Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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ZUR A.
Hußer, Churf. Sächs. Geh. Finanzfekretär. 1785.
510 S. 8.
Auch diese vier Zugaben, deren Ueberschrif-
ten folgende sind: über die Allgemeinheit und Be~
siimmtheit peinlicher Gefetzr, neue Gedanken über
die Verbrechen und Strasen> Theorie der Strafge-
rechtigkeit in Polizeyfachen, und von den Kirchen-
sirasen; sind ein sehr schätzbarer Beytrag zur pein-
lichen Gesetzgebung, besonders die zweyte und
dritte, obgleich die vierte auch manches andeutet,
das mehrerer Beherzigung werth ist. Alle Vor-
schläge des Hn. v. G. ssiessen aus einer Menschen-
freundlichkeit, und einer behändigen Hinsicht auf
den eigentlichen Zweck jeder Strafe, welche allen
Politikern, die diesen Gegenstand bearbeiten, vor-
züglich zu wünschen sind. Er verwirft auch hier
mit Standhaftigkeit die Todesstrafen im allgemei-
nen ganz, uud seine Bestimmungen dabey haben
unsern völligen Beyfall, nur dass wir die Gründe
dagegen, die aus dem ursprünglichen Naturrecht
hergenommen sind, noch sehr verstärken zu kön-
nen glauben; eben so verbannt er alle Grausam-
keiten, und sucht soviel möglich alle Strafen in
Wiedervergeltung zu setzen. Auch dringt er mit
Recht sehr darauf, dass der Staat den befiraften
wieder freygelasienen Verbrecher ja nicht der Schan-
de iiberlassen, und ihm sein weiteres Fortkommen
und seine Besierung nicht erschweren, sondern ihm
viel mehr Mittel zu jenem in die Hände geben soh-
le. Sehr tresfend ist es auch, wenn er unaufhör-
lich völlig genaue Bestimmtheit der Gesetze, die
itzt so sehr vernachlässigt ist, aus das dringendste
empfiehlt. Dass lieh indeisen gegen manche Be-
hauptungen Einwendungen machen laisen, dass
man bey einigen noch hie und da ganz genaue Be-
stimmtheit vermisst, wie z. E. bey dem, was vom
Nachdruck gesagt wird, ist bey einem Werke, das
so mannigfaltige Bestimmungen enthalten muss,
nicht anders zu erwarten; dennoch bleibt gewiss
die Preisschrift, vereinigt mit. diesen Zugaben, eins
der wichtigsten Bücher in diesemFache, und feilte von
jedem Gesetzgeber erwogen-und gebraucht werden.
PHYSIK
Jena, bey Cröckers seel. Wittwe: Nähere
Polizeyvorfchläge zu vorläufigen Anftalten und Ret-
tungsmitteln bey zu besürchtenden Erdbeben von fjolu
Ernft Bafilius iViedeburg, Kammerrath und Prof,
der Mathern, zu Jena. 1784. S. 64 g. -4 gr.)
Zuerst erzählt der Verf. die entfernten und
nähern Vorbothen der Erdbeben, und dann sucht
er die Frage zu beantworten: ob es denn möglich
und thunlich sey, die Erdbeben gar äbzüwenden'j
oder zum wcnigjten diesen oder jenen Hisirict vor ihr
neu zu fichern? Diefe Frage wird nun in zwey an--
dre zersällt: 1. könnten wir nicht bey fonst in Schoos
gelegten Händen, die ganze Gesahr, und das
ganze zu beforgende Elena, durchs Gebet und durch
angeblich rerdienjlhcne Bussübungen wegbeten} oder

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Gott zu wunderthätiger Abwendung, um dieses Ver-
dien ft es willen, bewegen? 2. Geben die Kenntnijfeder
Naturlehre und andrer menschlichen IViJJenschasten,
die doch heut zu Tage so hoch gefiiegen find, keine
dergleichen Mittel an die Hand, diesen Sieg über
die fich empörende Natur zu erhalten? Die erstere
Frage wird ganz theologisch abgehandelt, und der
Hr. Kammern schlägt sogar dabey die Rubriken
aus den Gesangbüchern vor, welche bey Privater-
bauungsstunden unmaassgeblich die Lieder
am hesten hergeben könnten: nehmlich von der
Bufse, von dem Vertrauen aus Gott und der Hof-
ming künstiger Seeligkeit. Die andre Frage wird
bejahet. Das hauptsächlichste Mittel besteht in der
Erbauung grosser pyramidalischer Masien von einer
die Electricität gut ableitender Materie, welche
wenigstens aller 000 Schritte weit von einander er-
richtet werden feilen. Die Gründe zu diesem Vor-
schlage sind,. I. weil die Erdbeben hauptsächlich
Wirkungen der in ihrem Gleichgewichte gestörten
Electricität sind; 2. weil diese spitzig zu lausenden
Pyramiden verhindern werden, dass niemals das
Gleichgewicht zwischen der Elektricität der Erde
und der Atmosphäre gestöhrt werden könne. Die-
ses letztere zeigt unter andern Egypten mit seinen
Pyramiden. Beyläusig eine Beleuchtung einiger
Recensionen, welche von seiner Schrift über die
Erdbeben und den allgemeinen Nebel »783 i«1 Pu~
blikum erschienen sind. Nun folgen die übrigen
Vorschläge zu Vorbauungs - und Rettungsmitteln
bey Erdbeben. Sie sind theils solche, welche der Vor-
sorge der Obrigkeit anheim gestellt bleiben, theils sol-
che, welche jeder Hausvater mit seiner Familie zeitig
genug verabreden, und die dazu nöthigen Anstalten
tressen musste. — Die Obrigkeit sorge für einen si-
ebern Zussuchtsort, wohin sich bey annähernder Ge-
fahr sogleich dießürger begeben können : sie schaffe
bey Zeiten an diese Oerter den nöthigen Proviant:
sie sorge sür Anschaftung kleiner Handmühlen, uni
die unzubereiteten Vorräthe zum Genuss geschickt
zu machen (werden wohl auch Backöfen dort zu
errichten seyn): sie lege Magazine von Hacken, Pi-
cken, Schaufeln, Brecheisen, Schrotleitern,· He-
bebäumen, Stricken, Seilen, Flaschenzügen etc.
an jenen Zussuchtsörtern an, um den etwa ver-
schiitteten Personen sogleich mit Hülfe beyspringen
zit können: sie sorge dort für Apotheken, und.
Lumpen, und Zelte, oder im Fall, dass diese
letztem mangeln oder wenigstens nicht züreichen
süllten, für Vorräthe von Jochen, Bretern, Nä-
geln etc., um sogleich leichte Baracken aussälli-
gen zu können : endlich werde’ ein besondrer Mann
öffentlich angestellt, Welcher das Signal zum Aus»
bruche zu geben hat, wenn er aus meteorologi-
schen Veränderungen ein bevorstehendes Erdbe-
ben voraus vermuthet. — Die Punkte, welche je-
der Hausvater möglich!! beherzigen feil, sind fol-
gende s er bringe die Sachen, welche er, nicht mit
sich fortbringen kann , und an deren Erhaltung
ihm gelegen ist, an einen fiebern Ort in eia tin-
Kkks ter
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