Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 8.1933

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Die Sonderschau des Deutschen Werkbundes auf dem V. Triennale in Mailand. Architektonische Gestaltung: Regierungsbaumeister Walter Schmidt, München.
Rahmen der Glaswände und sonstige Metallkonstruktionen in Stahl, matt vernickelt. Wände bespannt mit handgewebtem Stoff (mit eingewebten Cellofan-
streifen}, teils hellsilbergrau, teils schwarzgrau. Metallschriften glänzend vernickelt. Vitrinen aus schwarzem Birnbaumholz. Stühle in weißem, poliertem
Ahornholz, mif schwarzem Kalbsleder bezogen. Fußboden weißes Linoleum.

strierter Zeitschriften. In anderen Vitrinen werden die besten
Packungen gezeigt und neue interessante Formen des Industrie-
katalogs. Weiterhin findet man neben Etiketten, neben Brief-
marken der deutschen Reichspost und anderen Spezialgebieten
der Graphik, die man sonst auf Ausstellungen selten zu sehen
bekommt, auch die vorbildlichen Leistungen des deutschen
Kartendruckes. Sie fanden namentlich beim italienischen König
und bei den hohen Militärs, welche bei der Eröffnung der
Ausstellung zugegen waren, besonders lebhafte Beachtung.

Einen breiten Raum nehmen in der Ausstellung natürlicher-
weise die Werbedrucksachen ein. Man kann wohl ohne
Überheblichkeit sagen, daß hier die deutsche Graphik in der
Verbindung von Typographie, Photographie und Zeichnung
einen völlig neuen Stil entwickelt hat, und daß hier heute schon
geradezu klassisch wirkende Leistungen vorliegen.

Angesichts einer solchen Ausstellung bleibt es unverständlich,
wie man heute in gewissen Kreisen vom Niedergang des

deutschen Buchgewerbes zu reden wagt. Unser deutsches
Euchgewerbe ist leidlich gesund und hat die Aerzte nicht nötig,
die sich zu seiner Heilung anbieten.

Ganz besonders wurden auch die Meisterwerke der deut-
schen Reproduktionskunst bewundert, die Reichsdrucke, die
Piperdrucke und Hanfstaengeldrucke. Die Auswahl dieser
Drucke gibt zugleich ein gedrängtes Bild von den Spitzen-
leistungen deutscher Malerei mit Reproduktionen nach Werken
von Dürer, Grünewald, Holbein, Hacker, C. D. Friedrich, Hans
v. Marees, Hans Thoma, Paula Modersohn-Becker, Slevogt,
Corinth, Schrimpf, Franz Marc, Pechstein, Hofer, Kanoldt u. a.

Wie hier ist es in der ganzen Ausstellung gelungen, nicht
nur ein Bild deutscher Graphik zu geben, sondern zugleich
auch einen hohen Begriff von der deutschen Kultur überhaupt.
Diese Absicht wird aufs glücklichste unterstützt durch den
überaus leichten und eleganten architektonischen Rahmen, den
Walther Schmidt geschaffen hat.

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