Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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ZUR A. t
Commstffaren über die Alten nicht zu fürchten
schien, einen Verleger dazu finden; und auch nach
seinem Tode ist die Bemühung seiner Erben bis
itzt deswegen ohne Wirkung gewesen. Die Ursache
mag aber wohl theils in dem schlechten Gehalte der
Reden selbst, theils in dem gar zu starken Commen-
tar liegen, als zu dellen Abdruck ein ziemlicher
Aufwand erfordert wird, und hingegen wenig Hoff-
nung zu einem entsehädigenden Absatz vorhanden
ist. Hr. Hoff. Harles, der von gegenwärtiger De-
clamation, welche die yte in der Ordnung ist, ver-
muthete, dass sie vieles von Kayser Julian enthiel-
te, wollte sie seiner Ausgabe von des Julians Caesa-
ribus beysügen. Sie wurde ihm auch nebst Com-
mentar abschriftlich durch dem dienstfertige-n Hrn.
Archidiaconus Lengnich zugeschickt. Allein die
Verschiedenheit des Inhalts sowohl (und gewiss
kommt hier sehr wenig von Julian vor, und auch
das Wenige ist unbedeutend und schon bekannt)
als die Grösse des Commentars änderte seinen Ent-
fchluss, daher er sie dann besonders edirte. Was
ist denn nun der Inhalt dieser Rede? Conßantinopel,
das- zweyte Athen, iß zu loben .· I) weil hier Julian
geboren und erzogen worden, der besser und vollkom-
mener iß, als der Athenienßsche Cecrops, der nur ein
unvollkommener Mensch war'. 2) weil diese Stadt grös-
ser und herrlicher ift, als die Infel Helus, -die doch
von so vielen Dichtern besangen worden: 3) weil der
berühmte Bofporus ihr Nachbar iß: f) weil se präch-
tig wegen ihrer Gebäude, Bäder, Theater, und der
von sfulian ausgesührten Tempel iß, und berühmt
wegen der Thaten ihres Kaysers, von dem fie, wie
ehedem Babylon von seinen Mauern, befchützt wird:
5) weilsie voll von gelehrten Männern iß , wie ehedem
das Schiss Argo von größten Helden: 6) weil endlich
ihr Commendant ein menschensreundlicher Mann iß,
und vieles zur KerschÖnerung und Bequemlichkeit der
Stadt beyträgt. Doch ich mufs fchhefsen, (ist der
Epilogus) weil ich zum Kayser eile. So wenig Rei-
tzendes und Scharssymiges die Erfindung hat, so
wenig ächte Beredsamkeit verräth die Ausführung
und Elocution. Zum Theil übel angebrachte Wör-
ter und Redensarten aus dem Homer oder Hesiod,
häufige Anspielungen auf die Mythologie und der-
gleichen Sächelchen scheinen die ganze Eleganz des
Sophisten auszumachen. Ob nun gleich diese De-
clamationen, insofern man aus dieier Probe auf
die übrigen einen siebern Schluss machen kann, von
Seiten der Beredsamkeit gar nichts Empfehlendes
haben : so wagt doch Rec. nicht, ihnen in Rücksicht
auf histcrische Data und rtfythologie allen Nutzen
abzusprechen: zumahl da Wernsdorf indem Com-
mentar sorgf ltig das Historische mit vielen Beweis
sen und das Philologische mit Stellen gleichzeitiger
Scribemen erläutert hat. Aber freylich, da alles,
was nur einige Beziehung auf irgend ein Wort oder
Sache hat, in denselben zusammengetragen ist ; so
ist er zu einer gar zu grolsen Weitläuftigkeit ange-
wachien. So enthält in dieser kleinen Rede, die
mit der lat, Ueberletzjing und den unten beygefüg-

ten Variandten nicht mehr als 2^ Seiten Wollt, der
Commentar, mit ziemlich kleiner Schrift, 125 S.
Am stärksten sind folgende Artikel gerathen; zsser
den Gebrauch- der Tackeln bey den Alten, warum
Athen die Metropolis von Athen genannt wird, von
Cecrops, u. d. gl. Ueberhaupt kommt es Recens.
vor, dass der Verfasser keinen gewiffen und be-
stimmten Plan bey seinem Commentar vor Augen
gehabt habe. Denn für Anfänger, für die aber
freylich ein solcher unberedter und geschmackloser
Declamator nicht seyn kann, ist noch manches in
Ansehung der Wortfügung und des Zusammen-
hangs unerklärt geblieben: hingegen für Gelehrte
ist vieles zu bekannte und triviale weitsehweisig
abgehandelt worden : Um nur ein einziges Beyspiel
anzuführen, wird S. 41 über die Worte ως ράςα,ς
umständlich mit vielen Belegen erwiesen, dass ως
auch statt ττξος gebraucht werde: und gleichwohl
kann in dieser Stelle, wie der Verfasser endlich
selbst gesteht, kein Gebrauch davon gemacht wer-
den , sondern es muss nach seinem Vcrschlage τές
ρΑςα,ς gelesen werden.
OEKONOMIE,
Regensburg, in der Montäglichen Buchhanss
lung: Praktische Persajfuug einiger Forft- Tabellen,
worinnen ein jeder Eorstmann in Kürze zu ersehen
hat, was zum allgemeinen Nutzen des Forstwesens
nothwendig, und unumgänglich zu beobachten ist:
nebft einer kurzgesafsten Tabelle von dem grofsen und
kleinen IKeidiverke, anzeigend, was auch ein hirsch- .
gerechter Eorstmann zu beobachten hat, verfertiget
von Maximilian ffoseph Anton von Silbermann, von
Holzheim zu Strass, Burkheim, Oggermühl. Forst-
und Hirschgerecht. 1785« 72’S.· 8* und 6 Bogen Ta-
bellen. (10 gr.)
Die Forstmänner werden hier gelehret den geo-
metrischen Inhalt ihres Revieres mit Schritten aus-
zumessen, und dann über die Grösse, den Bestand
und den Ertrag der Forste Tabellen zu entwerfen,
wozu die vier ersten Tabellen Anleitung und Muster
seyn soilen. Die 5te und 6te enthalten sodann über
das Forstwesen, die 7te und gte über das hohe
und niedere Weidwerk, allerley kurze Denksprüche
und Aphorismen, die in der Schrift felbft theils
weiter ausgeführt, theils blos wörtlich wiederholt
werden. Der Hr. Verfasser zeigt vielen Eiser für
eine sorgfältige und aufgeklärte Forstwissenschaft;
dies ist aber auch alles, was sein Schrift empsehlen
kann, die ausserdem durch einen verwirrten un-
deutlichen Vortrag bekannter und leichter Sachen,
durch eine höchstunrichtige, mit Provinzialismen
und Kunstwörtern im bairischen Dialekt bis zurUn-
verständlichkeit angefüllte Sprache , ausserhalb
Baiern ganz unbrauchbar, und selbst dort durch
weit belsere Schristen dieser Art ( z. B. Kenntmjfe
und Erläuterungen des Forfi - und Eßagdwefens in
Bayern, München, 178Q.) übertrotien und entbehr-
lich gemacht ist,
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Ber-
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