lernen wird. Die Geduld aber wird in Luxor auf härteste Proben
gestellt. Bei der Öffnung der ersten Halle des Grabmals wurde
festgestellt, daß etwa 300 Jahre, nachdem das Grab zum ersten
Male geschlossen und versiegelt worden war, Räuber in das Innere
eingedrungen sind, den kostbaren Inhalt etlicher Dosen stahlen,
alle Geräte auf der Suclie nach Edelsteinen durcheinanderwarfen,
die ursprüngliche Anordnung der Gegenstände nicht wieder her-
stellten, und dann, ohne in das zweite Gemach zum Sarkophag zu
gelangen, mit ihrem Raub verschwanden. Die ägyptischen Beamten,
die dann das Gemach neu versiegelten, trugen ilirerseits keine
Sorge dafür, daß die Dinge ihren ursprünglichen Platz zurück-
bekamen, sondern handeiten vermutlich so fliichtig, daß sie eine,
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