Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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ZUR A. 1
hat sehr wohbgethan, dass er ein Jahr angenom-
men (hat, welches er nicht erleben wird; denn
wenn seine Prophezeyhung auch nicht eintrift, so
ift er dann doch sicher vor der Schwätzer und lUä-
fcher Spott.
Frankfurt am Mayn, in Commission der
Andräischen Buchhandlung: Häusliches Andachts-
Buch - enthaltend Morgen-und Abend - Communion-
Feßtags > und vermischte Andachten, als: der Ehe-
leute der Schwängern, bey Entbindungen u. s. w.
bev der Erndte und bey Ungewittern, in mancherley3
bejonderm und gemeinem Elend, wie mich beymSter-
ben, zum Gebrauche gemeiner Chrißen entworsen,
γοη Johann Philipp JUilhelm Luck. Consistorial-
rath und Stadtpfarrer zu Michelstadt in der Graf-
schast Erbach. 1784. 2go S. nebst VIII. S. Vorre-
de. 8- (5 gr.)
Dieses Andachtsbuch kann zwar nicht unter
die vorzüglich guten Schriften dieser Art gezählt
werden; aber für gemeine Christen, denen es ei-
gentlich bestimmt ist, mag es noch brauchbar ge-
nug seyn; und da es wohlfeil ist, wird es an Käu-
fern nicht fehlen. Bisweilen verfällt der Verfasser
ins Spielende; z. B. in dem Abendgebet am Sonn-
tage heilst es : (S. 21.) „Da der öffentliche Tem-
„pel geschloßen ist, so sey und bleibe mein Herz
„allezeit dein Tempel, darinnen du wohnest. Da
„ich dir össentlich nicht singe, so fpiele dir mein
„Herz. Meine Kammer sey jetzt der Ort, wo ich
„dir, Gott Vater, Sohn und Geist, in dieser Nacht,
„Leib und Seele empfehle.“ Doch wird man sei-
ten auf ähnliche Stellen stossen. Der Druck ist
leserlich, wie er in solchen, auch sür Landleute
bestimmten Büchern seyn feil.
TECHNOLOGIE.
De ssau und Leipzig, in der Buchh. der
Gelehrten: Nachricht von dem neuen Grundbauc zu
einer Anzahl Häuser in Potsdam, aus einem ehema-
ligen Sumpse im Jahr 1733 mit prastifchen Anmer-
kungen von H. L. Manger, König!. Bauinspeilor
I Stück. 1783. Utes 1785, beyde Stücke 204 S. 8.
Dieser Grundbau wurde durch die wasserrei*
chen Jahre 1771 - 72 veranlaßt, da eine Anzahl
Häuser,. die im Jahre 1767, an der westlichen Sei-
te der Plauenschen Plantage, aus einem alten Rost-
grunde, den man noch für zulänglich feil hielt, er-
baut worden waren, durch die eindringende Näße,
so sehr gelitten hatten, dass man für nöthig fand,
sie abzureißen, und aus dem sumpfigten Boden,
ein neues Grundwerk zu errichten, Da fich bey
dergleichen Arbeiten bekanntlich manche Schwü-
rigkeiten und Umllände ereignen, von denen man
in architektonischen Schristen, detaillirten Unter-
richt vermißt, so hat der Hr. \T. der Baukunst al-
lerdings einen Dienst erwiesen, dass er durch ge-
genwärtige Schrist, die ihm aufgestoßenen prakti-
schen Bemerkungen und Vorfälle bekannt macht.

<·. Z. 178 5-
Bey diesem Grundbaue, wobey sich oft in einer
Tiefe von 35 bis 45 Schuhen erst feiler Boden fand,
konnten die meiften gewöhnlichen Rammen zum
Einschlagen der Rostpfähle nicht gebraucht werden.
Auch seilte nach dem Wunsche des Königs, der
Bau in Jahressrist vollendet seyn, und so mußte
denn auch bey dem Rammen auf die Vermehrung
der Geschwindigkeit gesehen werden, wozu aber
diejenigen, mit Treträdern, doppelten Seilwerk,
Tummelbäumen, Flaschenzügen, Schwungrädern
u. dergl. -wenig oder gar nichts nützten. DieStru-
ctur der gewöhnlichen Zugrammen, die aus 4
Schwellen, eben so viel Streben, einem Läuser mit
sogenannten Triezkopse, einer Winde, oder Has-
pel, und dem Rammklotze bestehen, erhielt den
Vorzug. Diese beschreibt der Hr, V. hierumständ-
lieh, wiewohl die Zeichnungen dazu noch fehlen,
und erst von den Conduileurs, LTzigcrundÄD/zirr,
gestochen werden. Zum Ausfchöpsen des Grund-
walTers, verstatteten die Umllände, nur schnecken-
förmige Schaufelwerke; von Mulden, Fäßern,
Schöpf-kellen, Pumpwerken, ließ lieh keine För-
derung der Arbeit erwarten, indem die Fläche des
auszul'chöpfenden Waders zu groß, und der Stand
destelben zu tief war. Was nun überhaupt in Rück-
licht der Austheilung der Arbeiter an gedachten
Maschienen, der Armirung und Verbindung der*
eingerammten Pfähle u. dergl. zu beobachten war,
davon wird in gegenwärtigen ersten beiden Stücken
geredet, die übrigen süllen, von dem folgenden
Gange der zfrbeit, der völligen Aufbauung der
Häuser > dem Kostenbetrage u. dergl. handeln, und
wir zweifeln nicht, dass diese Nachrichten Lieb-
habern der Baukunst sehr willkommen seyn wer-
den.
PHILOLOGIE.
Mainz,- auf Kosten des Churftirstl. Gymnasi-
ums: Cornelii Nepotis de yita excclientiinn
imperatorum et rirorum dlußrium Opera, quae su*
persunt. In usum scholarum editionem curaviC
Phil. Ludov. Haus, Praes. et Prof. Gymnasii Mag«
Insig. Eccles, Colleg. ad S. S. Petrum et Alexan-
drum Schadnaburgi Vicarius. Adprobavit Genfer li-
brorum Ordinarius 1785- 3^6 $, 8· (12 gr.)
Wenn das auf dem Titel flehende in usum scho*
lärum durch die in der 'Vorrede gegebene Nach-
richt, dafs Cornelius Nepos als Schulbuch der un*
terfien Classe in den lateinischen Mittelfchulen zu
Mainz verordnet sey, seine nähere ßestimmung
erhielte, so könnten wir ..mit dem Herausgeber
nicht ganz, noch weniger mit dem Mainzer Scho-
iarchat zufrieden seyn. Scheint es doch, als ob
Nepos das Recht der Verjährung noch immer be-
haupten wollte, da doch sein Inhalt sür den An-
sänger gewiß nicht interessant, seine Schreibart
sür denselben nichts weniger als leicht seyn kann,
Daß liec. neuern Pädagogen nicht beytretd, die
dem Jüngling Alles zu lacht machen wollen, er-
0 0 2 giebt
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