Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

Page: 352
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Preisausschreiben, Stipendien rc. — Ausstellungen, Sammlungen re. — vermischte Nachrichten


in Freiberg begründet wurde, nebst Andeutung der Brunnen-
archilcktur. Die drei Preise haben erhalten der Bildhauer Georg
Gröne, Bildhauer August Herzig im Verein mit Baurat
Weidner und Bildhauer Rudolf Hölbe. Feiner haben die
Bildhauer Robert Ockelmann, Karl Röder und Oskar Rühm
eine anerkennende Erwähnung davon getragen. Sämtliche Be-
teiligte sind Dresdner Künstler. Tie Figur von Georg Gröne
verdient in der That alles Lob, nicht minder die damit wohl
zusammengehende Brunnenarchitektur.

^ Dresden. Die Gewerbeschau, sächsische Gewerbe-
zeitung, amtliches Blatt des Verbands sächsischer Gewerbe- und
Handwerkervereine u. s. w. jetzt (in Nr. 13 des 21. Jahrg) drei
Preise von 50, 30 und 20 Akk. aus sür die besten Abhand-
lungen über die Behandlung der Farbenlehre beim
Unlerrich te in gewerblichen Schulen zum Zwecke der praktischen
Anwendung im Gewerbe. Preisrichter sind Gewerbeschulinspektor
Enke, Oberlehrer Grohberger, Maler R. Mebert, Prof. H. Rave
und der Herausgeber der Gewerbeschau W. Wolters in Dresden.
Die Arbeiten sind bis 1. Nov. d. I. an lctztcrn unter den üb-
lichen Förmlichkeiten einzusenden. Die Bewerber müssen übrigens
Abonnenten der Gewerbeschau sein.

Ausstellungen, Sammlungen rtr.

— München- Auf der Münchener JahreS-Ausstellung
wurden weiter angekauft: W. Bröcker-Berlin „Im Walde" und
„Am Miesenbach", F. v. Geiger-München „Frühling im kgl.
Hofgarten zu Dachau", Guglielmo Ciardi - Venedig »Lunule
§rancle<, I. Kleinmichel-München „Ein Besuch" H. Linden-
jchmit-Müuchen „Auf der Alm", Th. Nitz-Kopenhagen „Land-
schast", Fr. Ruben-Benedig „Motiv aus der Lagune", Seiler-
München „Kardinal", Olga Beggrow-Hartmann-München „Der
Vogel im Hanfsamen", Hermine Biedermanu-Arcndts-Freising
„Jagdstück", I. v. Blaas-Wicn „Ungarischer Markt", F. v. Ende-
München „Im Park", G. Jnduno-Mailand „Künstler", I. v.
Kemendy-München „Allerletzte Mode", L. A. Kunz-München
„Fruchtstück", P. Laubmann-München „Am heimischen Herd",
H. Lindcnjchmit-Münchcn „Elternsreude", A. Müller-München
„Auf dem Anstand", O. Pilz-München „Wendische Schule",
F. Schlesinger-München „Hilfsbedürftig", I. Schmitzberger-
München „Der Haustyrann", I. Wopfner-München „Ausfahrt
der Chiemjeefijcher", K. Zewy-Wien „Blumenmädchen". — Zur
Verlosung wurden angetanst: Adolf Echller-München „Die Vor-
leserin", Eiardr „Venedig", Fremiet „Der Ahnherr", Alcazar Te-
jedor-Rom „Die Dause", Berninger „Bei Eastellamare", Butter-
sack „Die Landschaft", Jovrs „Stillleben", Biedermann-Arendts
„Jagdstück", Leonhard „Frühmarkt in Samarkand", van der
Mecr f „Dorf am Kanal", Thierbach „Berglandschast mit Thier-
staffage", Vocllmy „Stillleben", Kühles „Ein Biedermeier",
Marc „Am Herd", Meyer „Malmaisvn-Rosen", Hans Hermann
„Ehivggia", Pölling „Die Dors-Sibylle" Strebet „Der Zieger",
Franziska Hübsch „Moiiv vom Bodensee", Herrn. Eichfeld „Land-
schaft", Olga Weiß „Aus der Frühlingszeit", Werner Zehme
„Meeresstille", Wenlscher „Waldstück", Ricardo de los Rios,
Radierung nach Passini „Die Neugierigen" und Pearce „Fischerin",
Pisani-Mailand „Guter Laune", Marsili „Splitternackt", Zwick-
München „Quellen-Nymphe".

Vermischte Nachrichten

O. ^V. Berlin. Zum Gedächtnis des ebenso genialen
Architekten wie Bildhauers Andreas Schlüter ist in den
Sammlungen des hiesigen Kunstgewerbemuseums eine Svnder-
abteilung eingerichtet worden, welche lediglich Werke des gedachten
Meisters umfassen wird, Überwiesen wurden diesem „Schlüter-
Museum" kürzlich u. a. die von dem Meister herrührenden
Figuren und reichen Ornamente der künstlerisch bedeutenden
Fassade des von ihm in den Jahren 1701 bis 1703 für den
damaligen ersten Minister Eolb von Wartcnberg gegenüber dem
königlichen Schlosse erbauten, in der Neuzeit unter dem Namen
„alte Post" bekannten Palais, sowie die prächtigen Deckcn-
siuckaturcn, Medaillons rc., welche eine besondere Zierde der
Jnnenrüume gebildet hatten. — Dieses altehrwiirdige Gebäude
ist abgebrochen worden, und an seine Stelle wird ein künstlerisch
vollendeter Prachtbau treten, dessen äußere Gestaltung der Ge-
nehmigung des Kaisers unterworfen ist.

lls. Straßburg. Der hiesige Kunstverein hat eine Aus-
stellung von Werken veranstaltet, die sich in hiesigem Privak-

Für die Redaktion verantwortlich: Fritz Schwartz —

besitze befinden, und zwar in drei Abteilungen, so daß in der
ersten die ältern Meister, in der zweiten die neuere Kunst und
in der dritten die lebenden Künstler vertreten sein sollen. Die
beiden ersten Abteilungen haben wir bereits hinter uns, sie
waren recht gut auSgestaltet, namentlich ist eine stattliche Samm-
lung Handzeichnungcn von W. von Kaulbach und Schwind
hervorznheben, die dritte Abteilung soll in den nächsten Tagen
eröffnet werden. Ohne Zweifel ist eine derartige Ausstellung nach
mehr als einer Seite vemerkenswert. Ermöglicht sie einerseits
einen kleinen Einblick in das Interesse und Verständnis, das man
in unfern Gesellschaftskreisen der bildenden Kunst entgegenbringt,
so ist anderseits der Umstand nicht zu unterschätzen, daß bei
solcher Ausstellung, bei der naturgemäß die ersten Meister, wenn
überhaupt, nur schwach vertreten sind, manches tüchtige Werk
zweiten Ranges zur richtigen Geltung gelangt, das sonst neben
den glänzenderen Rivalen völlig unbeachtet bleiben würde.

— Berlin. An der Kunstakademie, „der akademischen
Hochschule sür die bildenden Künste" hat der Schluß des Studien-
jahres am 17. Juli zugleich mit der Erteilung von Preisen und
Anerkennungen an die Studierenden stattgefunden. — In dem
kritischen Überblick über die Leistungen der Anstalt, welchen
Direktor A. v. Werner, wie alljährlich bei der feierlichen Preis-
Verteilung, gab, warf derselbe u. a. auch einen Blick auf die
eigenartigen Strömungen in der modernen Malerei und er-
örterte die Stellung der Hochschule zu denselben. Mit besondrer
Anerkennung konnte unter den ausgestellten Arbeiten der
Studierenden der großen Zahl von skizzierten und ausgeführten
Kompositionen gedacht werden. Es wurden an die Studierenden
12 erste, 10 zweite Preise und ca. 20 Anerkennungen erteilt.—
Die Zahl der Studierenden betrug im Wintersemester 298, im
Sommersemcster 217. Der Rückgang der Lchiilcrzahl, welcher
in den letzten Jahren bis auf 350 augewachsen war, erklärt
sich aus dem von maßgebender Seite ausgesprochenen Wunsche,
daß eine Beschränkung der Schülerzahl bis auf ca. 250 in Zu-
kunft herbeigesührl werden möge. Professor Bracht u. a. hat
aus seiner Landschastsschnle deshalb von 40 Schülern mehr als
20 entlassen müssen. Die Stelle des erkrankten Professor Hell-
gvist als Lehrer einer Malklasse hat Professor Hugo Vogel über-
nommen. Die öffentliche Ausstellung der Studienarbeitcn der
Hochschule findet bis zum 25. Juli in den Lehrsälen des Aka-
demicgebäudes statt. Professor E. Bracht hat sich inzwischen
mit 18 seiner Schüler auf den üblichen Studicnausflug, dies-
mal nach Bclzig begeben, während Prof. O. Kuhn mit 26
Schülern seiner Klaffe für Ornamentik und dekorative
Architektur nach dem durch seine gotischen Kirchen und dem
sogenannten Fürstenhof interessanten Wismar im Großherzogtum
Mecklenburg-Schwerin abgereist ist. Die Studienarbeiten, welche
bei diesen ans Staatskosten unternommenen Ausflügen entstehen,
gehen als Lehrmaterial in das Eigentum der Hochschule über,
und dieselbe besitzt jetzt eine vortreffliche Sammlung solcher
Aquarellen und Aufnahmen als Ergebnis der frühern Ausflüge
nach Lübeck, Hildesheim, Magdeburg, Halberstadt, Goslar,
Stendal, die Wartburg, Dresden (Zwinger) u. a. O. — Be-
dauerlich ist es, daß wegen unzureichender Mittel in diesem und
dem vergangenen Jahre keine Kopien nach alten Meistern von
denjenigen Studierenden, welche Len ersten Preis in einer der
Malklafsen erhielten, ausgejührt werden konnten. Die Hochschule
besitzt als Ergebnis dieser seil 1875 bestehenden Einrichtung eine
als Lehrmaterial bedeutende Sammlung von Kopien nach Ti-
zian, Rubens, van Dyck, Rcmbrandt, Paul Veronese, Ribera
und andern Meistern aus den Galerien von Dresden und Kassel,
deren Vervollständigung dringend zu wünschen wäre. Da die
akademische Kunstausstellung in den Unterrichlsräumen des Aka-
demiegebäudes bis 15. Oktober stattsindet, so läßt sich der Be-
ginn des Wintersemesters an der Hochschule vorläufig nicht be-
stimmen. — An größeren Stipendien kommen, wie alle Jahre,
an der Hochschule zwischen Oktober und Weihnachten das Adolf
Ginsberg-, das Ernst Reichenheim- und das Adolf Menzel-
Stipendium im Betrage von resp. 2000, 1200 und 800 Mk.
zur Bewerbung.

_ N-daL»i-msfchc>-tz S7. 2uti — Ausgabe in. August

Inhalt des Zweiundzwanzigsten Leftes: tzert: Fr. Pecht Di-
elst- Münchener JahreS-Ausstellung 1889. IV. Bildnisse — Johannes
Proelß. Modelle. Ein Novellcnlranz. tll. Carminella (Schluß) — Kunst-
Notizen rc. — Aitderbeikagen: Claus Mcher, Die Urkunde — Hans
Tichy, Pikla — Josef Wcnglcin, Frühlingsstimmung — GezaPcSke,
Eia popeia!

Druck der Bruckmann'schen Buchdruckerei in München
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