Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Jahre 1785


Numero

GOTTESGELAHRTHEIT.
Basel, bey Thurneisen : Kritifches Uerzeichniß
der beflen Schristen, welche in verfchiedenen Spra-
chen zum Beweife und zur Kertheidigung der Reli-
gion her ausgekommen von Doctor ssofeph Anton Weif-
fenbach, Chorherrn zu Zurzach. Mit Genehmhal-
tung der Obern. 275 S. 8. (20 gr.)
Das ganze Buch scheint aus Colleftaneen ent-
standen zu seyn . die sich der Vf. gelegentlich ge-
macht hätte. Es ist so wenig nach einem bestimmten
Plane gearbeitet, dass er lieh noch gegen das En-
de aut’ einmal wieder besinnt , es möchte doch
wohl belfer seyn, noch mehr Schriftsteller zu ken-
nen, da er erst nur die belferen nennen wollte,
„damit sich niemand beleidigt fände, wenn er et-
„wa seine Schooßautoren nicht anträfe.“ Im Grun-
de ist aber auch die erste Auswahl gar wenig kri-
tisch, und das Ganze ein sehr entbehrlicher , und
für jeden, der sonst keine Bekanntschaft mit den
Schriftstellern hat , unbrauchbarer Beytrag, zur
theologischen Literargeschichte. Denn schon die
Ordnung, worin die Schriftsteller aufgeführt lind,
ist unbequem. Der erfte Theil enthält die Schrif-
ten der Eranzosen, der zweyte die Werke der
Engländer, der dritte die Deutschen und Niederlän-
der, der vierte die Wälschen. Von S. 207 fängt
wieder eine neue Liste in gleicher Ordnung an;
nur dass die Urtheile weggelaifen sind. — Die
Wahl ist eben so unschicklich. Man vermisst wich-
tige Schriften, und findet wieder die unbedeutend-
sten. Unter den vorzüglichsten werden Döder-
leins Fragmente und Antifragmente mit keinem
Worterwehnt, aber desto umständlicher dasSchau-
spiel: der Freygeift von Brawe, empfohlen. — Die
Urtheile sind im höchsten Grade oberflächlich, par-
teyilchund nicht treffend. Glimpssich genug ist der
V ert. gegen Schriststeller unsrer Kirche, aber das
lieht man doch überall, dafs die Orthodoxie der
Schriftsteller immer das Hauptmoment bey ihrer
Würdigung gewesenist. Kein Wunder denn, dass
ihm einige unsrer vortressichsten Apologeten mils-
fallen, dass er bey der Anze ge der Jerusalemschen
Betrachtungen schreiben kann: Herr Abt, ich bin
ihnen hinter ihre Absichten gekommen. Sie wollen
4. L, Z. 1785. Supplemente wL


mir meinen Erlöfer, und aller dar rauben, Was die
Religion großes und tröftliches hat. (wie unver-
schämt!) Sie find ein Feind der Gottheit fsesu u. s.
w. Wir brauchen zur dieser Probe keine weitren
hinzuzusetzen, um den Geist des Verf. zu charak-
terisiren.
Halle, bey Gebauer: Predigt bey der Ein«
weihung der neuerbauten Orgel in der St. Moritz -
Kirche zu Halle von C. F. Senf. Nebft einer kur-
zen Nachricht von der Erbauung diefer Orgel. 58 S. 8-
Halle, bey Curts Witwe: Abriße der Kormit-
tagspredigten an den Sonn -und Fefttagen im Kirchen-
jahr 1784 gehalten in der St. Moritz-Kirche in Hal-
le von C. F. Sens, des Stadtminister. Inspeä. und
Pastor zu St. Moritz. 8.
Die erste Predigt ist ganz Cäsualrede und
muss natürlich die Gemeine des Verf. am nächssen
interelsiren. Wie schwer solcheReden, zumal bey
solchen VeranlasTungen, zu halten sind, fühlt ein
jeder Geistlicher, der etwas mehr als ein erbauli-
ches Geschwätz geben mochte. Fragen liesse es
sich auch wohl überall, ob es gut sey eine ganze
Orgelpredigt zu halten, wodurch doch eingewilfes
ohnehin dem grossen Haufen so eignes Hängen
an den äusseren des Gottesdienst immer etwas
ernährt wird. Sollte es aber einmal soseyn, so
wird man die Idee nicht unglücklich finden, die
Orgel, als eine „Nachahmung der Freuden, die
„uns Gottes Schöpfung gewährt“ zu betrachten,
„theils nach ihrer Mannichfaltigkeit, theils nach,
„ihrer Uebereinstimmung, theils nach ihrer heili-
„gen Absicht.“ Noch belfer wäre es aber, viel-
leicht solcher Gegenstände mehr gelegentlich zu
erwähnen , weil sie allerdings zur Ordnung
des Gottesdiensts von Wichtigkeit seyn können.
Die Abrijse der Predigten eben dieses Verfas-
sers zeigen emen sseissigen, seine Materien wohl-
durchdenkenden , und überall den praktischen Irr-
thümern krästig entgegenarbeitenden Mann. Ob
er wohl an die Pericopen gebunden ift, od r sich
selbst daran bindet, ( denn dies können wir nicht
entseheiden,) so fieht man doch selbst aus man-
Ee dien
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