Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Personal- und Ateliernachrichten — Denkmäler rc.

Personal- und Ateliernachrichken

— Ir. Berlin. Wie wir im vorigen Heft bereits gemeldet haben,
war die diesjährige Konkurrenz um den großen Staatspreis für Ge-
schichtsmaler vergeblich veranstaltet worden, weil die unter Klausur
gefertigten Borprüfungsarbeiten derartig ausgefallen waren, daß
von einer Fortsetzung der Arbeiten überhaupt Abstand genommen
lvurde. Dieses überaus ungünstige Ergebnis der Konkurrenz, an
welcher bestimmungsmäßig nur Schüler preußischer Akademien
sich beteiligen dürfen, ward in den interessierenden Kreisen zum
nicht geringen Teil auf das Arbeiten unter Klausur, sowie auf
die meist der alten Geschichte entlehnten, der gegenwärtigen Kunst-
richtung gar nicht mehr entsprechenden Aufgaben zurückgeführt
und eine Änderung der Konkurrenzordnung in dem Sinne be-
fürwortet, daß die Klausurarbeiten wegfallen sollten, und Auf-
gaben gestellt würden, welche der Geschichte der Neuzeit ent-
nommen wären. Mit Spannung sah man deshalb dem Wett-
bewerb um die Stipendien der beiden Michael Beer'schen
Stiftungen entgegen, die im Betrage von je 2250 M. zu einer
einjährigen Studienreise nach Italien für jüdische Maler aller
Fächer beziehungsweise für Bildhauer ohne Unterschied der
religiösen Bekenntnisses zur Ausschreibung gelangt waren. — Die
zu den Bewerbungen um beide Stipendien eingegangenen Arbeiten
waren im Akademiegebäude öffentlich ausgestellt und zeigten
deutlich die Schulen, auf denen die Urheber ihre Ausbildung ge-
nossen. Von den vier Malern, welche um den Preis der ersten
Stiftung rangen, hat Otto Marcus aus Malchin in
Mecklenburg mit seinem großartig angelegten, wenn auch noch
nicht vollendeten Bilde: „Die Israeliten werden bei der Wieder-
aufrichtung der Mauern Jerusalems unter Esra und Nehemjah
von den Samaritanern angegriffen" den Sieg davongetragen.
Otto Marcus, am !5. Oktober 1863 zu Malchin geboren, hat
seine Ausbildung auf der Wiener Akademie begonnen und später
unter Herterich und Loefftz in München vollendet. Gegen-
wärtig hält sich derselbe Studienhalber in Paris auf. Seine
Arbeiten zeugen von tiefem Studium und hervorragendem Talente,
und ist die Zuerkennung des Preises an diesen Bewerber un-
bedingt gerechtfertigt. Auch die übrigen Bewerber, haben mit
Ausnahme eines der Berliner Schule ungehörigen, zum Teil
gute Arbeiten eingesandt. Den Preis der zweiten Stiftung
hat unter sieben Bewerbern der der Wiener Bildhauerschule an-
gehörige Bildhauer Friedrich Hausmann, am 23. Juni 1860
zu Wien geboren und ebenda wohnhaft, erhalten. Die von ihm
eingesandten drei größeren Arbeiten zeugten von bedeutendem
Naturstudium, waren sowohl hinsichtlich der Technik wie der
Auffassung künstlerisch vollendet und von den vorliegenden
Arbeiten die des Preises würdigsten, wenngleich nicht verschwiegen
werden darf, daß die Arbeiten der Mitbewerber ebenfalls ihre
bedeutenden Vorzüge hatten, einige sogar den preisgekrönten fast
gleichkamen. Im allgemeinen ist in Hinblick auf die bei diesen
Preisbewerbungen zu Tage getretenen künstlerischen Leistungen
der Verlauf beider Konkurrenzen als ein guter zu bezeichnen. —
Ob und inwieweit indessen aus diesen Bewerbungen Maßregeln
für die Konkurrenzordnung um den großen akademischen Staats-
preis entnommen werden können, ist nicht abzusehen.

Hj Die Münchener Künstlerschaft sieht mit Bedauern
eines ihrer tüchtigsten und beliebtesten Mitglieder abermals scheiden.
Der Genremaler GustavJgler erhielt einen ehrenvollen Ruf als
Professor an die kgl. Kunstschule in Stuttgart und wird dem-
selben Folge leisten. G. Jgler, bekannt als Maler der naiven
Kinderwelt, die er mit seiner Empfindung zu beobachten und dar-
zustellen versteht„und dessen Schöpfungen sich großer Beliebtheit
erfreuen, ist in Ödenburg (Ungarn) geboren. Anfänglich auf der
Akademie in Wien studierend, seit zwanzig Jahren aber in
München wohnhaft, gehört das gesamte Schaffen des Künstlers
seiner zweiten Heimat München an.

— Berlin. Ernst Reichenheim-Stiftung. Das dies-
jährige Stipendium der Stiftung, welche der Fabrikbesitzer Ferdi-
nand Reichenheim zum Andenken an seinen verstorbenen Sohn,
den Maler Ernst Reichenheim, begründet hat, ist dem Maler
Michael Adam aus Posen, Studierender der Hochschule für die
bildenden Künste hier, laut Beschluß der Direktion verliehen
worden.

— Berlin. C. von Uechtritz, der mit einer reizvollen
Brunnengruppe auf der Münchener Jubiläumsausstellung ver-
treten war, hat einen Brunnen komponiert, der in den neuen
Wohnräumen des deutschen Kaisers im Berliner Schlöffe zur
Ausstellung gelangen soll.

— München. Zu Ehrenmitgliedern der Akademie zu
München sind ernannt worden: B. Piglhein, H. Zügel,
I. Weiser, G. Seidl und I. Bühlmann, sämtlich in
München, Hermann Baisch in Karlsruhe, Heinrich von
Angeli, Emil Jakob Schindler und Viktor Tilgner in
Wien, Maler Whistler in London. Dagnan-Bouveret und
Johann Karl Köpping in Paris, Benlliure in Rom,
I. H. L. de Haas in Brüssel, Hendrik Mesdag in Haag,
Bildhauer Giulio Monteverde in Rom und Josef Israels
in Haag.

—Ir. Berlin. Der Präsident der Königlichen Akademie
der Künste, Geschichtsmaler Professor Karl Becker, ist von der
Akademie der schönen Künste zu Antwerpen zum Ehrenmitgliede
ernannt worden.

— Nürnberg. Professor Mäher hat ein Gemälde „Aus
der Sebalduskirche" vollendet, welches für die städtische Galerie
zu Nürnberg bestimmt ist.

—Ir. Berlin. Seit dem Tode des Altmeisters der Ber-
liner Kupferstecherschule, des Professors Eduard Mandel, ist das
von demselben innegehabte akademische Meisteratelier für Kupfer-
stechkunst nicht mehr definitiv besetzt, sondern einstweilen von dem
ordentlichen Lehrer der akademischen Hochschule für die bildenden
Künste, dem Kupferstecher Hans Meher, kommissarisch verwaltet
worden. Um dieser provisorischen Verwaltung ein Ende zu
machen und auch die vervielfältigenden Künste im akademischen
Senate vertreten zu seben — der Vorsteher ist kraft seines Amtes
Mitglied dieser Körperschaft —, ist in der Berliner Künstlerschaft
der Wunsch rege, einen Meister der Kupferstechkunst für das ge-
dachte Meisteratelicr zu berufen.

kp. Der Münchener Historienmaler Heinrich Heim ist an
Stelle des verstorbenen Prof. K. Jäger als Professor für Zeichnen
nach dem lebenden Modell, in pragmatischer Eigenschaft an die
Kunstgewerbesckiule in Nürnberg berufen worden. H. Heim, ge-
boren im Großherzogtum Hessen, erlangte seine Ausbildung an
der Kunstschule in Nürnberg und unter Professor Andreas Müller
an der Akademie in München. Größere Arbeiten des Künstlers,
Wandgemälde historischen und allegorischen Inhalts zieren unter
anderm die Drachenburg am Rhein und das Haus des Groß-
kaufmanns Weigand in Ochsenfurt a. M. (v. Bielsche Stiftung):
außerdem sind eine Reihe schwungvoll entworfener Kompositionen
zu Glasgemälden, vorzüglich zu Kirchenfenstern, die unzweideutigsten
Zeugen des Talentes und der hervorragenden Bedeutung des
Meisters auf dem Gebiete des historischen Stils. Die unter der
bewährten Leitung Direktor K. Hammers in Nürnberg sich wieder
emporringende Kunstgewerbeschule erhält somit durch diese Be-
rufung eine ebenso frische als vorzüglich geeignete Lehrkraft.

— München. Bildhauer Ferd. von Miller hat den
dänischen Danebrogorden erhalten.

Grstorbrn. Am 30. Oktober zu Lausanne der Maler
Rud. Piccard. — Der Maler G. Tonello in Borgo San
Dalmazzo.

Denkmäler rlr.

* Für das Ludwig Richter-Denkmal in Dresden sind
bisher gegen 3500 Mk. eingegangen. Der von Prof. Anton
Springer in Leipzig verfaßte Aufruf ist in der Auflage von
400,000 Stück den verschiedensten deutschen Zeitungen des Jn-
und Auslandes beigegeben worden. In verschiedenen Städten,
wie München, Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Schwerin u. a., sind
Veranstaltungen zu Gunsten des Rlchterdenkmals in Aussicht ge-
stellt worden. Für die Aufstellung des Denkmals ist ein Platz
auf der Brühlschen Terrasse in Aussicht genommen; das Denk-
mal würde dort auf einen sanft ansteigenden Rasenhllgel zwischen
Bäume zu stehen kommen. In der letzten Ausschußsitzung wurde
indes schon darauf aufmerksam gemacht, man möchte doch nicht
von von: herein als fest annehmen, daß das Denkmal aus einem
Standbilde oder einer Büste bestehe, man solle vielmehr daran
denken, das Denkmal der Eigenart Richters möglichst angemessen
zu gestalten. Schließlich beschloß der Ausschuß, den weiteren
Verlauf der Sammlung abzuwarten, ehe über die Form des
Denkmals ein Beschluß gefaßt würde. Wir haben einen derartigen
Vorschlag in diesem Blatte vor längerer Zeit gemacht.

— Dortmund. Der Kirchenvorstand der Petri-Nikolai-
gemeinde hat eine Aufforderung zur Einreichung von Plänen für
den Bau einer zweiten Kirche nebst Pfarrhaus erlassen. Es
sind Entwürfe nur von deutschen Architekten konkurrenzfähig,
welche bis zum 10. Januar 1889 eingegangen sind.
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