Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 8.1933

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Wenn man kurz das Wesentliche zusammenfassen will, das
diese Schau dem Besucher vermittelt, so ist es einmal die
ausdrücklich betonte Klarstellung der besonderen deutschen
Leistung, die sich entgegen aller falsch orientierten Auffassung
in der historischen Tatsache ausspricht, daß Schwabacher
sowohl wie Fraktur als durchaus eigene und selbständige
Schöpfungen auf süddeutschem Boden gewachsen sind,
zweitens die Zusammenfassung des heutigen Bestandes an
lebendig fortwirkender Schriftüberlieferung, die, selbst für den
Kenner überraschend, in der Fülle und dem Reichtum der neuen
Leistung sich dokumentiert. Besonders die in mehr als fünfzig
Beispielen aufgezeigte Kulturarbeit unserer großen Schrift-
gießereien stellt eine imposante Leistung dar, angesichts derer
man leider nur feststellen muß, wie wenig von dieser Tatsache
in das Bewußtsein der Allgemeinheit und in die Wirksamkeit
der verantwortlichen Kreise gedrungen ist. Man hat in der
großen Öffentlichkeit zwischen einem nüchternen Historismus
und einer verstiegenen Maschinenromantik hin und her ge-
schwankt, die eigentlich schöpferische neue Leistung nach Mög-
lichkeit totgeschwiegen und zur Privatangelegenheit eines
kleinen Liebhaberkreises herabgedrückt.

Hier zeigt sich deutlich das Arbeitsgebiet, das der Tätigkeit

von Fachschulen, typographischen Vereinen und Bibliophilen-
geseilschaften für die nächste Zukunft offen liegt. Die deutsche
Schrift ist heute der Anteilnahme weiter Kreise sicher; Aufgabe
der führenden Kräfte ist es, das nachzuholen, was in den
ietzten Jahrzehnten an Achtung gegenüber dem jetzt noch an
deutscher Schrift Lebendigen versäumt wurde; darauf deutlich
hingewiesen zu haben, bleibt das Hauptverdienst dieser
Ausstellung.

Dem Leiter der Neuen Sammlung, Professor Wolfgang
von Wersin, ist es zu danken, daß er nicht nur diese Aufgabe
als einer der Ersten in Angriff nahm, sondern sie auch sogleich
mit allen verfügbaren Mitteln und künstlerischem Feingefühl
in der Art der Gestaltung bis in die letzten Konsequenzen
durchführte, damit den Weg weisend, wie auch vom Museums-
standpunkt aus die Sammel- und Ausstellungsarbeit aus
trockener und nur repräsentativer Sphäre auf Wesentliches ge-
lenkt werden kann.

Denn es braucht zum Schluß wohl nicht weiter betont zu
werden, daß diese Ausstellung nicht nur von ihrer rein künst-
lerischen Seite aus zu werten ist, sondern angesichts der Be-
deutung von Sprache und Schrift für unser Volkstum auch eine
viel weiter reichende Kulturmission zu erfüllen hat.

. 2 Tafeln aus der historischen

Entwicklungsreihe der deut-
schen Schrift, geschrieben von
Susanne Ehmcke.

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