Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 8.1933

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hat dazu geführt, daß gerade infolge der Krise das Tätigkeits-
gebiet der Reichsbank sich stark ausgedehnt hat. Krieg,
Blockade und jeder außerordentliche Notstand zwingt zu ver-
schärfter Zusammenfassung aller leitenden Gewalten; so auch
hier: die tiefgreifenden Störungen der internationalen Wäh-
rungsverhältnisse, die knappe deutsche Devisenbilanz, die Last
der im Stillhalteabkommen nur vorläufig aufgefangenen deut-
schen Auslandsschulden, die Überfülle an täglichem flüssigem
Geld und daneben der Mangel an investitionsbereitem lang-
fristigem Kapital im Inlande, dies alles zusammen ergibt einen
Zustand voll von drohenden Gefahren, in dem der Währungs-
generalstab sich um viele kleine Einzeiheifen kümmern muß,
die bei normalem Geschäftsgang ohne viel Aufhebens zwischen
den Privatbanken erledigt würden. Auf allen Gebieten wachsen
so in der Krise die zentralen Gebilde, sofern sie selbst den
Sturm überstehen, und der erweiterte Umfang der Reichsbank-
tätigkeit ist nichts als ein Spiegelbild der besonderen heutigen
Gestaltungen in der politischen Sphäre oder auch der zu-
nehmenden Bedeutung der öffentlichen Hand in der Wirtschaft.
Nun wird zwar die jetzige Krise nicht ewig, wohl aber die
mühsame Wanderung durch das Tal der nachfolgenden
Depression noch eine ganze Weile dauern, und auch wenn

einmal die gefährlichsten Wegstrecken überwunden sind und
die Zügel wieder gelockert werden können, so wird doch
nachher nichts mehr so sein wie es vorher war. Auch die
Geschäfte der Reichsbank werden nicht wieder auf das Maß
einschrumpfen, das sie vor dem Krieg hatten. Der alte Bau
von Hitzig aber hat schon im Kriege nicht mehr ausgereicht,
geschweige denn in der Krise.

In der Tat ist der Körper der Reichsbank ja schon lang
über das ursprüngliche Gewand hinausgewachsen, in fast all
den Häusern, die jetzt dem Neubau weichen sollen, sind schon
Glieder dieses Körpers untergebracht, behelfsmäßig, un-
rationell, unhygienisch. Es wird Zeit, daß das zentrale Organ
des deutschen Geldwesens die äußeren Bedingungen für ein
rationelles Funktionieren bekommt.
Das städtebauliche Problem.

Es kann nur mit aller Entschiedenheit begrüßt werden, daß
die Reichsbankleitung in Konsequenz ihrer lange vorbereiteten'
Ankaufspolitik bei dem Entschlüsse verblieben ist, ihren Platz
innerhalb des Stadtraumes beizubehalten. Die Verlockungen,
anderswo hinzugehen, vielleicht an den Alexanderplatz, viel-
leicht in das leere Diskontohaus oder gar weiter nach dem
Westen, mögen nicht gering gewesen sein. Als vor einigen

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