Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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ELEKTRIZITÄT IM HAUSHALT

Schon kurz nach Erbauung der ersten Kraftwerke,
also vor ungefähr vier Jahrzehnten, ging man
daran, sich die Elektrizität als Helferin in Haus
und Hof dienstbar zu machen. Während aber
ein Teil des Auslandes verhältnismäßig rasch die
schier zahllosen Segnungen der neuenldeckten
Naturkraft auch auf dem Gebiet der Hauswirt-
schaft sich nutzbar zu machen verstand, zögerte
man in Deutschland recht lange damit. Erst der
allerjüngsten Zeil blieb es vorbehalten, hier gegen-
über nahezu mittelalterlichen Zuständen Wandel
zu schaffen und der Elektrizität die Wege zu ebe-
nen, die im Bunde mit der Betriebswissenschaft
die Errungenschaften moderner Kultur und Tech-
nik dem Menschen in sein Heim trägt.
In deutschen Hausfrauenkreisen erkennt, man im-
mer mehr, wie falsch es ist, am Althergebrachten,
Überalterten zu kleben und sich kurzsichtig gegen
alle Neuerungen zu verschließen, anstatt sie für
Haushalt und Familie nutzbringend zu verwen-
den und, der Entwicklung folgend, dankbar alle
Erleichterungen zu übernehmen, welche Wissen-
schaft und Technik der Frau bereiteten.
Daß allein noch elektrische Beleuchtung zeitge-
mäß ist, sieht so sehr außer Frage, daß an dieser
Stelle der Hinweis genügen möge, daß selbst da
noch manches zu reformieren und auszubauen ist,
wo bereits eine elektrische Lichtanlage vorhanden
ist.

Allmählich bürgert sich auch die Anwendung der
Elektrizität als Wärmequelle ein. Die bedeuten-
den Vorzüge des elektrischen Kochens sind so
groß, daß selbst etwas höhere Stromkosten gegen-

über den Ausgaben für Gas oder Holz und Kohlen
gern ertragen werden. Diese Vorteile sind: größte
Sauberkeit, die gerade für die Küche von beson-
derer Bedeutung ist (keine verrußten Töpfe, keine
verstaubte Küche, saubere Wände und Decken);
schnellste Betriebsbereitschaft (keine Vorbereitun-
gen wie Herbeischaffen von Holz und Kohlen,
dadurch Ersparnis an Zeit und Arbeitskräften),
sofortige Außerbetriebsetzung nach Beendigung
des Kochvorganges; gleichmäßige Wärmeentwick-
lung bei bequemer, verlustloser Regelbarkeit; ein-
fache und gefahrlose Wartung. Außerdem ist der
Betrieh der elektrischen Küche hygienisch ein-
wandfrei, da die Entwicklung giftiger Gase und
lästiger Hitze ausgeschlossen ist, und gefahrlos,
da Explosionen unmöglich sind.
Bei den elektrischen Kochgeräten unterscheidet
man direkt beheizte Gefäße und Geräte für in-
direkte Erwärmung der Speisen.
Unter den indirekt wirkenden Apparaten ist vor
allem der Kochherd zu nennen, der in seiner
äußeren Form dem Gasherd ähnlich ist. Er wird,
beispielsweise von der Elektrobeheizüng G. m.
b. H., der Heizapparatefahrik der AEG, in zwei
Größen — als Zwei- und Vicrslellenkochherd —
gebaut. Die Wärme wird in besonderen Platten
durch Heizwiderstände erzeugt und durch den
Boden des Kochgefäßes auf die Speisen übertra-
gen; die Herde enthalten häufig noch eine Brat-
und Backröhre mit auswechselbarer Ober- und
Unterhitze und eine geschlossene Wärmenische.
Meist ist jede Kochstelle sowie die Ober- und
Unterhitze dreifach regelbar.

DER KÜCHENMOTOR

(Größe I: Haushalt, Größe II: Gastwirtschaft) treibt nach Belieben alle in der Küche notwendigen Maschinen (Kaffeemühle,
Fleischwolf, Bohnenschneider, Schneeschläger usw.) an. Arbeitskraft wird dadurch in der Küche gespart. Siemens-Schuckert

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