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Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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https://doi.org/10.11588/diglit.47940#0225
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Numero 53,



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1785.

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nr
X
vom Jahre

Supplemente
zur
E M
U R

PHILOSOPHIE.
iEbr, bey Hartl: Mofes Mendelssohns Ab-
* * handlung von der Unkörperlichkeit der
menfchlichen Seele. 1785, 79 S. kl. 8.
Μ. hat diese Schrift lateinjsch ausgarbei-
tet, und sie ist von einem Ungenannten in dieser
Sprache zuerst herausgegeben worden; nun hat
dieser Ungenannte die Schrift übersetzt, undirn
Deutschen herausgegeben. Rec. kommt es vor,
als wenn diese kleine Schrift ein Versuch der Ju-
gend des verehrungswürdigen Mannes seyn miiss-
te. Er selbst muss sie seiner nicht würdig geach-
tet haben, weil er keine Ausgabe davon veranstal-
tethat. Die ganze Abhandlung ist unter vier Abthei-
lungen gebracht, wovon wir kürzlich den Inhalt
gnzeigen wollen, da der Name des Vs. verdient,
dass man nichts, was damit bezeichnet ist, leicht
übergehe. — Erfte Frage : Kann die Materie in
fich felbft die Kraft zu denken haben? Der Verf.
hält die Unmöglichkeit dieser Kraft in der Materie
für erwiesen; sein Argument ist das bekannte, das
von der Vereinigung eines vielfachen Gegenstan-
des in eine Idee hergenommen wird, da die ftVIa-
terie, als zusammengesetzt, keine Einheit denken
lässt, in welche sich alles vereinigen liesse. ·—
Zweute Frage·. Wenn die Materie auch ihrer Na-
tur nach des Fenkens unsähig ist, kann ihr der All-
mächtige nicht diese Eigenschast mittheilen? Die
Cartelianer, heisst es, lehrten: wenn der Körper
des Denkens fähig seyn tollte, so miisste sich durch
Ausdehung und durch Bewegung die Natur der
Gedanken Ibegreissich machen laßen. — Diesem
Argumente kann Rec. keine Kraft beymessen;
kann man denn die Bewegung aus der Ausdehnung
begreissich machen? oder wijl man sagen, dass
letztere eine urspriingliche Kraft, eine Kraft von
erster Ordnung ist, die ihr Daseyn für sich hat,
Ynd von keiner andernEigenschaft erborgt? Dann
tragt sichs, warum man das nicht auch von der
Denkkraft gelten lallen -wollte? Die Denkkraft
könnte^ ja, so gut als beide andern, eine
erste Kraft seyn, die sowol als jene durch keine
andre erklärbar, und nur nebengeordnet wäre.
Ausdehnung und Bewegung erschöpsen, wird
man sagen, unsre ganze Idee von der Materie. —-
A> L. Z. 1785. SupplementbausL

Ja unsre Ideel Dass wir doch immer unsre noth«
dürftigen Ideen von den Phänomenen für das We-
sen der Dinge ausgeben wollen2. Werden denn
durch Bewegung und Ausdehnung die Elektrici-
tät, die Attraction begreissich gemacht? Warum
d^nn das Denken? Was begreifen wir? Phänome-
ne, und nichts als Phänomene, die wir, nicht
begreisen, sondern bloss wahrnehmen. Das Zuge-
ben einer Krast, welche dem Subjecte nicht ver-
möge seiner Natur eigen zugehört, will Recens.
auch nicht einleuchten. Wenn die Denkkraft der
Materie, vermöge ihrer Natur, nicht zugehört,
kann sie schwerlich, selbst von der Allmacht, ihr
mitgetheilt werden. Das Gespräch in dem Werke
über diese Mittheilung scheint oberssächlich, und
das Gleichniss in demselben macht die Frage nur
verworrener. — Fritte Frage: Sollte die Seele
nicht mit dem Körper vergehen? Siewachfet (wächst)
mit demselben etc. ·— Sollte nicht die Krast zu
denken ganz aus hören, wenn der Körper nicht mehr
ist ? Diese Frage, — die erste wenigstens , scheint
überssiissig, wenn die beiden ersten gehörig ent-
schieden sind. Beide gehen über die Sphäre des
Titels der Abhandlung hinaus, Hier hat der Vf.
weit ausgeholt; er vergleicht die Seele mit einem
Spiegel; zeigt, dass die Seele, wie dieser, in ih-
rem Daseyn von den Gegenständen unabhängig
ist; lucht zu beweisen, dass die Seele immer Vor-
stellungen haben muss, ob diese gleich manchmal
dunkel sind, aus dem Grunde, weil sie klare hat,
und dass das Starke und Schwache, der Natur nach,
gleich sind und nur in dem Grade sich unterfcheiden.
Weil also starke Eindrücke klare Ideen erwecken,
müssen schwache immer einige Wirkung haben. —
Allein, was hilft mir der Eindruck, wenn ich ihn
nicht wahrnehme ? Seelenschlaf und Seelentod
wären für den Menschen ziemlich gleich, Dieser
Beweis, wenn man ihn auch gelten ließe, isthier
ganz überssüssig; denn es ist hier die Frage von
klaren Vorstellungen, Nun geht der Vf, an die Be-
trachtung des unmittelbaren Werkzeuges der See-
le , vermuthet solches in dem Nervensaft; und
Rec. gefleht, dass er nicht absehen kann, was der
Verf. damit will· Endlich kommt er auf das, was
einzig und allein in Betrachtung kommen tollte,
„Die Seele, sagt er, muss vernichtet werden;
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