Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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138 SUPPLEMENTE

Dies Fieber grassirte in 12 Dörfern, deren me-
dicinische Besorgung dem Verf. vom Collegio me-
dico zu CaJJel aufgetragen war , und die Beschrei-
bung, die er davon in gedrängter Kürze liefert, ist
ein rühmlicher Beweis seines Beobachtungsgeistes,
$nd praktischen Geschicklichkeit. Die Anzeigen
der gastrischen Quelle dieser Krankheit waren ge-
wöhnlich sehr deutlich, besonders fand sich oft Ro-
the, Verstopfung, Geschwulst und kleine Geschwür-
gen der Nase als ein Zeichen häufiger, aber unbe-
weglicher, gallicht schleimichter Unreinigkeiten in
den erden Wegen. Mit dem dritten oder vierten.
Tage, auch zuweilen später, erschienen oft Pete-
schen, bey Kindern Scharlach, bey einigen rother
und gelblicher Frieselausschlag mit Erleichterung,
bey den mehresten, die in Amerika gewesen waren,
kritische Krätze. Taubheit und Geschwulst der
Ohrendrüsen war immer ein heilsames, Zungenläh-
mung immer ein tödliches Zeichen. Die Ursachen
findet der Verf. in dem vorhergegangnen heissen
Sommer, slehenden Wadern, Mangel an Nahrungs-
mitteln, und dem schnelleintretenden harten Win-
ter. ·— Eine charakteristische Eigenschaft dieser
Epidemie war die ausnehmende Unempfindlichkeit
und Unwirksamkeit der Lebenskraft in Unterstii-
tzung der Arzneymittel, welche bey dem Verf.
selbst, als er davon besallen wurde, eine Dosis von
8 Gran Tartar, einet. nöthig machte, um Erbrechen
zu bewirken. Die Methode war äusserst fimpel
und zweckmässig: nech hinlänglichem Gebrauch
aussösender Salze, aber nicht eher, ein Brechmit-
tel, welches nach den Umständen mehrmalen wieder-
hohlt wurde, gelinde Abführungen, China, Vitriol-
geil!, Spanische Fliegen, kaltes Getränk, frische
Luft, 'und das bey Kranken aus niedrigen Klasfen
so nützliche Waschen mit warmen Wasser, waren die
Hauptmittel; Afterlassr war nie nöthig. Auf diese
Weise stellte der Verf. von 1197 Kranken 1121 völ-
lig wieder her, ein Verhältniss, das ihm wahre Ehre
macht s und uns alles weitere Lob erspart.
Stendal, bey Franzen und Große: ss oh. Carl
Gottl. Henzens, Inspector(s) über die Höchfürstl.
Weimarsche Stutterey zu Altstädt, Nachrichten von
veterinarischen Werken, als Commentar über dessen
Entwurf eines Verzeichnisses veterinarischer Bücher.
Erßer Band. 1785. 418 S. 8-
Der Titel verspricht nicht alles, was in diesern
Buch zu finden ist, weil es nicht bloss Erläuterun-
gen über Hrn. H. Entwurs eines Cerzeichnisses veter.
Bücher,, sondern auch viel neue Artikel enthält? die
durch beygesetzte Zeichen unterschieden worden.
Zu diesen Artikeln gehören, ausser verschiednen
SGhriftstellern, deren in jener Schrift nicht Erwäh-
nung geschehen, auch noch allerley Mittel, die der
Verf. aus periodischen Schristen, Sammlungen,
Magazinen u. f. w. ausgezeichnet, und mit seinem
Urtheil begleitet hat; eine Arbeit, sür die er wirk-
lich Dank verdient.

Der Haupt-Inhalt gegenwärtigen Buchs aber
besteht darin, dass Hr. H. die in seinem Entwurs
eines Kerzeichnijfesringeiührtert Schriften hier weitläu-
figer und auszugsweise anzeigt, die verschiednen
Ausgaben und Uebersetzungen derselben nahmhaft
macht, auch am Ende die vorziiglichsten , in eini-
gen bekannten Journalen befindlichen, Recensionen
derselben citirt. Bey denjenigen Werken, deren er
nicht selbst hat habhaft werden können, ist er dem
Urtheil Solcher Recensionen gefolgt, auf die er sich
glaubte verlaßen zu können; auch hat er in einem
•solchen Fall, die Quelle, aus der er geschöpft hat,
angegeben.
Die Ordnung in diesern Buch ist nicht dieselbe,
welche in jenem Enrizurs beobachtet worden. Zwar
entfchuldigt sich der Verf. hierüber in der Vor-
rede damit, dass es die Ausgabe gegenwärtiger
Schrift fehr verzögert haben würde, wenn er alle
einzelne Artikel nach jenen hätte ordnen müßen;
auch glaubt er, durch die am Ende beygefügten
Register der dadurch entstandnen Unbequemlichkeit
abgeholsen zu haben. So fehr wir aber auch mit
Hrn. H. Arbeit zufrieden zu seyn Ursache haben, io
geliehen wir doch, dass uns diese Entschuldigung
nicht hinlänglich fcheint; es ist daher zu wünschen
dass der fieifsige Verf. sich die Mühe nicht verdries-
sen laßen möge, den zweyten Theil seines Werks
nach der Ordnung, die er in jener Schrift beobach-
tet hat, einzurichten, und dadurch den Verth die-
ses nützlichen Commentars zu erhöhen.
OEKONOMT&
Prag und Wien, in der von SchÖnfeldischen
Handlung: Alphabetifche Bibliothek der franzöß-
fchen, fächßschen, oßerreichifchen und böhmischen
Kochkunfi. 1785. 488 S. gr. 8- ( 1 Rthlr.)
Die Vorrede behauptet mit entscheidender Zu-
versicht, dass dieses Kochbuch an Bequemlichkeit
im Auffuchen und Mannichfaltigkeiten der aus den
bewährtesten Schriststellern gesammelten Gerichte,
gar nicht seines gleichen habe. Die Einleitung ent-
hält eine kurze Anweisung zur Reinlichkeit in der
Küche und ein monatliches Verzeichniss von Fleisch,
Fischen, Kräutern, Wurzeln und Obstarten. Dar-
aus soll die Wirthin wählen, die Artikel nach dem
Alphabet aussuchen und nach der Vorschrift zurich-
ten laßen. Die Anweisung zu Einrichtung einer
Mahlzeit fehlt also ganz, und sie wird ohne Zweifel
oft verkehrt genug ausfallen, wenn es die Virthin
nicht felbst fchon belser verliehet. Aber auch in
Absicht der einzelnen Gerichte wird fie oft wenig
Befriedigring finden. Manches fehlet ganz, das
doch in der Einleitung aufgefiihret oder in andern
Artikeln voraus gesetzt ist» wie z. B. Adlersbeeren,
Eingebrenntes > Frösche, Köhlchen (ein Vogel),
Pürschling (ein Flieh), Rettich, Zeller. Ein gewißer
Reichthum an Zurichtungsarten nach verschiedenen
Ländern und Gegenden ist noch das vorzügliche.
Denn aufeer den auf dem Titel erwähnten, sind
auch
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