Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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swplementf

ge einigen Fleiss des KünstlefS verrathen. Mit
der linken Hand zeigt die zur rechten Seite sse-
hende Person mit aufgehobenem Finger vermuth-
lich auf das im Hintergründe Achtbare Crucifix.
Und eben darauf scheint auch eine hinter dem· Al-
ter flehende Figur, welche ohne Zweifel den··Apo-
stel Paulus vorflellen soll, mit in die Höhe gerich-
tetem rechtem Arm hinaufzuweisen. Die neue
üebersetzungist im Grunde weiter nichts, als eine
nach philologischen und in den Anmerkungen an-
gegebenen Gründen in einer männlichen kraftvol-
len Sprache umgearbeitete und verbesserte Ueber-
setzung Luthers, die aber, zumal da dhr Verfaß',,
keine Einleitung vorausgeschickt hat, die den Le-
ier. in den Stand setzen könnte, den Plan desErie^
fes und die Gedankenreihe des Apostels mit einem
'Blick zu iibersehen, eben so unverfländlich , als
die Lutherische, und so gar wegen einer oft vor-
kommenden Wendung etwas unnatürlich hier und
da ausgefallen ist. Z. B. Cap. 1,8: a S-ελω οε ύρ,ας
dyvoetv, οτι ,·— wiff'en müßt ihr er mm doch, daß—
warum nicht lieber: ich muß euch nämlich fugen,
daß — v. 16: doray./; yx^ -ftsa εςιν — ϊβ er ja
doch dar kräftigße göttliche Mittel. Cap. VI, 14»:
yxq υ.ιζων « κυ^ευσ« — wird ja doch die
Sünde nicht über euch herrfchen. Cap. VIII, 19:
ή yxg ατΓοχ&ξχβοκια της χτίσε ως — wartet ja
doch — Cap. XIII , 14: -S-sa yx% §ιχχ,σνος εςι —
?y? ße ja doch. — Zuweilen slehen auch in der
Üebersetzung, Ausdrücke, die mit belsern und in
den Anmerkungen wirklich gebrauchten , hätten
vertauscht werden können; als Cap. I, ift, 25 :
wenn xßxix und βευ8θς Lüge übersetzt wird;
warum nicht Götzendieiiß , Abgötterei) ? Cap.
ίο: τις χχτχβησετον) εις την Άβυσσον, wer will
in die Grz/jshhinabsteigen? Da, wo der Verfaß',
von Luthers Üebersetzung merklich abweichen
inusste , And die Ursachen in den Anmerkungen
unter dem Text (die nicht nach den am Rande def-
selben ssehenden \ ersen und Kapiteln, sondern in
fortlausenden Nurnern, welche im Text mit ganz
kleinen Zahlen bey jeder zu erklärenden Steife
bemerkt worden And, und lieh auf 616 belaufen)
angegeben worden. Und eben diele Anmerkun-
gen And bey weitem das schätzbarste am - ganzen
Buche. Sie lind (nur sehr wenige Stellen ausge-
nommen, wo der Hs. Verf. auf das System Rück-
Acht nimmt, und z. B. Anmerk. 190u.204 von der
Zurechnung der Sünde Adams redet, oder Anm.
321 die Stellvertretung des Versöhnungs -Todes
vertheidigt , und den Stand der Erniedrigung
Christi , aus welchen die Worte: ',,Afe7z Vater iß
„größer, alr ich“ gezogen werden, in der Anm.
336 S. 79..s. mit seiner höheren göttlichen Natur
zu. vereinbaren sucht) ganz philologisch und nicht
altein sür den jungen Theologen, der die hebrai-
zirende Schreibart des Apostels, und so gar auch
vielleicht* hier und da elliptische Construftionen
erläutert haben will , sondern auch sür-den gelehr-
teren Leier wegen der mühfamen und sorgsältigen

Sammlung alter und neuer Erklärungen einzelner
Stellen brauchbar. Der Hr. Verf. hat über 100
Schriftsteller gebraucht und gelegenheitiich mehr-
mals angeführt, welche entweder den ganzen Brief
schon-bearbeitet, oder in kleinern Schriften, zu-
weilen auch nur beyläufig, einzelne· Stellen datsr
aus erklärt haben. Der jüngere Theolog wird da-
her aus diesen Anmerkungen auf einmal stch die
besten Hülfsmittel zur Erklärung dieses Briefs be-
kannt machen können. Unter, den neuern Ausle-
gern dieses Briefes, oder einzelner Stellen in dem-·
selben scheinen doch Sadolet , Richter , Morus,
Fischer, Gruner, Blasche r, Vorfl, Elsner und Ro-
senmüller, wie auch manche andere Schriften der
vom Hrn. Verf. genannten Männer, ihm?nicht zur
Hand gewesen zu seyn. Allen diefen so vielen
und so verschiedenen Auslegern, unter welchen
C. F. Schmidt, Nöejfelt, Koppe, Grierbach, Mß-
ehaelir, Erneßi-, Döderlein, Düthe, Heß, Cleßf
Leß, Moldenhawer, ßerufalem, Zachariä, Semler ·,
Tittmann, Teller am öfterflen vorkommen, ift
nun der gelehrte'Verf, nicht etwa nur blindlings
gefolgt; sondern Er hat ihre Meinungen geprüft,
und diese entweder kurz, deutlich und gründlich
vorgetragen; oder seine Meinung mit grosser Be*
scheidenheit denselben entgegengesetzt. Bey ei-
nem so sseissigen und belesenen'Ausleger ist dem
Rec. der Wunsch eingefallen, dass doch der Hr.
Ver£ überall die ersten Erfinder von jeder Erklär-
rung angegeben haben möchte. Freylich kömmt-
es bey der Auslegung nicht auf Au&oritäten an»·
Aber es ist doch immer angenehm , zu wißen·:,,
wer zuerst auf diese oder jene Erklärung verfal-
len, — wer sie-, wenn sie eine Zeitlan gdurch das-
Anseheri anderer gleichsam verdrängt worden ist,
durch neue Gründe und Ä’ortrag wieder empor--
gebrücht und geltend gemacht hat. Darauf ging;
aber die Abfleht des Hn. λ erf. nicht. Hier- und'
da scheintWr Ach sogar selbst eine fremde Erklä-
rung durch hinzugesetzte Gründe eigen · gemacht
zu haben.· Z. B. Cap. VII, 7.. vergl. Ernesti Neue*~
ste Bibi. 3 B. 1 St. S. 29. So sehr aber auch Rec;.
die Gelehrsamkeit und den Fleiss des Hn. Verf»
schätzt: so dünkt ihm doch,, dass derselbe nicht?
immer mit unpartheyischem Forichungs - und Prü-
flings- Geist gewählt und geurtheik habe. So
wird noch-Cap. I-, 3 aus dem Gegensatz χχτχ.
σχξχχ· und χχτα- πνενμ,χ auf die Bedeutung der
menschlichen und göttlichen Natur Christi geschlos-■
seil', ohne daran zu denken, dass zu diesen Qe-
genfätzen auch noch die Worte εκ σπεξρχτος und
ζ 'ζ αν«7«σ·εως gehören, welche, nach dem Sprach*-
gebrauch des Apoftels und nach der ihm eigenen
Art zu sehltessen, auf eine ganz andere Erklärung .
sühren müßen. Ferner übersetzt der Hr. Verfasser
Cap.· 1, 30: -steös'uyet; , Gott verhaßte , passive
nachdem Hefych, weil er die active Bedeutung
Hafer Gotter , die der· Zusammenhang offenbar
verlangt, der Auctorität des Suidas und Theo-
doret ungeachtet-,.noch für unbewiefeu hält;, und
gleich-
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