Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Denkmäler rc. — Ausstellungen, Sammlungen rc.

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Aufstellung erfolgt in einer Bogenhalle, so daß der Gesamt-
eindruck des Denkmals ein wesentlich anderer als in Posen
werden wird. Die architektonische Umgebung ist vom Baurat
Schmechten in Berlin ausgeführt.

tt. Stuttgart. Friedrich Bischer, dem berühmten
Ästhetiker, wird hier ein würdiges Denkmal errichtet; auf einem
kunstvollen Postamente wird sich die Kolossalbüste aus weißem
Marmor von Professor Donndorfs Meisterhand erheben und es
soll die Aufstellung im Vorgärichen der königlichen technischen
Hochschule m der Alleenstratze womöglich am 30. Juni 1889,
Bischers Geburtslage, durch eure feierliche Enthüllung erfolgen.

— Paris. Die französische Regierung be-
absichtigt ein Denkmal zur Erinnerung an die
französische Revolution von 1789 errichten zu lassen
und die Kammer hat bereits für dasselbe die
Summe von 2 Millionen Franks genehmigt. Hier-
von sollen 150,000 Franks für eine Preisbewerbung
verwendet werden.

Ausstellungen, Sammlungen rlr.

* Für die kgl. Gemäldegalerie zu Dresden
ist soeben eine sehr bedeutende Erwerbung gemacht
worden. Das große Gemälde „Christus am Kreuz"
von Michael Munkacsy ist in den Besitz ge-
nannter Sammlung übergegangen. Munkacsy, der
früher vorwiegend Sitlenschilderungen teils ernsterer
teils heiterer Natur malte, hat sich seit dem Jahre
1880 vorwiegend der biblischen Geschichte zugewandt.

Sein erstes Aussehen erregendes Gemälde dieser
Art war der „Christus vor Pilatus". Ihm folgte
1882 das jetzt in Dresden befindliche, darauf
das große Golgathabild. Das erste und das dritte
Bild gehören dem Museum zu Philadelphia an,
welchem es ein Sohn dieser Stadt, der jetzige
Generalpostmeisler der Vereinigteil Staaten, Vana-
maker, zum Geschenk gemacht hat. Er hat für beide
Bilder zusammen wohl 1 Million Franken be-
zahlt. Das Dresdener Bild bildet einen Teil des
Golgathabildes. Munkacsy hat die ganze Gruppe
Mit geringen Veränderungen in dieses herüber-
genommen. In Deutschland war das Gemälde
bisher unbekannt, während es im Auslande
an verschiedenen Orten ausgestellt war. Es
ist ein mächtiges Hochbild: den Hintergrund er-
füllt schwärzliches Gewölk; die scheidende Sonne
färbt einzelne Wolkenränder mit rosenfarbenem
Lichte, spärlicher Rasen bedeckt den Gipfel der
Schädelstätle. Vor diesem düster öden Hintergründe
erhebt sich wirkungsvoll zu imposanter Höhe das
Kreuz mit den es umgebenden Angehörigen Christi.

Vorn kniet Maria und netzt mit ihren Thränen des
Sohnes Füße, neben ihr sitzt mit laugwallendem
gelösten Haar Maria Magdalene und verbirgt ihr
Antlitz in den feinen Händen; Maria Kleophas ist
aufgesprungen, sie umsaßt den Kreuzesstamm niit
der linken, während sie den rechten Arm mit einer
Geberde des Schreckens ausbreitet und entsetzt zu
dem Sterbenden emporblickt. Auf der andern Seile
steht Christi Lteblingsjünger Johannes stumm,
regungslos, wie von der Größe des Schmerzes
feslgebannt, hinten lehnt Joseph von Arimalhia
sein Haupt an das Kreuz. Tief ergreifend ist
Christi Antlitz geschildert: die edelste Geisteshoheit verklärt den
Schmerz des Verscheidenden, von dessen Lippen das „Es ist voll-
bracht" sich lösen will. — Das Bild ist in leuchtenden Farben
gemalt, die von vom hell und kräftig beleuchtete Gruppe hebt
sich höchst wirkungsvoll Plastisch von dem finsteren Grunde
ab. Die Ausführung ist nicht ganz gleichmäßig; indes sind

nur untergeordnete Teile wie die Füge des Johannes ver-
nachlässigt, so daß der Gesamteindruck hierdurch in keiner Weise
gestört wird. Im ganzen spricht aus der Gruppe echtes auf
Len Beschauer sich überpflanzendes Gefühl, nur die Gestalt
der Maria Kleophas ist in ihrer heftigen Schmerzgeberde von
theatralischem Pathos nicht frei. Jedenfalls wird das Bild seine
Wirkung auf die Besucher der Galerie nicht verfehlen.

— Berlin. Eine Mappe mit Bleistiftzeichnungen des
Hamburger Künstlers C. W. Allers, dreißig Blätter zu „Klub

Eintracht" enthaltend, ist für die Nationalgalerie angekauft
worden.

tt. Mainz. Die städtische Bildergalerie, welche im hiesigen
ehemaligen kurfürstlichen Schlosse aufgestellt ist, hat einen sehr
wertvollen Zuwachs erfahren, indem der kürzlich verstorbene
Buchdrucksreibesitzer Joseph Mayer seine aus anerkannten
Werken alter holländischer Meister bestehende Gemäldesammlung
der Stadt durch Testament vermacht hat.

— München. Die Jurywahl für die Jahresausstellung
1889 ergab folgendes Resultat: a) Sektion für Malerei:
Ludwig Dill, Professor Nikolaus Gysis, Hugo von Habermann,

Die Vorleserin, von Adolf Lchtler

Ludw. Herterich, Paul Höcker, Wilh. Keller-Reutlingen, Alsr.
Kowalsly, Gotth. Kühl, Ernst Meisel, Pet. P. Müller, Prof.
Bruno Piglhein, Wilh. Räuber, Prof. Matth. Schmid, Vikt.
Weishaupt, Prof. Ludw. Willroider; bs Sektion für Bild-
hauerei: Jos. v. Kramer, Otto Lang, Rud. Maison; c) Sektion
für Architektur: Prof. Jos. Bühlmann, Prof. Leonh. Romeis,
Ein. Seidl; ck) Sektion für vervielfältigende Künste: Joh.
Bankel, Mich. Holzapfel, Wilh. Rohr. Zum Ersatz wurden
gewählt die Maler Gg. Jacobides, Al. Erdtelt, Rob. Pötzel-
berger, Ant. Stadtler, Fr. Simm, die Bildhauer Aug. Vogel
und Ludw. Gamp, Architekt Professor August Thiersch und
Graphiker Johann Burger. (M. N. N.)
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