Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Ein neues Ausstellungslokal in Düsseldorf. Don S. Daelen — Personal- und Ateliernachrichten

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Porkräl- und Genremalerei, von Karl Gekrts

lokal sind 1,2 m hoch, in den Sälen 0,9 m. Die Oberlichten
der kleinen Säle sind 7 zu 2 m. Das Oberlicht über dem
großen Saal ist 8 zu 5 rn. Uber den Lberlichten, welche
sichtbar und in mattem Glase verglast sind, befinden sich nach
allen Seiten steil abfallende Glasdächer mit Doppelglas verglast.
Die Steilheit dieser Dächer verhindert das Abtropfen von
Schwitzwasser; zwischen den Glasdächern und horizontalen
Oberlichten sind in den seitlichen Wänden reichliche Ventilatoren
angebracht, welche die Bildung von Schwitzwasser überhaupt
verhindern; es ist daselbst eine Vorrichtung getrosten, um über
dem horizontalen, mattverglasten Oberlicht eine Leinwandgardine
spannen zu können, zum Auffangen der Sonnenstrahlen. Durch
Abschrägung der Ecken des großen Saales wurden die soge-
nannten toten Winkel, welche bei Ausstellungsräumen mit Ober-
licht diesen ein so düsteres Aussehen verleihen, vermieden, so
daß keine Fläche unbeleuchtet bleibt. Ein gleichmäßiges, wvhl-
thuendes Licht herrscht an allen Stellen des Saales.

Außer diesen praktisch vortrefflichen Einrichtungen ist auch
in gleichem Maße dem dekorativen Schmuck der Räume von
bewährter Künstlerhand die rechte Ausführung zu teil geworden.
Mit diskreter, seingestimmter Farbengebung malte KarlGehrts
in den vier Ecken der schrägen Voute die allegorischen Figuren
der Malerei, Plastik, Graphik und Architektur, in den Längs-
slächen der Bvnte allegorische Darstellungen der Historien- und
Schlachtenmalerei, der Landschafts-, Tier- und Marinemalerei,
der Porträt- und Genremalerei, sowie der Stillleben- und Archi-
tekturmalerei. In den letzteren Kompositionen kommt namentlich
auch der Gehrtssche Humor in seiner bekannten liebenswürdigen
Feinheit zum sprechenden Ausdruck.

Diesem brillanten Lokale entsprechend, präsentierte sich auch
die Eröffnungsausstellung als eine durchweg auserlesene: Die
klangvollsten Namen hatten sich mit hervorragenden, zum Teil
ganz neuen Schöpfungen eingefunden; in der Majorität natürlich
die heimische Schule. Ganz überraschend springt der Unterschied
in der Wirkung der Bilder, welchen die Verschiedenheit der Be-
leuchtung hervorruft, namentlich bei etlichen Bildern, die man
schon auf andern Ausstellungen gesehen, in die Augen. So
wesentlich günstiger sieht hier manches derselben aus, daß man
verwundert fragen muß: „Ist das noch dasselbe Bild?" —-
Als die Perle der Sammlung kann wohl die bereits in einem
früheren Artikel erwähnte Skizze E. von Gebhardts
„Christus vor Pilatus" betrachtet werden. Dies Werk ist sicher
in des genialen Meisters glücklichster Stunde entstanden und
zeigt, wie selbst in einer Skizze doch ein bedeutendes Kunst-
werk geschaffen werden kann. Ganz vorzügliches bringt ferner
Fagerlin, unter anderm „Die Rekonvaleszentin", ein Bild
von ergreifender Innigkeit des seelischen Ausdruckes. —

Unter mehreren herrlichen Andreas Achenbachs ist ein
älteres, sehr effektvolles Bild, eine holländische Kirmeß bei
Mondaufgang, besonders interessant; diese gediegene Arbeit
brachte dem damals noch jungen Meister in Paris die erste
goldene Medaille ein. — Nicht weniger trefflich ist sein Bruder-
Oswald vertreten mit einigen italienischen Motiven von
magischem Zauber. — Im Tierstück brilliirt Ehr. Krön er
außer mit einigen herbstlichen Waldszenen namentlich mit einer
prachtvollen Sauhatz im Schnee. — Sohn, Bockelm ann,
Munthe, Hünten, Hilgers, Hartung, Jakobsen
und viele andre reihen sich würdig an. — Von auswärtigen
Künstlern wird vor allem von Gabriel Max eine ganze
Reihe höchst interessanter Schöpfungen, so seine „Blocksberg-
Vision", vor Augen geführt; ebenso von C. Kiesel, Joseph
Brandt nnd andern. Nach allem kann somit einem Institut,
das sich in so vornehmer Weise einführt, schon bei seiner Er-
öffnung mit Sicherheit das günstigste Prognostikon gestellt werden.

Personal- und Melirrnachrichlrn

U. Berlin. Die Professoren, Maler vr. Adolf Men-
zel, Bildhauer vr. Sie m ering nnd Baurat Adolf Heyden
sind infolge erneuter Wiederwahl von dem Herrn Kultusminister
auf weitere drei Jahre vom 1. Oktober d. I. ab in den Senat
der Akademie berufen worden.

— Berlin. Professor Paul Meyerheim ist gegen-
wärtig zu einer Reise beurlaubt und wird als Leiter der „Tier-
klasse" an der Kunstakademie bis auf weiteres von dem Land-
schaftsmaler Oskar Frenzel vertreten.

— München. Franz Defregger hat auf seiner
Villa in Bozen ein neues zu seinem Hofercyklus gehörendes
Gemälde „Am Abend vor der Schlacht am Berge Jsel" vollendet.
Der Meister stellt dieses Werk zunächst in Bozen während des
Schützenfestes aus.

Bremen. Ein neues Panorama wird Bremen dem-
nächst erhalten, welches die Einfahrt des Ozeandampfers „Lahn"
vom Norddeutschen Lloyd in den Hafen von New-Uork darstellt
und teils plastisch, teils malerisch ansgesührt wird. Den figür-
lichen und landschaftlichen Teil des Panoramas malen Professor
Louis Braun und Ed. Berninger, den maritimen Hans
Peters en.

— München. Die Jury, welche über die Konkurrenz-
entwürfe für die Bebauung des Jsarquais entschied, hat dem
Architekten Em. Seidl den ersten Preis zuerkannt.
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