Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

Page: 176
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/allgemeine_literaturzeitung_suppl1785/0188
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
SUPPLEMENTE ZUR A. L. Z. 17g y.

176
Weltgebäudes, enthält, ungerne die Figuren, wel-
che der Hr. Prf. aus einem ökonomischen Grunde
und weil er alles mit Worten deutlich zu machen
buchte, weglies. Diesem Mangel ist in diesen Zu-
sä'tzen abgeholfen worden. Sie enthalten eigent-
lich Berichtigungen, Verbesserungen und umständ-
lichere Erläuterungen der mehrsten in dem Unter-
richt etc. vorkommenden Materien, nebst Anzei-
gen der seit 1779 in der Astronomie gemachten
neuen Entdeckungen; hin und wieder streut der
Hr. Verf. lehrreiche und kritische Anmerkungen
ein. Die Erklärungen sind so fasslich als man sie
wünschen kann, und die Figuren sind mit Fleiss ge-
zeichnet. Anfänger können hier ohne fernem münd-
lichen Unterricht deutlich einsehen, wie mathemati-
sche Sätze bey astronomischen und geogräphischen
Aufgaben ihre Anwendung finden, und dies kann
auch schon dem zum Vergnügen gereichen, der die
Beweise jener Sätze selbst zu finden nicht im Stan-
de ist. Noch ist ein doppelter Anhang beygefügt;
der erste enthält die Regeln zur Aussosung aller
möglichen Fälle der rechtwinklichten und l'chief-
winklichten Kegeldreyecke, der zweyte eine Samm-
lung einiger astronomischen Tafeln.
SCHOENE WISSENSCHAFTEN.
Reval und Leipzig, bey Albrecht und Com-
pagnie : Skdrron’s komifcher Roman , nach dem
Franzößfchen neu überfetzt. 1—3 Theil. 1783—84·
g. (2 Rthl.)
Skarron's komische Laune ist so ächt und ori-
ginal, wie die im Tristram Shandy, und lein ko-
mischer Roman bleibt noch nach hundert Jahren
eine intereliante und belustigende LeRiire. Man
hat schon ältere Uebersetzungen des Roman comi-
que , und Rec., der eine davon vor Augen hat, die
in Hamburg 1764 zum drittenmal aufgelegt wur-
de, rriuss gestehn, dass der neue Uebersetzer es
lieh bequem zu machen gewusst , einen grossen
Theil ausgelassen, oder, (um einen Mode-Aus-
druck der meisten modernen Uebersetzer zu ge-
brauchen, womit sie dergleichen Nachlässigkeiten
zu beschonigen sachen) srey überfetzt hat. An
einigen Stellen aber möchte Rec. sogar seinen Vor-
gänger wohl den Vorzug einräumen. So hat auch
der alte Uebersetzer lehr schicklich die Namen I)e-
ßi:i , Cärerne, Rappiniere, Eßoile etc. durch ähnli-
che deutsehe, Schickfal, Höhle, Raubebald, Stella
etc. gegeben. Der neue Uebersetzer hingegen-,
behält die französischen Benennungen bey , wo-
durch alle die Wortspiele und Anspielungen ver-
lohnen gehn. Der Schlass des komischen Romans
verdiente keine Uebersetzung , da er von einer
fremden Hand angeliickt ist, und Skarron's Witz
nicht erreicht.
Halle , bey Hendel : Hie Beurtheilung des
Schönen in den zeichnenden Kiinßen nach den Grund-

fatzen eines Sulzers und Mengs. A. d. ital. ubers.
von AL C. Fr. Prange. 1785, 128 S. gr. g.
Hr. P. verdient für diese zwar nicht völlig ele-
gante, aber doch getreue, Uebersetzung der zu Ve-
nedig 1781 unter der Aufschrift, dell' arte di vedere
nelle belle arti del disegno fecondo i principü di Sul-
zer e di Mengs erschienenen lesenswerthen Abhand-
lung bey den Kunstliebhabern Dank.
Ebendaselbst: Chr. Fried. Prange — Abhand-
lungen über verfchiedene Gegenßände der Kunß —
Fünftes Stück. — 1785· 32 S. gr. 8-
Ein Programm , worinn Hr. P. zur Ausstellung
in seiner Zeichenschule einladet , und worinn er
unter andern einen guten Entwurf von den Stu-
dien giebt, die in einer Mahlerakademie getrieben
werden sollten. Von der bildenden Kunß giebt er
folgende Erklärung; Sie fey'eine gelßreiche Nach-
ahmung der fchönen Natur durch den Ausdruck und
Charakter, welche ßch aus ihrer Oberßäche offen-
baret.
PHILOLOGIE.
Braunschweig , in der Waisenhaus B. H.:
Praecepta Rhetorica e libris Arißotelis, Ciceronis,
Quincliliani, Demetrii, et Longini, collefla et dis-
posit'a paisimque suppleta a Frid. Aug. Wiedeburg
Philos. P. P. 0. — 1783. 343 S. 8,
Der Absicht des Herausgebers, ein Buch für
die obern Klassen der Gymnasien zu liefern, nach
welchem man die Grundsätze der Alten über die
Beredsamkeit im Zusammenhange und innerhalb
des Umfangs ihrer Anwendbarkeit zu unsern Zei-
ten kennen lernen könnte, entlpricht diese Chre-
stomathie vollkommen. Sie ist ausser den Frolego-
menis in drey Kapitel abgetheilt, de rebus mente
concipiendis, de elocutione<, und de variis dicendi
feribendique generibus. Des Zusammenhangs wegen
ist zuweilen etwas von dem Verf. eingeschoben.
Voraus geht eine Nachricht von den vornehmstea
Rhetorischen Schriftstellern unter Griechen und Rö-
mern. Bey Gelegenheit der Note S· 275 wegen
des Ausdrucks subfurda rox beym Quintilian be-
merken wir nur, dass die erste Erklärung, der Hr.
W. den Vorzug zu geben scheint, ganz unmöglich
ist, nach der es so viel heissen süllte , als extra
modlim abfona atque abfurda. Vielmehr ist die
zweyte die richtige: Aegre percipienda, e\r\e
me nemlich, wo die Töne nicht alle rein und hell
ausgesprochen, und zum Thel verschluckt, zum
Theil allzu leise ausgedrückt werden. Denn das
folgende tenuis ist kein Gegensatz von subsurda,
wie überhaupt der ganze Satz aut tenuis, — effemi-
nata keine eigentlichen oppoßta der vorhergehen-
den Praedicate im letzten Satze enthält.
loading ...