Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

Page: 80
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kfa1888_1889/0108
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
80

vermischte'Nachrichten — Kunstlitteratur und vervielfältigende Kunst — vom Kunstmarkt

deren mehrere bereits einen guten Klang haben, so dag man
diesen Vertretern deutscher Kunst aus weiter Ferne wohl ein
fröhliches Glückauf zurufen mag.

— Der Rheinisch-Westfälische Kunstverein hat die Düssel-
dorf und der Düsseldorfer Schule angehörenden Maler zu einem
Wettbewerb mit dem Preise von 7000 Mark eingeladen. Es soll
der Stadtratsaal zu München-Gladbach mit Wandgemälden ge-
schmückt werden, auf denen bedeutende Ereignisse aus der Ge-
schichte der Rheinprovinz und des preußischen Staates besonders
während der Regierung Wilhelms I. zur Darstellung gelangen
sollen. Die Entwürfe sind bis 1. Februar 1889 bei dem Kunst-
verein einzureichen.

—K. Berlin. Der Andrang junger Kunsteleven zur Aus-
nahme in die hiesige akademische Hochschule für die bildenden
Künste ist ein bedeutender. Über 300 Eintragungen älterer
Studierender und Probearbeiter haben bis jetzt stattgefunden. Da
indessen der Platz in der Anstalt sehr beengt ist, ist es sehr fraglich,

sterbender Alexander

Probe Illustration aus 5pbel, Weltgeschichte der Kunst
(Besprechung nebenstehend)

ob die sämtlichen Aspiranten, deren über 60 gezählt werden, ihre
Immatrikulation werden erreichen können. Bei den akademischen
Meisterateliers für die bildenden Künste sind die Aufnahmen be-
reits beendet und arbeiten in denselben gegenwärtig 17 Maler,
b Bildhauer, 4 Architekten und 1 Kupferstecher.

O.v.dl. Ersatz für Holzschnitt. Die Firma Chadiac
und Co. in Paris erhielt ein deutsches Patent auf folgendes
Verfahren zur Anfertigung von Hoch druckp latten, welche den
Holzschnitt ersetzen sollen: Ein Papierbogen wird mit einem
Teige aus lllanc Kxe oder Bleiweis;, Gelatine, Glycerin und Ei-
weiß überzogen, und zwar wird dieser Teig mit einem Pinsel
ausgetragen. Rach Trocknen der Schicht wird dieselbe imt einem
Klebstoff überzogen. Hierauf entwirft man die zu vervielfältigende
Zeichnung aus dem Papier mit einem Bleistift und in leichten
Linien, und überzieht die Zeichnung schließlich mit einem aus
Harz, Fett, Seife, Wachs und Terpentin bestellenden Firniß.
Aus diesem Firniß kratzt man nunmehr die weiß zu lassenden
Stellen mit einem Grabstichel oder einer Feder weg. Auf diese
Weife erhält man eine Hochdruckmatrize, welche man mittels der
bekannten Verfahrens auf Stein, oder hauptsächlich auf Zink über-
trägt. Das Zink wird schließlich geätzt. Nach Angabe des Er-

finders erhält man auf diese Weise Zinkätzungen, welche es mit
den besten Holzschnitten aufnehmen können. Proben liegen nicht
vor und wir vermögen somit die Richtigkeit der Angaben nicht zu
prüfen. Das Verfahren dürfte sich indessen dem Anscheine nach
nur für einfache Zeichnungen in Liniermanier eignen und vielleicht
die gewöhnlichen Zinkätzungen mit Vorteil ersetzen. Die Schönheit
der mittelst Photographie hergestellten Platten werden die Chediac-
schen Platten schwerlich je erreichen.

Runstlitterakur und vervielfältigende Kunst

Weltgeschichte der Kunst bis zur Erbauung der
Sophienkirche. Grundriß von Ludwig von Sybel (Mar-
burg, Elwert'sche Verlagsbuchhdlg. Gr. 8". Preis 12 Mk., eleg.
geb. 14 Mk.) Im Gegensatz oder besser gesagt in Ergänzung
der vorhandenen kunstgeschlchtlichen Werke hat v. Sybel es
unternommen, eine Schilderung der gesamten Kunstentwicklung
im Altertum, nicht nach ethnologischen und eidologischen Grenzen
d. i. nach Völkern und Kunstfächern gegliedert, zu verfassen,
sondern eine periodologische Darstellung des Entstehens und
Werdens der Kunst zu geben. In Berücksichtigung der maß-
gebenden Einflüsse der Weltgeschichte ein Bild der historischen
Problems in ihren Beziehungen auf die Kunst zu gewinnen, durch
richtige .Beleuchtung der historisch charakteristischen Thatsachen einen
klaren Überblick über die Grundzüge der Stilentwicklung in ihrer
historischen Folge, über ihre Ursächlichkeit und Wechselwirkung
zu verschaffen, das ist der eminente Vorzug dieser Darstellungs-
weise. Ohne sich in Detailfragen zu verlieren, bezüglich welcher
der Autor in vielen Anmerkungen auf eine ausgedehnte Fach-
literatur verweist, schildert, er zunächst die orientalische Kunst und
ihre Ableitung, dann die Übergänge zur griechischen Kunst, deren
Originalität und unbestrittenes Eigentum die plastische Schönheit
gesunden zu haben er treffend hervorhebt. Unterstützt von einer
sehr reichen und vorzüglichen Auswahl trefflicher Illustrationen wird
das Aufblühen und die Glanzzeit der Plastik unter Phidias, seine
Meisterwerke am Parthenon, dann Praxiteles und seine herrlichen
Schöpfungen, immer im Zusammenhang mit der übrigen Kunst-
entwicklung, auch der Kunstindustrie, des Kostüms rc. dargestellt, ebenso
die Decadence der Plastik in der nachalexandrinischen Zeit, die Ein-
wirkung griechischer Kunst und griechischen Geschmackes aus die
Römer. Der gänzliche Verfall der Skulptur und der Aufschwung
der Baukunst, die als Konstruktion unter Justinian ihre letzte
Höhe erreicht, bilden den Abschluß dieser interessanten Epoche.
Das Werk darf sich den besten bestehenden Kunstgeschichten an-
reihen und wird wegen seiner sehr reichen Illustrierung und der
klaren Schreibweise für alle Gebildeten, insbesondere für alle
Künstler eine willkommene Erscheinung sein. Dem Verfasser wie
dem Verleger gebührt die vollste Anerkennung der Kunstverständigen.

O. kt. Die heutige Kunst, ein Rund gang durch die
Jubiläums-Kunstausstellung von G. Ramberg. München,
G. Franz. Preis 1 Mk. Ein ganz brauchbarer Führer durch die
Ausstellung für diejenigen, die eines solchen bedürfen, um zu wissen,
was sie ansehen sollen und wasffi^etwa übergehen können. Als
solches kann das Buch immerhin enttzsohlen werden, wenn auch
die rasch entstandene Arbeit kaum weitere Ansprüche macht.

Vom Kunstmsrkk

— Ein neuer Rembrandt „Der Student" ist von dem be-
kannten Kunstmäcen Or. Jacobsen in Kopenhagen für 44000 Mk.
sür seine Glyptothek Ny-Carlsberg erworben worden.

— Berlin. Die Antiquariats-Buchhandlung von A. Cohn
in Berlin versendet ihren 192. Antiquariats-Katalog, der 342
Nummern illustrierter Litteratur des 16. Jahrhunderts enthält.

— Joseph Baer L Co. in Frankfurt a. M. versenden so-
eben Lagerkatalog Nr. 225 und 229, welche gegen 1500 Num-
mern Litteratur der Kunst, Architektur, Dekoration und des Kunst-
gewerbes enthalten.

Aedaktionsschtuß: 17. November — Ausgabe: 1. Dezember

Inbült des fünften veftes: Terl: H. Helfcrich. Die französische Aus-
stellung in Kopenhagen — C. Daelen. Das GerhardUche Maimor-Casem-
Bcrfahren — Fr. Pecht. Unsere Bilder — Derselbe. Weihnachtsgaben
deutscher Kunst — Kunsmotizen re. — Pitderbeitagen: Emil Keys er,
Puppenwäsche — Rudolf Maison, Die gezähmten Naturkräfte, Brunnen-
gruppe für Fürth — Martinez del Rincon, Noch ein Sieg — Paul
Ritter, Marktplatz in Nürnberg 1657.

Für die Redaktion verantwortlich: Fritz Schwartz — Druck der Bruckmann'schen Buchdruckerei in München
loading ...