Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Denkmäler rc. — Ausstellungen, Sammlungen rc. — Vermischte Nachrichten


* Die Enthüllung des König Johann-Denkmals in
Dresden, die ursprünglich in diesem Jahre vor sich gehen sollte,
ist auf das Jahr 1889 verschoben worden und wird wahrschein-
lich mit einer grösseren Feier verbunden werden, der Dresden und
ganz Sachsen enigegengehen. Im Jahre 1088 nahm Kaiser
Heinrich IV. dem Brunonen (Braunschweiger) Ekbert II. infolge
seines treulosen Benehmens die Mark Meißen und übertrug sie
1089 Heinrich I. aus dem Hause Weltin. Seitdem ist die Mark
Meißen, der Kern des heutigen Königreichs Sachsen, bei dem
Hause der Wettiner verblieben. Im nächsten Jahre würde also
das 800jäkrige Jubiläum der Regierung der Wettiner
in sächsischen Landen zu feiern sein. Demnächst wird sich
ein Ausschuß zu gedachtem Zwecke in Dresden bilden. Die Künstler-
schaft wird bei der Feier wahrscheinlich in hervorragender Weise
vertreten sein.

—Ir. Berlin. Die sogenannte Herrscherhalle des Zeug-
hauses wird nunmehr endlich eine Statue des hochseligen Kaisers
Wilhelm I., zu deren Aufstellung der verewigte Monarch bei
Lebzeiten bekanntlich seine Einwilligung versagte, erhalten. Das
Bildwerk wird von der Meisterhand Rudolf Siemerings, der be-
reits ein kleines Hilfsmodell geschaffen hat, hergestellt, und in
Bronze ausgeführt werden. Als zukünftiger Standort für die
Statue ist der Platz unter Fr. Geselschaps großem Bilde „Eini-
gung Deutschlands" in Aussicht genommen.

— Rom. In Rom ist das Denkmal enthüllt worden,
welches die Stadt den Gefallenen Fünfhundert von Dogali hat
errichten lassen. Es besteht aus einem Obelisken, der sich auf
einer mehrfach abgestuften Basis erhebt und ist von Francesco
Azzurri entworfen worden.

— Berlin. Am 29. Oktober wurde auf dem Monbijon-
platz das Chamiffo-Denkmal enthüllt. Es besteht aus einer von
I. Moser ausgeführten Marmorbüste des Dichters, welche sich
auf einem von Baurat Heyden entworfenen Postament erhebt.

— Paris. In Paris ist nunmehr auch dem „bewaffneten
Frieden" das ihm gebührende Denkmal errichtet. Die Statue ist
ein Werk Cout ans und von einem Herrn M. Sedille der
Stadt Paris zum Geschenk gemacht worden.

— London. Die Statue General Gordons von H. Th orny-
croft ist am Trafalgar Square zur Ausstellung gelangt.

— München. S- K. Hoheit der Prinzregem hat Ferdinand
von Miller mit der Ausführung eines Denkmals für die
bayrsche Armee beauftragt, welches in der Feldherrnhalle zur Auf-
stellung gelangen soll.

Ausstellungen, Sammlungen etc.

U. L. Auch Breslau bat jetzt ein Panoramengebäude
aufzuweisen, welches, von dem Erbauer und Direktor des Krystall-
palastes und der Alberthalle zu Leipzig, Eduard Berthold, er-
richtet, am 10. November eröffnet worden ist. Von den drei zur
Besichtigung vorgeführten Kolossalgemälden zeigt das größte ein
Panorama von Konstantinopel, gemalt von E. Berninger.
Die beiden Dioramen „Kaiser Wilhelm II. beim Leichenzuge des
Kaisers Wilhelm I." und „Frauenleben im Orient" sind von
Prof. L. Braun resp. von Franz Simm ausgeführt. Die
künstlerische Gesamtleitung des Panorama Breslau liegt in den
Händen des Malers Hans Petersen-München.

— Ir. Berlin. Die Akademie der Künste zu Berlin wird
auch im nächsten Jahre eine große akademische Kunstausstellung
von Werken lebender Künstler des In- und Auslandes im Landes-
ausstellungsgebäude am Lehrter-Bahnhof veranstalten. Als Er-
öffnungstermin ist vorläufig der 11. oder 18. August in Aussicht
genommen; eine frühere Eröffnung ist nicht angängig, weil die
deutsche Ausstellung für Unfallverhütung das Ausstellungsgebäude
bis etwa 15. Juli benutzen wird.

— Hannover. Die 56. Generalversammlung des Kunst-
vereins für Hannover fand am 11. ds. Mts. unter Vorsitz
v. Bennigsens statt. Die Gesamtzahl der Mitglieder ist auf
4448 gestiegen. Die Einnahmen betragen 74,178 Mk., denen
die Gesamtausgaben mit 74,100 Mk. gegenüberstehen. Der
Reservefonds ist auf 49,289 Mk. angewachsen. Auf der letzten
Kunstausstellung wurden 82 Kunstwerke im Preise von 41,080 Mk.
verkauft.

— Nürnberg. Dem germanischen Nationalmuseum zu
Nürnberg hat Fürst Johann von Liechtenstein 103 große vor-
züglich ausgesührte Photographien nach den hervorragendsten
Gemälden seiner Sammlung zum Geschenk gemacht.

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Die projektierte Münchener Jahreskunst-
ausstellung im Glaspalast. Seit einigen Monaten schon
sind in der Münchener Presse vielfache Anregung zu jährlich sich
wiederholenden Kunstausstellungen internationalen Charakters
gegeben worden. Die große Bedeutung wie der unbestrittene Erfolg
der III. internationalen Kunstausstellung legte begreiflicherweise
den Gedanken an solche Erweiterung der errungenen Stellung nahe.

So hat denn infolgedessen die am 16. November d. I.
abgehaltene Generalversammlung der Künstlergenossenschaft mit
überwiegender Mehrheit dem vorgeschlagenen und leidenschaftlich
besprochenen Unternehmen die Durchführung zu sichern, fast mit
Einstimmigkeit beschlossen.

Nach Eröffnung der Versammlung erklärte der Vorsitzende,
der Maler Eugen von Stieler, namens des Gesamtvorstandes,
derselbe wollte zu der brennenden Frage vorerst nur eine ab-
wartende Stellung einnehmen, um nach der unbeeinflußt klar zu
Tage tretenden Anschauung der Künstlerschaft allein zu handeln.
Schnell und entschieden hat sich dieselbe kundgegeben. Die nun
folgenden Redner zu Gunsten des Projektes, vielfach getragen
von Beifall und Zustimmung, sprachen in klarer, maß-
voller, überzeugender Weise alle die zwingenden Gründe aus,
welche das Unternehmen zu einem der Würde, der Zukunft der
Münchener Kunststadt notwendigen und segensreichen gestalten
müssen, Gründe, welche zum Schluffe dahin führten eine Kom-
mission von 14 Mitgliedern dem Vorstand der Künstlergenossen-
schaft zu kooptieren, um gemeinschaftlich mit demselben die ge-
plante Ausstellung vorzubereiten.

Ausdrücklich ward jedoch die vorläufige Beibehaltung der
seitherigen periodischen großen Internationalen Kunstausstellungen
betont.

Somit steht jetzt München vor einem der wichtigsten Ab-
schnitte seiner Kunstentwickelung. Frei von kleinlichen Bedenken
tritt die Künstlerschaft, im Bewußtsein der derselben innewohnenden
lebendigen Kraft kühn alljährlich in den Wettbewerb um die
Palme des Ruhmes ein, sie will nicht sich abschließen und zurück-
treten, sondern gerade an der Konkurrenz des Auslandes erstarken
und siegreich sich erweisen. Und diesen idealen Zielen wird die
materielle Basis nicht fehlen. In aufsteigender Progression hat
sich von Ausstellung zu Ausstellung München als Kunstmarkt
von wachsender Bedeutung erwiesen. Wird derselbe sich, in
erster Linie zum Nutzen der Münchener wie der deutschen Kunst
in Zukunft als ein nicht zu übersehender Faktor in der inter-
nationalen Kunstproduklion, mit dessen Vorhandensein gerechnet
werden muß, gestalten lassen? Zu einem Welthandelsplatz für
Kunst, dessen erste und hauptsächlichste Wirkung den Jntereyen
der Künstlerschaft wie der Künstlerstadt in gleicher Weise zu Gute
kommen wird?

Möge ein guter Stern über dem Unternehmen leuchten,
es Männer von idealen Streben und zugleich praktischem, weit-
schauenden Blick zur Durchsührung finden lassen — der Erfolg
kann und wird dann nicht ausbleiben!

— Berlin. Der Wintersalon des Vereins Berliner Künstler
ist am 5. November eröffnet worden.

Vermischte Nachrichten

S.kt. Aus Milwaukee, dem „Deutsch-Athen" des Westens,
kommt uns ein allerliebstes Heftchen zu, ivelches der dortige
deutsche Künstlerverein zur Erinnerung an die Grundsteinlegung
seiner neuerrichteten „Altdeutschen Trinkstube", durch den Her-
bergsvater Robert Reinhers herausgegeben. Mit flotten Zeich-
nungen von F. W. Heine, dem Sohne des bekannten Generals
und Malers und von dem auch in München noch in guter Er-
innerung stehenden Landschaftsmaler Frosch geschmückt, mit köst-
lichen Versen vom lustigen Reimschmied A. Thormaelen erläutert,
macht das Ganze den heitersten Eindruck und beweist uns, daß
der dorthin verschlagenen deutschen Kllnstlerkolonie weder der
Durst noch der Humor ausgegangen. Am wenigsten endlich die
bildende Kraft, die sie dort besonders an Panoramen, die durch
ganz Nordamerika gehen, bethäligeu soll. — Die besagte Her-
berge aber soll laut Stiftungsbrief dienen „als Unterschlupf für
arme Maler, Minnesänger, Komödianten, Musikanten und
Schnorranteu und sonsten gar mancherlei Leut, so sich mit brot-
losen Künsten kümmerlich das Leben fristen. Auch edle Frauen
und Jungfräulein derfen von ihren Gemahlen oder Sippen mit-
gebrungen werden, so sie sich züchtiglich aufführen, keinen Lärm
machen und nicht zu oft anklopfen." Unterschrieben sind 19 Namen,
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