Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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ARBEITEN DER KLASSE POETTER

Kunstgewerbe-Schule Essen

DER AUFBAU
UNSERER KUNST- UND GEWERBESCHULEN

Die staatliche Kunstpädagogik kann noch
nicht mit einheitlich festgelegten Lehr-
plänen arbeiten, solange es noch keine
allgemein gültige Theorie der bildenden
Kunst gibt. Damit kann aber nicht ent-
schuldigt werden, daß man die Schulen
selbst planlos neben- und gegeneinander ar-
beilen läßt. Man kann diesen ebenso ver-
worrenen wie unverbundenen Zustand wirk-
lich nicht eine Organisation des staatlichen
Schulwesens nennen.

Wenn wir vom Zeichenunterricht in den
Volks- und Mittelschulen absehen, der
längst nach den Gedanken von Gustav
Britsch hätte aufgebaut werden müssen
(Egon Kornmann: Die Kunsttheorie von
Gustav Britsch, München, F. Bruckmann,
1927), so bleiben immer noch vier Arten

von Schulen, an denen so etwas wie künst-
lerischer Unterricht erteilt wird: die Be-
rufs- (Forlbildungs-) Schulen, die Fach-
schulen, die Kunstgewerbeschulen und die
Kunstakademien.

Man hat in Berlin, Karlsruhe, Köln, Frank-
furt a. M. und anderenorts Kunstgewerbe-
schule und Akademie zur (Einheits-)
Kunstschule zusammengefaßt. Dadurch ist
wohl manches besser geworden; aber das
Kitsch produzierende Künsterproletariat
wird auch in diesen Instituten gezüchtet
und die allzu akademische Freiheit lockt
immer wieder die Gellungsbedürf(igen an,
die sich moralisch oder körperlicli zu ande-
ren Berufen untauglich fühlen.
Der Staat kann die ihm obliegende kunst-
pädagogische Aufgabe erst dann lösen,

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