Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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ZUR A. L.
Knaben erzeuget werden· Es läuft alles auf die
alte unlängst wieder ausgewärmte Meinung hinaus,
dass von Harken Menschen am häufigsten männli-
che, von schwächlichen dagegen weibliche erzeu-
get werden.
PHILOSOPHIE.
Hildburghausen, bey Hanisch: Moralische
Grundsätze, aus dem französischen des H. Abts
von Mably übersetzt. 8· S. 240.
Man"findet in Mablffs Schriften, bey allen
seinen seichten Declamationen und Gemeinplätzen,
doch immer vortressiche moralische und politische
Ressexionen, die eine genaue Kentniss des m-ensch-
liehen Herzens und viele Bekanntschaft mit der al-
ten Geschichte verrathen. Wir zeichnen folgendes
aus: S. 84· „Wie viel Nachtheil es für die Moral
gehabt, dass man die Frömmigkeit, das ist, die
religiösen Gebräuche, (welche man freyli'ch nicht
Frömmigkeit nennen solite;) an die Spitze aller
Tugenden gesetzt hat. „Daher jene Aussöhnun-
gen, jene Opser, jene Einweihungen, welche die
Moral verderbt haben. Es war zu leicht sich un-
schuldig zu machen, als dass man befürchten süll-
te, strafbar zu seyn. “ S. 97. Dass eine Tugend
den Beystand aller übrigen Tugenden bedarf, wird
an der Oekonomie sehr gut gezeigt. S.. ίοσ. ff.
wird nach unterem Bedünken mit Recht behau-
ptet, dass Klugheit (prudentia, nach Cicero's Be-
griff,) die erfte aller Tugenden ist Laber dass sie
von allen Tugenden diejenige sey, welche am we-
nigsten Anstrengung und --Aufopserung kostet„
möchte Rec. so allgemein nicht sagen. Opfert der
auf die Befriedigung seiner Begierde erpichte Wol-
liistling nicht schon vieles auf, wenn er still steht
und über seine Handlung und die Folgen derselben
nachdenkt? ■— Nach S. 143. sagte eiidd. Fsntenelle:
„mein Körper beugt sich ehrerbietig, wenn ich ei-
nem grossen Herrn aufwarte, aber meine Seele
bückt sich nicht;“ Worte, die eines Weisen, der
die Gleichheit der Menschen und die gesellschaftli-
che Subordination kennt, würdig lind. S. 158.
wird mit Helvetius behauptet, dass die Kinder bey
ihrer Geburt einander alle gleich sind. Es ist un-
begreissich, wie- jemals so· etwas, das mrt Er-
fahrung und Vernunft streitet, hat behauptet wer-
den können; aber so bald es aus etwas tiefe Un-
tersuchung der menschlichen Natur ankömmt,· so
ist der guteAbbü, so wie überhaupt seine Lands-
leute, nicht zu Hause. ■— S. 191. wird die vor-
übergehende Besriedigung der Fleischeslust mit
gemeinen Weibsperionen, viel zu sehr entschuldi-
get, zwar nur vergleichungsweise' mit der un-
gleich - schädlichern Empfindeley» doch auf eine
dem ernsten Moralisten unanständige Art» wenn
gleich der Verfasser hierin den altern Cato für lieh
hat. — Uebrigens scheint die Uebersetzung, so
viel Rec. ohne Vergleichung mit dem Original hat
urtheilen. können, gut gerathen zu. seyn. Wen»

Z. T 7 § 5-.
aber der Herr Ueberfetzer irgendwo sagfo „man
muss nicht zu viel fordern, um die Gemüther
nicht uüld zu machen; ‘‘ so hat er das effaroucher
les efprits, welches vermuthlich im Texte steht»
nicht richtig übersetzt: es heisst fcheu machen.
Endlich, wann werden unsere Uebersetzer einmal
aufhören, Abbe durch Abbtzu übersetzen? Mably
wTar so wenig ein Hbbt, als ^erusalem ein Abbe
ist.
PHYSIK
Königsberg und Leipzig, bey Hartung:
Grundrifs der Experimental Chemie zum Gebrauch
bey dem Vortrage derselben, von K. G. Hagen,
der Arzneygelarth: D. und Pr. u. s. w. Mit 4 Ta-
feln. 1786. XVI. und 389 S. ohne das Register. gr.
8. (1 Rthlr. 8 gr.)
Bey einem achtjährigen Vortrage der theore-
tischen und Experimental Chemie, fand Hr. Hagen,
wie er in feinem Vorbericht sagt, aus der nicht
geringen Anzahl vortreflicher Compendien z. B.
des IKeigelfchen, Gmelinfchen, Er-xlebenschen und
Succoufchen, leicht eins, das er bey den Vorlesun-
gen über die theoretische Chemie zum Grunde le-
gen konnte, nur bey der letzteren verhielt es sich
anders; indem jene bey der eingeschränkten halb-
jährigen Zeit, da iiberdem wöchentlich nur höch-
stens 5 Stunden dazu gewidmet werden können, mit
Nutzen und Bequemlichkeit nicht zu gebrauchen
waren, und die dazu bestimmten, als Beaume Ma-
nuel de Chemie und Scheffers Kor leiungen dem Zwe-
cke nicht entsprachen. Der Zustand der Chemie
hat sich freylich seit der Zeit, da Scheffer lebte
und schrieb, sehr geändert, wie dieses Bergmann »
der ihn. wegen seiner Genauigkeit und Unfehlbarkeit
im operiren unter die ersten Experimental Chemisten
setzte, durch die zu den Schefferischen Vorlesurt-
gen gemachten Anmerkungen, deutlich gezeigt
hat. Hr. Hagen entschloss sich also selbst eins aus-
zuarbeiten; dabey wählte er nun statt der gewöhn-
lichen systematischen Methode einen Plan, bey den*
das wenigste vorausgesetzt wird, und die folgen-
den Verbuche, so viel möglich , in den. vorherge-
henden ihre Erläuterung finden,, ohne dabey aus
die Folgen der Operationen, noch auf die Einthei-
lung der Körper nach den 3 Naturreichen,, noch
auf die gemeinschaftlichen Eigenschaften derselben.
zu sehen, und dem Zuhörer durch vorausgegan-
gene Verssuche » das theoretische desto heller dar-
zustellem Der anseheinenden Unordnung, diebey
dieflem Plan entlieht, wenn z. B Luftarten und.
-Säuren von einander getrennt sind, und die Unter«
suchungen eben desseloen. Körpers·, als des Weilt-
geistes» der Salzsäure, der Harze, des Kamphers,,
sich an verschiedenen Orten finden , hat Hr, H rgen
durch, ein systerrratisches Ve zeichn ss abzuhelsea
gebucht. Bey d r Wahl-der Verssuch?» die tasslich
belehr i eben·, und nicht iibertr eben ge .amt find»
ist hauptiächheh auf sokhe- flehen, worden, die
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