Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 4./​5.1922/​23

Page: 420
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cine letzte große Steinmasse, die wie eruptiv aus der Tiefe empor-
geschleudert wirkt. Ohne Zweifel hat der talentvolle Kiinstler das
Revolutionäre des Kantschen Wirkens besonders künstlerisch
formen und gestalten wollen. U 1 r i c h B a 11 z e r.

StntL pottaers neueLte Keramtk.

In der Nähe des Wilhelmsplatzes in Charlottenburg, in der
Schulstraße, hat Emil Pottner, der nun schon die Fünfzig über-
schritt, eine eigene Töpferei, eine veritable Töpferei, wo er seine
Keramik nicht nur entwirft und modelliert, sondern aucli selbst
brennt. Und es ist ein seltsames Zusammtreffen, daß seine Kunst-
werkstätte in dem gleichen alten Hause liegt, wo er das hand-
werkliche der Töpferkunst vor rund zwanzig Jaliren kennen lernte.
Einladend ist zwar der Eingang zu seiner Werkstätte niclit (einc
sehr schmale Holztreppe fiihrt hinauf) aber um so erfreulicher ist
der künstleirische Eindruck, den man von den neuen Arbeiten er-
lüilt, die Pottner soeben fiir das Haus Fritz Hess in Dahlem voll-
endet hat. Er modellierte nämlich für das Vestibül des Hauses
und zwar für die Hauptwand die Verkleidung fiir die Zentral-
heizung. Das eigenartge Problem ist eigenartig gelöst: durch das
Gitterwerk, das in der etwas gedämpften Originalfarbe des Tons
gehalten ist, schimmert das lielle Weiß zweier im Geäst sitzenden
Hähne hervor und ihre knallroten Kämme klingen köstlich zu-
sarmnen mit dem blitzenden Weiß. Über der Verkleidung sitzt
ein reliefartiger Aufbau mit fünf Vögeln: links ein weißer Kakadu
mit gelbem Schopf, reclrts ein grauer Papagei mit rotem Schopf,
dann ein blaugelber Papagei, ein griiner und zwischen diesen
beiden wieder ein weißer Kakadu. Ich kenne keinen modernen
Kcrämiker, der einen solchen Vorwurf bisher lebendiger und
farbiger gelöst hätte als Emil Pottner. Neben der Kaminverklei-
dung sieht man je eitie Tür und tiber den Türen Rosetten in grün,
gelli und rot. Die anstoßehde Wand fiihrt auf den Korridor -
auch hier sind Papagejen sehr dekorativ angebracht — während
auf der der Heizungsverkleidung gegenüberliegenden Wand in je
einer Nische ein Reiher und eiti Kranich sitzen. Schon die vorjäh-
rige Ausstellung dcr Berliner Sezession bewies, daß Pottner mit
großetn künstlerischen Geschick und Glück an die Plastik der
Meißner Kändlcrzeit ankniipft. In dieser seiner neuesten Arbeit
spürt man noch stärkere künstlerische Fortschritte. D.

londonec ßildeüpüeife.

ln L o n d o n ist, wie man uns berichtet, die Sammlung
alter M. e i s t e r aus dem Besitz des Lord Brownlow am
7. Mai bei C h r i s t i e s versteigert worden. Das Ergebnis dieser
Auktion verdient besonderes Interesse. Das Bildnis des „Erz-
bischofs Anton Triest von Gent“ von van Dyck erzielte
28 000 Guineen, eine Dordrecht-Ansicht des A e 1 b e r t Cuyp
17 500 Guineen, eine Skizze von Rubens „Die Flucht nach
Egypten“ (Skizze zu dem Kasseler Bilde) 2 500, cin Jacob van
R u i s d a e 1 (mittelgroße Landschaft) 1 800 Guineen. In der Serie
der Italiener kam ein Gentile Bellini auf 3 500, cin
Cima du Conegliano auf 9 200 Guineen.

Das „Berliner Tageblatt“ vom 16. September 1922 nennt
den „Kunstwanderer“ die „auch im weitcn Aus-
latid anerkannte Sammler - Zeitschrift.“

Kunffauktionen.

Die Kupferstickauktion XXV bei Hollstein & Puppel
(^- 9. Mai) hatte bemerkenswerte Ergebnisse. Unter ihnen
nennen wir: 4'/ä Millionen Mark für Rembrandts „Triumph
des Mardochäus“, 3 050 000 fiir seinen „barmherzigen Samariter“,
2 850 000 für seinen „Christus in Emmaus“, 2 100 000 fiir den „Jan
Antonides“. O s t a d e s „Friihstück“ (5. Zustand) brachte
1 150 000 Mark, sein „Tanz im Wirtshaus“ (7. Zust.) 1 010 000 Mark.
Fiir „Die Bekehrung“ des Lukas van Leyden zahlte man
4‘/_> Millionen. Uner den Dürerblättern kam der Kupferstich
„Christi Geburt“ auf 10 Millionen Mark.

*

Sehr interessant gestaltetc sich die Graphik-Auktion, die Paul
Graupe vom 6. bis 8. Juni abhielt. Die Blätter der P i r a n e s i -
Sammlung brachten Preise bis zu 800 000 Mark (Veduta della
Villa Estense) und I Million Mark (Veduta dell Atrio del Portico
Ottavia). Von den Preisen der modernen Handzeich-
n u n g e n , aus deren Reihe die Kreidezeichnung „Feldarbeiter“
von Max Liebermann 2 700 000 Mark und drei mit der Feder
gezeichnete Reiterstudien 3 000 000 Mark erreichten, sowie von
der großen Sammlung moderner G r a p li i k , in deren Reihe
Zorn, Slevogt, Liebermann, Corinth,Ury,Koll-
witz, Orlik, Nolde am besten abgeschnitten haben, wird
noch ausfülirlicher berichtet werden.

Bonn.

Das Buchantiquariat Math. Lempertz in Bonn verstei-
gerte vorn 1. bis 5. Mai eine rheinische Schloßbibliothek bestehend
aus Inkunabeln, Holzschnitt- und Kupferstichwerken, Kuriositäten
etc. Von den erzielten Preisen seien nachstehend die wichtigsten
genannt: Theatrum Europaeum, 21 Bände 6 Millionen. Die Merian-
Zeillerschen Topographien, komplett 6 Miliionen; Lewis, das illu-
strierte Mississippithal, Düsseldorf 1855, 3 Millionen; La Fontaine,
Contes et nouveiles 2 tomes, Amst. 1762, 2 Millionen; Ortelius
Theatrum orbis terrarum, 2,2 Millionen; Herxen, Exerzitium do-
minice passionis (Inkunabel), 'Ai Million; Prevost. Oeuvres, choi-
sies 1783/5, 1,3 Millionen; Voltaire, Romans et Contes, 3 Bde. 1778,
1,2 Miliionen; Steinmann, die sixtinische Kapelle 1901, 2 Millionen.

Kunstauktionen

siehe auch letzte Umschlagseite!

Berfin W. 35 7. A. Kurfürft 9438

Bfumes Hof 9 9—4

erßittet Angeßote . ladel ein

erftrangiger aiter und zur Beftcßtigung aus-

moderner Meifter, aucß erwäßlter Arßeiten aiter

großer Oßjeßte und moderner Meifter

An= u. Verßaufsvermittiungwirddisßret ßeßandelt u. gernßonoriert


Redaktionsschluss für das 2. Juniheft 22 Juni. — Redaktionsschluss für das 1. Juliheft 8. Juli.
Herausgeber u. verantwortlicher Leiter: Adolph Donath, Berlin-Schöneberg. — Verlag „Der Kunstwanderer“, G. m. b H„ Berlin.
Redaktion: Berlin-Schöneberg, Hauptstraße 107. — Druck: Pflaume <S Roth, Berlin SW. 68.

Dr. FRITZ GOLDSCHMIDT, Dr. VICTOR WALLERSTEIN

ALTE NEUE GEMÄLDE SKULPTUREN BRONZEN

B E R L I N W 35 Schöneberger Ufer 36a (Privatstraße)

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