Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Supplemente

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Numero 3.

GOTTESGELAHR THE 1 T.
Frankfurt amMayn, bey Reifenstein: Entwurs
einer Kirchen - und Religion! - Geschichte der
Herzogthums Zweybriicken, nach der Regierung
seit der Durch!. Herren Herzogen, von der Refor-
mation an, bis auf unsre Zeiten, aus unverwerf-
lichen Urkunden, verabfasset. Zweyte Aussage. 1784·
12 1/2 B. in 8.
Diese zwar nicht schön und angenehm, aber,
welches noch mehr werth ist, währ und zuverlässig
abgefasste Schrift scheint, nach der Vorrede zu
urtheilen, hauptsächlich in der Absicht herausgegeben
worden zu seyn, um die gute und gerechte Sache der
Reformirten im Zweybrückischen gegen so manche
Bedrückungen, die sie erlitten haben, zu retten.
Ganz läuft es freylich nicht ohne alle Parteilichkeit
ab, wie in jeder Schrift, die zugleich historisch und
auch apologetisch ist; allein die Hauptsache ist, wie
uns dünkt, gründlich ausgeführt worden. Es wird
nemlich die Religionsgeschichte des gedachten Her-
zogthums, seit der Reformation bis auf u-nsere Zei-
ten, genau erörtert, gezeigt; dass der Lehrbegrift
der Reformirten, von jenem Zeitpunkte an, daselbst
der erste und herrschende gewesen sey , obgleich
in den spätern Zeiten des sechszehnten Jahrhunderts,
auch die Lutheraner daselbst starken Eingang gefun-
den haben; dass die Reformirten im Normal-Jahr
1624, oder in der Pfalz 1618, im Besitze derdasigen
geistlichen Güter gewesen sind, denen sie auch in
der Execution des Westph. Friedens zugetheilt wor-
den wären, dass sie aber in dem Genusse ihrer Rech-
te, durch Eindringen der Lutheraner und Gewalt-
thätigkeiten der R. Katholischen, in den neuern
Zeiten auf das empfindlichste gestört worden sind;
wohin besonders die im Jahre 1755 ganz widerrecht-
lich erfolgte Aufhebung des Verwaltungscollegiums
ihrer geistlichen Güter gehöre. Alles wird durch
sichere, theils im Auszuge, theils ganz eingerückte
Urkunden , hinlänglich bestätigt und erläutert. Wir
merken nur noch von der I38sten Seite die Reli-
gionsproportion im Zweybrückischen an, welche
auch dasResultat einer vorhergehenden sorgfältigen
Angabe ist. Der Reformirten sind daselbst 45000,
der Lutheraner 7574. und der Katholischen 7000,
A. L. Z. 1785·. Supplementband,

Königsberg, bey Dengel: Erläuterung und
Berichtigung einiger Umftände in dem Lebenslause
des Hrn. D. Johann Heinrich Haniel Moldenhawers,
Dohmpastors in Hamburg, während seiner Amts-
jahre in Preussen. 1784. 29 S. in 8·
Hr. D. Moldenhawer wird in diesen Blättern be-
schuldigt, in seiner eigenen Lebensbeschreibung an-
gesehene und rechtschassene Männer verunglimpft
zu haben, die zu seiner Zeit zu Königsberg lehr-
ten, und ihm im Wege standen. Da er ein Schüler
und Freund des D. Schulz war, heisst es, des Ober-
haupts der pietistischen Parthey, der so viele treffliche
Gaben und Verdienste hatte, auch so viel Ansehen
behauptete; so hat er denD. Quandt, Anführer des
orthodoxen Haufens, und einen in seiner Art auch
schätzbaren Mann, nebst andern von dieser Parthey,
desto unbilliger und schimpsiicher beurtheilt, weil
er durch sie, und noch mehr durch seinen Mangel
an vorzüglichen Fähigkeiten, gehindert wurde, sein
Glück nachWunsche zu machen. Die Nachrichten,
welche über die gedachten Theologen und etliche
gleichzeitige Prediger zu Königsberg, mitgetheilt
werden, sind allerdings einiger Aufmerksamkeic
werth. Ueberhaupt aber schreibt doch der Ver£
etwas zu heftig und bitter, und mit dem Nahmen
eines grofsen Mannes ist er zu freygebig.
RECHTSGELAHR THEIT.
München, beyStrobl: Form eines Hexenpro-
cejjes aus den alten Zeiten. Herausgegeben von
Karl von Eckartshaufen. 1785. 64 S. 8.
Diese kleine Schrift ist aus dem vierten Theil
der Erzählungen des Hrn. Hofrath von E. besonders
abgedruckt. Die Geschichte ist in der Kürze fol-
gende : Veit Pratzer wollte bey einer Dorfkirch-
weyh den Jungen eine Kurzweile machen. Er fing*
zwey Dutzend Mäuse, sleckte sie in einen Sack, der
in der IVlitte durchnäht war, undliess in die andere
leere Seite des Sacks 24 kleine Steine werfen. Nun
össnete er den Sack mit Taschenspielerkünsten, und
liess statt der Steine die Mäuse heraus springen. Dar-
überkam eralsHexenmeisterinlnquisition, undstarb
den Tod eines Märtyrers, verurtheilt durch Dumm-
heit und Aberglauben. — Diese Geschichte nebst
dem daraus entstandenen Process ist vvahrscheinlich
C er-
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