Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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vom Jahre i 7 8 5«

Numero 15.


GOTTES GELAHRTHEIT.
gCAMBERG und Wirtburg, bey Gobhardt: Die
Kunft das Herz aus der Kanzel zu rühren. Kon
dem Kersafter der Kun ft die Seelen in dem Beichtftuhl
zu unterrichten und zu rühren. Aus dem Franzöii-
scben übersetzt. Erder Band. 470 S. und XVI S.
Vorrede. Zweyter Band. 536 S. Dritter Band. 486
S. 1785. 8· <2 Rthlr.
Man findet in diesem Werk keine eigentliche
Anweisung für Prediger zum r ührenden Vortrag auf
der Kanzel; man müsste denn Grenadens Erinne-
rung für Prediger, die doch sehr unbedeutend ist,
dafür ansehen wellen. Es ist vielmehr eine Samm-
lung der stärksten und riihrendsten Stellen aus den
Reden berühmter französischer Prediger, welche un-
ter der Regierung Ludwigs des Vierzehnten geblühet
haben. Die zween berühmtesten Prediger, der Pa-
ter Bourdaloue, und der Pater Maftillon, sind ausge-
schlossen worden, weil der Sammler voraussetzte,
dass jeder angehende Prediger sie selbst studieren
würde. Die Sammlung mag sür die, für welche
sie zunächst bestimmt ist, gut genug seyn, und man-
che Stellen wird auch der protestantische Prediger
siachahmenswerth finden. Aber beynahe alle fran-
zösilche Redner, welche hier genützt worden sind,
■begiengen den Fehler, dass sie für gründliche Be-
lehrung zu wenig sorgten. Solche Reden können
zwar die Einbildungskraft erhitzen, und bald vor-
übergehende Rührungen hervorbringen ; aber dau-
erhafte Entschliessungen zu einem tugendhaften Le-
ben können seiten davon erwartet werden. In der
Vorrede (S. XIII.) wird auch esitr zu den Künsten
des rührenden Predigers gerechnet, „dass er die
Gegenstände bald vergrössere, bald verkleinere.“
Bey dem Vortrag mancher Glaubenslehren könne
auch die Mönchs-Dogmatik hiezu gute Dienste lei-
den. Aber werden lieh verständige Zuhörer dar-
aus erbauen? So heisst es zum Beyspiel in einer
Rede des Soanen über die Geburt des Sohnes Gottes
in einer Krippe zu Bethlehem', (S. 49 des ersten B.)
„Beglückte Krippe, worauf mein Gott geböhren ift j
^haftbare IKiege woraus er ruhte, etc. ■— 0 dass ich
„mich ohne Unterlass mit dem siissen Vergnügen
„weidete, euch als die Orte zu betrachten, in wel-
schen Gott seine grösste Barmherzigkeit gegen uns
A· L. Z. J785. Supplemcntbmd,

„an den Tag legte. Unterdessen, meine Bruder!
„soll der Glaube hier über die Natur triumphiren.
„Unsere Altäre vertreten die Stelle Bethlehems;
„ihr könnet da eben diesen neugebohrnen Gott anbe-
„ten, wie ihr ihn zu Bethlehem angebetet haben
„würdet.“ Eine Rede des la Roche über das Lei-
den unsers Herrn Jesu Christi, fängt ( S. 80. 81.)
mit folgenden Worten an: „Einen Verlust von ge-
„wöhnli eher Art kündigt man sonst mit vieler Vorsichg
„an, weil man ihn nicht auslchweifend beweinen
„soll; aber wenn es den Tod eines Gottes betrist, denn
„muss derjenige, welcher ihn ankündiget, keine
„Mässigung in seinen Worten beobachten, weil die-
jenigen, so ihn hören, sich auch in ihrer Betriib-
„niss nicht mässigen süllen. — Wer kann, ohne ei-
,,nige Bestiirzung, ein Schauspiel sehen, welches
,,die ganze Natur in eine Bestiirzung versetzte, näm-
„lich einen sür alle Menfchen leidenden und fterben-
„den Gott?“ Das heisst rühren! Manche morali-
sche Stellen find schön und wirklich rührend, aber
auch sehr oft von übertriebener Mönchs - Moral-
durchwebt, wie von solchen Rednern erwartet wer·«
den kann.
PHILOSOPHIE.
Tübingen, bey Cotta: Wilhelm Penn’f, Stis-
ters und Gefetzgebers der Colonie Pennsylvanien,
Früchte der Einfamkeit in Gedanken und Maximen
über den menschlichen Lebenswandel. Aus dem Eng“
lischen. 1785. 208 S. 8.
Recensent hat unter diesen Früchten der Ein·
samkeit viel alltägliches, aber auch viel vor-
tressiches, und meistens eine gesundeKostgefunden.
Folgende Ressexionen und Maximen haben ihm vor-
züglich gefallen: S. 15 „So tief wir immer fallen
mögen; so können wir doch nimmermehr für die
Arme Gottes zu tief fallen.“ S. 69 „Im Fluge gut
zu schiessen, ist gut: sich aber vorzüglich darauf
zu legen, verräth mehr Eitelkeit als Verstand.“ S.
126 „Lieber gar keine Religion, als eine unnatür-
liche.“ S. 173 „Wenn wir, wie Thepphilus und
Timotheus, in der Erkennsniss des Besten sind er-
zogen worden; so ists ein Vortheil für uns: aber
weder das Beste, noch wir selbst können durch Prü-
fung der Wahrheit etwas eiubüiieh. — Wahrheit hat
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