Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Supplemente


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Numero 8·

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GOTT ES GELAHRTHEIT.
Regensburg: Cur/ soseph Hubers, Pfarrers
zu Sindelburg, Abendgefpräche über die Mieth-
mejje, und andere kirchliche Gegenftände. Zweyter
Theil. 1784· Dritter und letzter Theil. 1785· 120 S.
S- ( 12 gr.)
Der seel. Huber, der mit diesen Theilen sei-
ner Abendgespräche sein tätiges Leben beschloss,
zeigt sich auch hier als ein aufgeklärter und for-
schender Wahrheitsfreund. Sein offenherziges Be-
kenntniss , dass er einen grossen Theil seiner Kennt-
nisse und belsern Einiichten dem Lesen protestanti-
scher Schriften zu verdanken habe, gereicht seiner
Unparteilichkeit zur Ehre. Hier eifert er nicht nur
abermals gegen die Miethmesse, sondern vorzüg-
lich auch gegen viele andere, aus unlautern Ab-
lichten in seine Kirche eingeführte, und nach und
nach herrschend gewordene Misbräuche; als Oh-
renbeichte, ausschweifender Luxus der hohem
Geistlichkeit, der ehelose Stand der Geistlichen, ihre
unchristliche Betriebsamkeit in Bereicherung ihrer
Pfründen und Klöster durch erschlichene, oft ab-
gedrungene, Testamente, die Stiftungs-undZweck-
widrige Anwendung der Kirchen - und Klostergü-
ter, die widerrechtliche Schmälerungen der Lan-
desherrlichen Piechte in Anordnung des äussern
Gottesdiensts, u. s. w. Jedoch er ist kein bloss
blinder Eiferer; sondern einleuchtende Gründe der
Vernunft und Sittlichkeit, Geschichte und unver-
werssiche Aussprüche der Concilien und Solcher
Männer> die in der katholischen Kirche das grösste
Ansehn haben, lind die Waffen, womit er jene
Misbräuche zu bestreiten, die Ehre seiner Kirche,
(selbst gegen den sei. D. Ernefti, dessen grosseVer-
dienste er doch mit unverstellter Achtung aufrich-
tig anerkennt) zu verteidigen, und seine geläu-
terten Grundsätze gegen die faden Einwendungen
seiner Glaubens - und Amtsbrüder zu begründen
und geltend zu machen sucht. —- Die beygefügte
Nachricht von den merkwürdigen Lebensumstän-
den des sei. Hubers, bestätigen den nrenschen-
freundlichen guten Charakter, der aus seinen Abend-
gesprächen hervorleuchtet; so dass selbst ein Pro-
A> L. Z. 1785· Supplement band.

testant von Herzen die Asche eines solchen Lehrers
segnen wird.'
Hamburg, bey Matthiessen: Erbauungsblafö
zur Beförderung eines vernünftigen häuslichen Got-
tesdienßes für alle Stände 1785. 448 S. 8.(iPithlr.4gr.)
Der Vorredner, Herr Thiefs, welcher, ausser
der vorgesetzten Empfehlung, an der Ausfertigung
und Sammlung dieser gemeinnützigen Wochenschrift
keinen weitern Anteil nimmt, hat den Vers. von
den ersten 26 Blättern nicht genannt; von den fol-
genden ist es der, durch eine herausgegebene
Sammlung geisilicher Lieder, 1784. und andere klei-
ne Schriften bekannt gewordene Herr Röding ■ Leh-
rer an der Hamburger Jacobsschule. Die Aufsätze,
davon jeder einen halben Bogen einnimmt, haben
Aufklärung in Sachen der Religion, Berichtigung
nachteiliger Meinungen und Vorstellungen, vor-
nämlich von biblischen Erzählungen wunderbarer
Begebenheiten, richtige Auslegung dunkler, und
oft unrecht angewandter, Stellen der h. Schrift, Be-
förderung guter Sitten und eines tätigen Chri-
stenthums, und möglichste Ausrottung gemein-
schädlieher,'und gleichwohl unter Christen so tief
eingewurzelter und so weit ausgebreiteter Vorur-
teile , zu ihrem nächsten Zweck. Und Rec. kann
sagen, dass er das Buch, zumal die Rödihgischett
Ausarbeitungen, zur Erreichung dieses Zwecks
sehr geschickt gefunden habe. DieLehrstücke des
Christentums sind zwar kurz, aber dennoch nach
ihrem wichtigsten Inhalt deutlich und gut abge-
handelt, Tugend und tätige Uebung des Glau-
bens mit Wärme und Nachdruck empfohlen, und
Vortrag und Schreibart der Fassungskraft der
verschiedenenLeser gemäss eingerichtet. Manches
wünseht Rec. aus den Aussätzen des ungenannten
Verf freylich weg, oder wenigstens bestimmterer
ausgedruckt: als z. B. den S. 4. angegebenen, und
zu sehr beengten Begriff von der Erlösung und Ver-
söhnung Jesu, wodurch er alles Stellvertretende
und Verdienss liehe der Leiden des Mittlers von dem
Erlösungswerk auszuschliessen scheint: das einiger-
massen unbescheidene Urteil über die unbiegsa-
me Beharrlichkeit des grossen Luthers, die doch
wohl in der Lage der damaligen Zeitumstände vor-
H züglich
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