Donath, Adolph [Hrsg.]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Seite: 327
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/ahrgang 1923

Herausgeber: AdOlptl Dondtfl

1. ApriLneft

Sinit Hannoüec

2um Tode des däni(dben Kun{tbi(tot?tket?s

oon

Adolpb

|n der zweiten Hälfte des März sandte mir Professor
Emil Hannover, der Direktor des Kunstindustri-
museums in Kopenhagen den zweiten Band seines
„Keramik Haandbog“ *) und einige Tage nachher kam
die erschütternde Nachricht, daß er gestorben ist. Das
Schicksal ist furchtbar: mitten aus der glühendsten Ar-
beit, die im Dienste der Kunst und der Wissenschaft
getan wurde, riß es hier einen Menschen, der geboren
war, großes zu schaffen. Ja, Emil Hannover, der in der
zweiten Hälftc der Fünfzig stand, ist einer von den
Auserkorenen im Kreise jener internationalen Kunst-
forscher gewesen, welche die Gabe haben, Theorie und
Praxis wissenschaftlicher Tätigkeit zu e i n e m Ganzen
zu vereinen. Er war ein Kenner von besonderem
Können und ein Organisator von liohem Rang. Das
Kunstgewerbe-Museum in Kopenhagen verdankt ihm
seine rapide Entwicklung und nicht zuletzt auch seinen
europäischen Ruf, das Hirschsprung-Museum in Kopen-
hagen, das den Werdegang der dänischen Malerei von
ihren Anfängen bis zur Gegenwart darstellt, den im-
ponierenden Reiz seiner inneren Ausgestaltung.

Emil Hannover war in erster Linie Kunstgewerbe-
Kenner. Daß er nebenbei die dänische Malerei in der
Welt bekannt gemacht hat, — auch in deutscher
Sprache erschien von ihm eine glänzende Schrift iiber
diese Materie — läßt seine Vielseitigkeit noch stärker
hervortreten. Doch seine tiefste Liebe gehörte dem
alten Kunstgewerbe. Sie umfaßte nicht bloß einen

*) Henrik Koppels Forlag, Kopenhagen.

Donatb

Spezialzweig, sondern alle seine Gebiete, wenn auch
Hannover die Keramik besonders bevorzugte.

Ich hatte öfter Gelegenheit, mit ihm zusammenzu-
kommen und habe das Glück gehabt, ihn in früheren
Jahren, da unsereins nocli Studienreisen unternehmen
konnte, in seinem Kopenhagener Museum bei der Arbeit
zu sehen. Schon damals (vor zwei Jahrzehnten)
schwärmten für ihn alle dänischen Kunstfreunde, und
Henrik Cavling von „Politiken“ — Hannover war aucli
Mitarbeiter des Kopenhagener Weltblattes — wußte
nicht genug von seinem künstlerischen Bienenfleiß zu
erzählen. Es sind wirklich unvergeßliche Stunden, die
ich mit ihm an seiner Arbeitsstätte zugebracht habe,
und später in Berlin, das er liebte, und dessen Samm-
lungen und Auktionen er immer wieder besuchte.

Der erste Band seines Handbuches der Keramik
war ein großer Erfolg, der Emil Hannover, wie seine
feinen Briefe besagen, umso intensiver aneiferte, das
Erscheinen des zweiten Bandes so schnell wie möglich
zu betreiben. Als der erste Band herausgekommen
war, schrieb ich an dieser Stelle, **) der Hauptvorzug
des Werkes sei, „daß es die Erfahrungen des Praktikers
aufzeigt, der durch rastloses Sehen und Vergleichen
seinen wissenschaftlichen Apparat in liohem Grade zu
bereichern verstand. Dabei ist die Darstellung Han-
novers von erfreulicher Klarheit und Übersichtlichkeit.
Selbst jene, die das Dänische nicht flott beherrschen,

• **) „Dcr Kunstwanderer“ 1. Novemberheft 1920.

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