Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1785 (1787)

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SUPPLEMENTE ZUR A. L. Z. 173?.

lieh bekannt. Sie enthält weniger und auch mehr
als die Ausfchrist verspricht. Weniger ; — denn
weder die Luftarten , welche sich bey der Destiha-
tion des Indigs so wohl als bey seiner Bereitung
entwickeln, noch dieAsche, in der lieh Eisen fand,
hat der Verf. sattsam geprüft. Mehr; — denn
die Bemerkung über die Indigfärberey, und über
die Verhütung und Verbeiserung der lchädlichen
Veränderung ”der Indigkiipe, die lehr vortretiich
sind, gehören doch nicht zur chemilchen Zerle-
gung. Die zweyte Abhandlung dient, vorzüglich
was die Färberkianst anbelangt, zur Ergänzung der
erden und liefert die cheniifche Zergliederung des
JZaids, nebst einer Untersuchung der innere Bewe-
gung der Blauküpen. Waid brennt mit lichter
Flamme, hält Eisen , brauset mit Säuren, dient
in Vitriolsäure nicht, so wie derlndig, zum Blau-
särben. (Waidindig kann doch wirklich 1b ge-
braucht werden.) Reines kochendes Haster ist al-
lein vermögend, den Waid belser aufzuschliessen.
Kalk schärft den Geruch der Waidküpe, mehrt die
Blume, verstärket und röthet die Farbe , macht
ein Seitengemisch. Zuviel verzehrt die Blume und
schwärzt die Farbe. Zu wenig veranlagt dasUm-
schlagen. Die Kleyen mildern die Schärfe des Kal-
kes und verhindern das Sinken der Farbetheilchen.
Schwarzstehende Küpen verbelsert nebst den Kleyen
der Alaun, Statt Wau undFärberröthe kann man
mit dem besten Erfolg dreymal mehr, als gewöhn-
lich, Kleyen gebrauchen. In der dritten, 17^1 zu
Rouen gekrönten Abhandlung werden die L nter-
suchungsmittel d.es Mergels, der Kreide, des Kalk'
fleins und der Knochenerde angegeben. Sie enthält
viel übereilte Behauptungen, die auch zum iheil
der ungenannte geschickte Uebersetzer gerügt hat.
Kreide sey vom Mergel bloss darinnen unterschie-
den, dass lie weniger Thon halte. Vom Mergel
wird überhaupt gelägt, dass er halb aus Thoner-
de beliebe, und dass er auch viel ßitterlalzerde
bey sich führe. Kalk könne in den gewöhnlichen
Oesen nicht stark und lange genug gebrannt wer-
den. Thon führe einen fetten Stori bey lieh, der
in einer schwachen Säure an der Luit in häulnils
gehe. Reine Kalkerde sey mit setten Stoffen nicht
verwandt. Der Zutritt der Luftsäure mache mil-
de Oele ranzicht. — Anwendung der obgedachten
Erden zum Diingen, Walken, Bereiten cier Treib-
scherben , Bauen, Anstellen der Indigkupen und
Seissenkochen. Das Schweseln der U olle wird,
wie in einem Anhänge gezeigt wird, belser in wei-
ten als engen Zimmere verrichtet. — Die vierte
Abhandlung lehrt, wie aus der Verbindung der
Bittersalzerde mit Salpeter-oder Salzläure teile kry-
staiiihrte Salze zu erhalten lind. Er will darinnen
unter andern die Bergmännische Ordnung der Wahl-
verwandsehaften der Bittet salzerde ganz umitossen
und zeigen, dass Salz und Salpeterl'aure mitderßit-
tersalzerde genauer, als die Vitriolsäure verwandt
sey, — aber der Mangel des Niederichlags der

Vermischungen von aufgelosten ' vitriolsäurehalti-
gen Mittehaizen mit Salz , oder Salpeter gelauer-
ter Bittersalzerdenaussösungen beweist dieses durch-
aus nicht. Die letzte zu Paris 1784 gekrönte Schrift
ist überschrieben: Kerfuch über die unterscheidenden
und eigenthilmlichen Befchaffenheiten der Baumwolle
verfcnied.ener IKelttheile, in Rücksicht auf mehrere
V. erth und Brauchbarkeit. Rothe Siamische und
Bengalische, als die beste, kommt im Handel gar
nicht, weisse Suratische, die nach ihr folgt, nur
in vzeniger Menge vor. Nach dieser kömmt die
aus Cayenne und Domingo, die zu schweizer Mus-
selins und wollenen Manchester dient, dann die le-
vantische Kurzwolle zu Cottonaden dienlich, aber
auch im Nothsalle so nutzbar, wie Domingowolle,
zu gebrauchen. Auch in dieser Abhandlung kömmt
manches vor, was die strenge Prüfung nicht aus-
hält. So soll z. B. die Luft zur Nachtzeit lieh mit
neuer Luftsäure anfiillen, und dadurch zum Athem-
holen dienlicher werden. Im schwarzen Hanfe,
aus Champagne und Burgund, sey das Eisen, als
Eisenmohr, gegenwärtig. Hätte d’Ayo/w/etwas we-
niger Flüchtigkeit imUrtheil; so wäre er ein über-
aus vortressicher Chymist.
Haue imMagdeb., in der Rengerschen Buch-
handlung: Des Hosraths und Profeisors der Mathe-
matik und Naturiehre in Halle IKencesl. fjon. Gu-
ftav Karßens kurzer Entwurs der Natur wijfenfchaft,
vornehmlich ihres chymisch-mineralogischen T'heils ;
mit Kupfern. 1780· 554 8
Es ist eines von den vorzüglichen Verdiensten,
die sich der sei. \ ersasser um die Naturlehre er-
worben hat, dass er bey dem akademischen Vor-
trage aus zwey Haupttheile derselben Chymie und
Naturgeschichte ganz vorzüglich Rücksicht nahm ,
und dadurch, so wie sür alle, also auch für solche
Zuhörer l’orgete, die der Mathematik nicht hinlängi
lieh kundig waren. Auch gegenwärtiges Lehrbuch,
welches die kurzer gesasste , noch mehr systematisch
geordnete und mit den neuesten Entdeckungen
vermehrte Anleitung desseiben zur Kenntniss der
Natur ist, die er im Jahre 1783 herausgab, hat
die nemliche Ablicnt. in der Lehre von der elek-
trischen Materie folgt der Herr Verf. Symmern, in
der vom Brennbaren Kirwan, in der vom Feuer
wählt er das aus Lcivoißer, Scneele, Kirwan und
Crawford, was lieh in ordnungsvolle Verbindung
bringen lässt. Was andre Mineralogen unter den
Steinen Bittersalzerd - und Alaunerdarten nennen,
nennt er kürzer Talk-und Thonarten Die Tabel-
len über die Aussösslichkeit, und das Verhalten der
Salze an der Luft, mgleichen über die eigenthüm-
liche Schwere der Körper, liefern in der Kurze alles,
was Spielmann, IKenzel, Bergmann, Mujfchenbroeck
und Geliert hierüber angemerkt haben. Mochte
doch dieses Buch den wichtigen Entzweck er-
reichen, den der Vf. sich vorletzte, durch Verbrei-
tung achter Naturkenntniste die Liebhabereyder Al-
chymie zu vermindern.
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