Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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Supplemente

Numero 14»

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785.

GOTTES GELAHRTHEIT.
h%reslau , bey Korn: Predigten aus die vor-
nehmßen Feßtage der Herrn, und der heilig-
sten Jungsrau und Mutter Gottes Maria, gehalten
und'herausgegeben von P. Capuciner,
der hohen Dom - Stistskirche zu Breslau ordentli-
chen Prediger. 1785. 485. S. in 8- (20 gr.)
Herr P. Jonathas hat Anlagen zu einem sehr
guten Prediger. Seine Sprache ist rein und edel,
bisweilen auch rührend , und wir zweifeln nicht,
dass er unter seine Glaub ensgenolsen Nutzen stif-
ten werde. Aber sehr oft ist unter schönen Wor-
ten und rednerischen Figuren die elendeste Scho-
lastik verslecht, die doch nunmehr auch von auf-
geklärten Katholiken aus dem Volksunterricht
verbannet wird, wenn sie auch die eigenthiimli-
chen Lehren ihrer Kirche unverändert beybehal-
ten. Mit Erklärung biblischer Stellen wird es am
allerwenigsten genau genommen. Einige Stellen
mögen unser Urtheil rechtfertigen. In der ersten
Predigt auf dasheilige Weihnachtsfest, wird (S.
6 u. s.) die Grösse der Allmacht Gottes, indem
Ile einen Gottmenschen bildete, aus den Worten
Luc. 2. bewiesen : Er hat mit feinem Arme Macht
ausgeiibet. Die Erschaftung der Welt war nur ein
Werk der Finger Gottes: aber die Bildung des
Gottmenschen war ein Werk seines ganzen Armes.
„Der majeßätische Gott (heifst es S. 11), welcher
durch die Sünde befchimpst worden > wollte seine Eh-
re wieder hergeßdlt wißen. “ Wie dieses durch
Christum geschehen sey, wird ausführlich gezeigt.
Bey der eilsten Predigt, aus das Feß der unbefleck-
ten Empfangniß Mariä, ( S. 270 ssg.) wird die Stel-
le aus Spriichw. 8 zum Grunde gelegt: Der Herr
hat mich in dem Ansänge seiner Wege im Befitze ge-
habt, und es wird gleich im Anfänge bemerkt,
diese Worte, welche fall von allen heiligen Vä-
tern auf Jesum Christum gedeutet worden wären ,
wende die Kirche an dem heutigen Tage auf die
allerheiligste, und ohne Sünde empfangene Jung-
frau Maria an. Unglaublich ist es, mit welchen
sophistischen Wendungen der Hr. P. zu beweisen
sucht, daß Maria nicht einen Augenblick lang der
Erbfiinde unterworsen gewesen. Mit eben den Grün-
A. L. Z. 1785· Supplementband.

den, deren er sich zum Beweis dieses' Satzes be-
dient hatte,· hätte er in der sechszehnten Predigt
aus das Feß der Himmelsarth Mariä beweisen kön-
nen, dass die heil. Jungfrau nicht gestorben sey.
Weil aber die Kirche dieser Meinung niemals bey-
gepssichtet hat, so will er sie auch nicht verthei-
digen. Doch glaubt er, der Leib der Jungfrau
Maria sey nicht verweset ; denn (S. 413·) wenn
der Tempel des heil. Geifles durch die Herwesung
wäre gefchändet worden: fo würde der Schimpf aus
die drey anbetenswürdige Perfonen der allerheilig-
flen Dreieinigkeit felbß zurückgesallen feyn. Artig
beweiset der Hr. P. < S. 419.), dass der Maria bey
ihrer Ankunst im Himmel die nächste Stelle bey
dem Throne ihres Sohnes eingeräumet worden
sey , (aus 1 B. K. 2) und dass sie jetzt unsere
Vorsprecherin seyn könne. „Maria konnte (S. 423)
„durch ihr Vorwort bey der Hochzeit zu Cana ih-
„ren Sohn, da er noch ein Mann der Armuth und
„Schmerzen war , zur Verrichtung eines seiner er-
„sten Wunder bewegen; und jetzt soll sie ihn, da
„er mit Macht und Herrlichkeit umgeben ist, zum
„Vortheil der Menschen nicht zu rühren und zu
„erbitten im Stande seyn? 0! was sür eine un-
glückliche Mutter würde nicht diesfalls diese
„Jungfrau seyn?“ Und so geht es noch etliche
Seiten fort. — Es ist Schade, dass Hr. P. Jona-
thas seine schönen Talente nicht belser anwendet.
Frankfurt am Mayn, bey den Eichenber-
gischen Erben : Pauls des Apoflels Bries an die
Chrißen zu Rom nach einer neuen Uebersetzung mit
Anmerkungen. 1785. 130 S. 4.
Den übrigen Raum des Titelblatts nimmt eine
weiter nicht sonderlich gestochene Vignette ein,
wozu wohl der Hr. Verf. eine eben so besondere
Veranlagung gehabt haben muss , als er zu der 13 teil
Anmerkung, worinnen der erdichtete Unterschied
zwischen und ohne Noch angege¬
ben v/ird, gehabt zu haben versichert. Sie stellt
den hintern Chor einer Kirche vor. Im Vorder-
grund , noch vor den Stufen, die zum Altar hin-
auf führen , stehen zwey Personen in priesterlichem
Gewand, die lieh einander die Hand geben und
nur in Ansehung ihrer verlchiedenen Gelichtszii-
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