Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Supplemente !I
zur
allgemeinen
LITERAT UR^ZEITUNG
vom Jahre 178
Numero 6.

HANDL UNGSIFISSENSCHAFT.
I .eipzig, bey Weigand: Dr. ssoh. Heinr. ^sungr
— Pros, der Gewerbuijfenschasten an der chur-
psälz. Cameral Hohenschule — gemeinnütziger Lehr-
buch der Handlungrieijfenschast sür alle Klassen von
Kausseuten und Handlungrssudirenden. 470 S. 8· (1
Rthir. 4 gr.)
Dieses ist das fünfte Lehrbuch, welches Hr.
Prof. J. in dem Fache der Cameralwissenschaft liefert,
aber sie haben alle so viel gutes vor ihren Vorgän-
gern voraus, dass nur seine übertriebene Beschei-
denheit in der Vorrede deshalb den Vorwurf der
Schreibsucht besorgen kann. Ueberhaupt sind ja
gute Lehrbücher von Zeit zu Zeit eben so nothwen-
diges Bediiifniss in der Literatur als einzelne neue
Untersuchungen. Dello verdiendlicher aber sind
sie in einem Fach, wo es noch nicht viel gibt und
die wenigen nicht recht brauchbar sind, wie vor-
züglich in der Handlungswissenschaft. Hr. J. hat hier
seine nächsten Vorgänger, besonders May und Ludo-
vici, gut benutzt, wie er aufrichtig geilehet, aber
er hat sie auch zugleich rühmlich übertroffen und
seinem Buch in aller Absicht Vorzüge zu geben ge-
wusst, womit man zufrieden seyn kann. Der Plan
ist übrigens mit Recht so angelegt , dass er eigent-
lich die Kaufmannswissenschaft zum Gegenstande
nimmt, die Grundsätze der Handelspolitik aber nur
beyläufig und bisweilen bey einigen Gegenständen
mit vorkommen.
Die Einleitung hohlt von dem Trieb des Men-
schen, seine Glückseligkeit durch Befriedigung sei-
ner Bediirfnisse zu suchen, aus, und leitet dadurch
auf den Tausch und die Begrisse von Preis, Geld,
Fracht, Zahlung, Contoir u. s.w., welches die Ein-
theilung des ganzen Buches an die Hand gibt. Da-
bey fehlet hingegen manches, was sonst mit Recht
zur nöthigen Einleitung in eine Wissenschaft gerech-
net wird, besonders ihre,’kurze Geschichte und all-
gemeine Bücherkenntniss. Darauf folget noch ein
so genannter Vorbericht von Handelspersonen, der
aber schicklicher der erste Theil heissen möchte.
Denn er besteht aus 6 Hauptstiicken: I von der
Handelsfähigkeit des Adels, der Geistlichkeit, Sol-
daten, Handwerker, Bauern, Juden, Eraueazim-
L. A. *785. Supplementband.

meru. s. w. 2) Vom Handelsmann, seinen Kenntnis-
sen und Charakter, 3) vom Handelsdiener, Buch-
halter, Ladendiener, ihrer Cor.dition, Abschied u.
d. g., 4) vom Handelsjungen, seinen Eigenschaften
und Pssichten, 5) von den Mäklern, 6) Handelsge-
richten und Arbitrage. Die eigentliche Handels-
theorie hat Hr. J. in zwey Theile und sechs Ab-
schnitte zerlegt. Im ersten Theil vom Tausch, han-
delt der erste Abschnitt von der Waarenkunde und
zwar 1) landwirthschaftliche, 2)Forst-, 3) Jagd-, 4)Fi-
scherey-, 5) Mineralische-, 6)Fabrikwaaren. 7) von
Maass, Gewicht und Zahl, 8 ) allgemeine Bemer-
kungen vom Gebrauch, Ort, Güte der Waaren, u.
s. w. Der zweyte Abschnitt ist die Geldkunde I )
vom wahren eingebildeten und Handelswerth, 2)
vom Preis, Erhöhung und Taxen, 3)Tauschmittel,
4) Gold und Silber, 5) ihrem Verhältniss, 6) Mün-
zen, Zusatz, Fuss. Im dritten Abschnitt ist die
Handelskunde begriffen: 1) von Gewinn und Verlust,
2) Waarenhandel und Baratt, 3) Einkauf und Ver-
kauf, 4) Rabat, Thara und Gutgewicht, 5) Gross- und
Klein-, 6) Land-und See-, 7) in- und ausländischem
und Colonie-, 8) Commissions -, 9) Cömpagniehandel.
Der zweyte Theil von der Expedition enthält im vier-
ten Abschnitt die Frachtkunde, i)von der Versen-
dung, 2 ) Schissahrt, 3) Rhederey, 4) AsTecuranz, 5)
Fuhr - undPostwesen, 6) Spedition und Stapel. Der
fünfte Abschnitt handelt von der Zahlungskunde und
zwar 1) Schuld, 2) Credit, 3)Interessen, 4) Bezah-
lung, Pari und Agio, 5) Wechsel, 6) Aftien, 7) Ban-
ken. Der sechste Abschnitt endlich begreift die
Comtoirkunde, 1 ) von Einrichtung des Comtoirs,
2 > Buchhalten und 3) Bankerott. Diese kurze Ueber-
sicht des Inhalts der Hauptstiicke zeiget sattsam
von der Vollständigkeit der Materien. Auch die
Zusammenstellung derselben in systematische Ord-
nung ist meistens recht gut und der Natur der Sa-
chen angemessen. Doch möchte 'dabey im einzel-
nen eher manches zu verbessern seyn. Es wird z.
B. bey den Handelsdienern auch von Consuln gere-
det , die vielmehr als Richter und Beystände anzu-
sehen sind. Bey dem Waaren- und Baratthandel ist
die ganze Lehre vom Bücherhandel mit eingeschal-
tet, der doch wie andere auch mit Gelde getrieben
wird. Von der Krarperinnung wird beym Kleinhan-
del und von den Gesellschaften ganz besonders ge-
F handelt.
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