Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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trt Supplemente

Cajsels grossern lind kleinern Urkundensammlun-
gen sehr bereichert werden können.— VI· Nieder-
lage zu London, Stapelgefellfchast in England —
Englische Quellen, ausser Rymers Foedera und
dem Anderfon hat der Verf. nicht gebraucht, wel-
ches wir bedauern, da Anderson oft weder zu-
verlässig, noch vollständig ist. Doch diesem Man-
gel wird Sprengeis Geschichte von Grossbrittanien
wohl abhelfen ! — VII. Handel der Hanfa in
Flandern. Niederlage zu Brügge und Handel mit
Südeuropa. — Es ist bloss der Hauptsatz: dass
Brügge der allgemeinste Markt für Europa war —
erwiesen; aber Zusätze und nähere Bestimmungen
geben Dreyer c. 1. und die Quellen der N. L. Ge-
schichte noch in grosser Menge. — VIII. Han-
del und Stapelßädte am Rhein, IHaarenverzeichnis-
se — Im ganzen gut; aber Lüttich, nebst andern
Plätzen an und bey der Maas, fehlen. Köln,
Mainz, Speyer, Frankfurt waren die wichtigsten—
Vom Rheinifeben Bunde handelt N. IX wenigstens hin-
reichend. Er war eine Nachahmung des Lombar-
dischen Bundes ( oder belser , man verglich ihn mit
jenem berühmten Bunde) und hauptsächlich gegen
Beeinträchtigungen der Sicherheit und des Gewer-
bes gerichtet. Von ihm leitet der Vers. den Na-
men des Wormsischen Bundzolles ab. Die S. 79
slehende Bemerkung: dass damals die Verleihung
des Zollrechts noch kein kaiserl. Reservat gewe-
sen , — unterschreiben wir von ganzem Herzen,
und wünschten dabey der Lehre von den Kaiserl.
Reservaten bessre Untersuchungen, als noch bis
jetzt angestellt find. — Mehrere Süddeutsche Ge-
genden hat der VerfaiTer hier übergangen. In
N. X wendet er Sich wieder nordwärts und han-
delt vom Gewerbe der Marken Brandenburg,
Obersachlens etc. sehr belehrend. Die Nachrich-
ten von Halle und Leipzig sind kurz und verra-
then, wie mehrere unten, den jetzigen Wohnort
des Vers. Ueber Thüringen geht er zu schnell
hinweg. Die N. XI enthält Angaben von Vermeh-
rung der städtischen Macht, von den Mishellig-
keiten der Bürger mit dem Adel und von den
x Aus - und Psal - Bürgern. Hiemit muss man N.
XIII gleich verbinden. Beide Abschnitte wären
übrigens einer noch grossern Ausführung wohl
würdig gewefen. In Note a. Seite 93 meint der'
Verf., die älteße Nachricht von der Accife im Jahr
1315 gefunden zu haben. Schon Du Fresne und
Adelung in glolsar. hätten ihn belehren können
dass sie viel älter sey. Sie kömmt sonst Schon im
I2ten Jahrhundert vor und ist aus Frankreich zu
uns gebracht worden. — Wenn er ferner Seite 96
behauptet, dass das Bürgerrecht jeden Leibeignen
frey gemacht habe, So hat er wohl weder an die
alten Freylasiungen , noch an die Praxis bis zu
unsern Zeiten herunter, gedacht. Die N. XII handelt
von Veränderung des bürgerl. Erbrechts, vom Stras-
senrecht , (aber nicht vom Geldhandel). Der Vers.
rechnet dahin vollständige eheliche Giitergemein-
ichaft» Vexäufeerlichkeit der Erbgüter . Abschaf-

fung der weiblichen Vorrechte des Wltthumö, der
Morgengabe und des Brautschatzes, und glaubt»,
dass man nach den Wanderungen der Gütergemein-
schaft die allmälige Ausbreitung des deutschen,
Handels bestimmen könne. Sehr beyfallswürdig
ist in N. XIII die Anmerk, des Verf. (S. 104. io5\
dass gerade durch die Innungen der deutsche Han-
del und die Polizey So sehr empor gebracht worden,
und der jetzige Hass gegen sie aus der Geschichte
nicht gerechtfertiget werden könne. — Die Berg-
werksgeschichte in Ni XIV C nach Gmelin etc.) ist
doch nicht vollständig: denn es fehlen besonderg
die iiberrheinischen Nachrichten.
So ungefähr ist nun auch der Plan der fol-
genden Jahrhunderte eingerichtet. Eine umstäncL
liehe Geschichte der Hansa überhaupt, ihrer in-
nern Einrichtungen und ihrer Ä^eränderungen v
macht jedesmal den Anfang. Hierauf folgen so-
denn, meistens in chronologischer Ordnung und
ohne weitern innere Zusammenhang, Nachrich-
ten, wie Sie der S’erfasser vorfand: von den vier
grossen hanseatischen Comtoiren zu Nowgorod,
Bergen, London und Brügge und daneben von
den Ländern, deren Handel mit jenen Niederla-
gen zusammen hing. Von da geschieht der Ue-
bergang zur Geschichte des Süd-und West-deut-
schen Handels und dessen Verbindung mit dem
Südeuropäischen. Hieran schliessen sich Angaben
von rechtlichen Verhältnissen, von Handels-und
Handwerks - Polizey, von Erfindungen, vom Berg-
werks - und Münzwesen und vom Geldhandel. Das
meiste ist aus guten Quellen genommen; und das
Ganze, so miihsam auch vielen das Lesen dieses
Buchs fallen muss, giebt endlich einen lehrreichen
Unterricht von der bisher nicht genug bekannten
Grösse des deutschen Handels und von feinen
Schicksalen. Die Abschnitte laufen übrigens sast
bisLXL —
Im ijten Jahrhundert befanden sich nach n,
XV zwischen 64 und 108 Bundesstädte in der
Hansa (zu verschiedenen Zeiten). Es waren ent-
weder volle Bundesgenossen, oder zugewandte Städ-
te, oder blofs durch Commercientradate verbunde-
ne. S. 118 etc. hat derVersaiTer sie alle verzeich-
net. „Die Hansawar jetzt“, tagt der Verf. „eine
„Gilde , welche zwar andre von dem Gewerbe,
i5das sie trieb, ausschloss, unter sich aber keine
„gemeine Taxe hielt, wornach die Contrade ge-
knackt werden mussten.“ — Dass die Hansa dem
einheimischen Handel in den fremden Ländern
keinen Nachtheil gebracht habe, wird der \ erfaß',
nicht beweisen können. Eine genauere Beschrer-
bung, wie man auf den vier groisen Niederlagen
den Handel trieb, wäre hier am rechten Orte ge-
wesen. - Der levantische Waarenzug über Russ-
land dauerte noch fort; Preussen etc. nahm sich
sehr auf ;. und der Hochmeister wurde Protedor
der Hansa. Die preussischen Kausseute zu Lyon
( S. 147.) werden ersahrnen Geschjchtskennere auf-
fallen L
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