Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Numero 26«.

RECHT S G E LAH RT HE IT.
eipzig, bey Kummer: Grundfätze des IHechJeL
rechts von D. e7· E. E. Puttmann, ord. Leh-
rer der R. und Beys. der Jur. Facul. Leipzig.
1784. 212 S. in 8. ( 12 gr.)
Dieses Lehrbuch hat der Verf. so-einzurichten
gesucht, dass es nicht nur bey Vorlesungen, son-
dern auch von denen, welche keine Rechtsgelehr-
te sind , mit Nutzen gebraucht werden kann. Er
hat vorzüglich auf die neuern, und insonderheit
aus die neueste Augsburger Wechselordnung von
1778 Rücksicht genommen, um dadurch seinem
Buche vor altern Werken grössere Vollständigkeit
zu geben. Doch hat er nicht gut gefunden nach
Siegels Manier bey jedem Satze die iibereinstim-
meiiden Wechselordnungen anzugeben, Sondern nur
diejenigen Begrisse abgezogen, worin die meisten
ihm bekannten W. 0., oder wenigstens mehrere
mit einander übereinstimme'n, und aus den Kv.r-
sächsischen, so wie aus andern Gesetzen, beson-
dere Bestimmungen hinzugesügt. Die Ordnung,
nach welcher er das Wechselrecht abhandelt, ist
sehr natürlich und ungekiinstelt. Das erste Haupt-
Hück handelt von Wechselbriefen überhaupt, de-
ren Ursprung und Rechten , die drey nächsten
Hauptstücke betreffen die eigene Wechsel, das V—·
X Hauptstück redet von den trassirten Wechselbrie-
sen, und die zwey letzten von der Verjährung der
Wechfelbriese und den Wechselprocess, Der Vor-
trag ist deutlich und bestimmt, und nicht zu sehr
mit Literatur überhäuft. In dem Anhang ist unT
ter andern die lehr kurze Wechselordnung der
Reichsstadt Nordhausen vom Jahr 1720 abgedruckt,
welche in Siegels Coro. £sUr. camb. fehlt. Wenn
Hr. P, in der Vorrede Not. d) sagt: die kairpfäl-
zische IHechfelgerichtsordnung stände im Siegeli-
ichen Ccrp, ^ur. camb., so hat er lieh wohl ge-
irrt. Bey Siegel steht nur die Psälzische JEechfeL
Ordnung, welche, wie wir vermuthen, von der
IHechselgerichtsordnung verschieden ist.
Nürnberg, bey Feisecker: Ueber die Lehre
Von der Einkindschast von D. U/ilh. Gottlieb Tafln'
ger. 1785. 7 B. in 8. (6 gr.)
L. Z. 1785·. Supplementband,

In der deutsehen Erbfolge galt ursprüngllch
das Verfangenschaftsrecht. Um der Härte dessel-
ben abzuhelfen, wurde durch viele neuere Statu-
ten ein denselben ganz entgegengesetztes Institut,
die Einkindschaft, eingeführt, Eine ganz allge-
meine Induftion lässt sich hierüber nicht zusam-
menbringen, aber die ältesten Statuten von der
Einkindschaft betätigen diese Veranlassung. Hie-
mit stimmen auch die Zeugnisse der altern Praxis
überein, und fo wohl wirkliche Einkindschaftsur-
kunden (die älteste von 1440), als blosseFormu-
larien und Ausführungen von Rechtsgelehrten be->
weisen, so wie die Statuten, dass gleich bey der Auf?
nähme der Einkindschaft die Adoption nachgeahmet
worden sey, und legen ihr die Wirkung bey, dass
die von den Eltern angetretenen Kinder dadurch
wechselsweise, als deren rechte natürliche Kinder
angesehen wurden. Diese Analogie zeigt sich in den
Feyerlichkeiten, welche die Einkindschaft erfo-
derte; manche Statuten sagen es sogar ausdrück-
lich, dass in derselben eine Annehmung an Kin-
des statt liege, oder legen den gemachten Eltern,
solche Befugnisse bey, welche nur aus einem fin-
girten Recht der väterlichen Gewalt herg<leitec
werden können. Die Gemeinschaft der Güter,
welche durch Errichtung der Einkindschaft zwi-
schen Stieseltern und Stiefkindern entstent, ift der
Grund ihres wechselsweisen Erbrechts, und die
Bestimmungen dieses Rechts in den Statuten selbst
sind allein aus jener Gemeinschaft hergeleitet wor-
den. Daher wird die Einkindschast durch die /ib-
theilung zwischen Stiefeltern und Stiefkindern auf-
gehoben, gleichgemachte Geschwister erben einan-
der nicht, und wenn zur Todeszeit eines der Eitern
nur von einer Seite Kinder vorhanden sind, so ist
die Einkindschft gefallen. Aus dieser vorausge-
setzten historischen Darstellung zieht nur der Verf.
folgenden Begriff der Einkindschaft, dass sie eine
feyerliche Rechtshandlung sey , wodurch Kinder
von verschiedenen Ehen . gegen die unirende El-
tern vermitteln einer unter ihnen aufgestellten Ge-
meinschast des Vermögens in das Verhältnjs rech-
ter Kinder gesetzt werden , als wären sie alle aus
einer Ehe geboren. Die Feyerlichkeiten richten
sich nach der Analogie der Adogciop, ihre Wir-
C c Jcnxi?
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